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Warnstreiks im öffentlichen Dienst
Deshalb stellt Verdi NRW auf die Geduldprobe

Warnstreik 2018 im öffentlichen Dienst: Deshalb stellt Verdi NRW auf die Geduldsprobe
Mit Verdi-Fahnen dekorierte Straßenbahnen stehen in Köln vor dem Depot der KVB. FOTO: Oliver Berg/dpa
Düsseldorf/Köln. Busse, Bahnen, Kitas, Müllabfuhr: Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst treffen Hunderttausende Menschen in NRW. Aber worum geht es bei den Arbeitsniederlegungen überhaupt? Was verdient eigentlich ein Busfahrer? Ein Überblick.

Verdi-Vorstandsmitglied Wolfgang Pieper ließ am Mittwoch über die "Passauer Neue Presse" wissen: Mit den "Warnstreiks größeren Ausmaßes" wolle man ein Signal an die Arbeitgeber senden, sich in den Tarifverhandlungen zu bewegen. "In der Wirtschaft herrscht Festtagsstimmung, die Aktionäre reiben sich die Hände und die Steuereinnahmen sprudeln", sagte Pieper. "Jetzt ist die Zeit, die Beschäftigten an der guten konjunkturellen Entwicklung zu beteiligen und so den öffentlichen Dienst langfristig wieder attraktiver zu machen."

Die Gewerkschaften fordern für die 2,3 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes in Bund und Kommunen sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro pro Monat. Zudem sollen die Ausbildungsvergütungen und Praktikantenentgelte um 100 Euro pro Monat erhöht werden. Pieper betonte, man wolle vor allem Verbesserungen für untere und mittlere Angestellte erreichen: "Gerade die Einstiegsgehälter sind wichtig, um in Konkurrenz zur freien Wirtschaft qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen." Man müsse die Lücke, wenn altersbedingt in den kommenden Jahren sehr viele Mitarbeiter wegbrechen, jetzt schon einkalkulieren.

Fotos: So läuft der Verdi-Warnstreik in NRW FOTO: dpa, gfh

Die Arbeitgeber lehnen den geforderten Mindestbetrag ab. Eine abschließende Verhandlungsrunde soll am 15. und 16. April stattfinden. Kurz davor sind neue Warnstreiks möglich.

Doch was verdienen die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes eigentlich? Hier einige Gehaltsbeispiele nach Verdi-Angaben:

  • Sozial- und Erziehungsdienst: Eine Erzieherin verdient brutto aktuell je nach Berufsjahren in der Regel zwischen 2578 Euro und maximal 3592 Euro. Das gilt für Vollzeitbeschäftigte - eher selten im Kita-Bereich. Eine Kinderpflegerin - mit zweijähriger Ausbildung - kommt in Stufe 1 auf 2369 Euro und könnte in der Spitzenstufe 5 nach vielen Berufsjahren bei 3176 Euro landen. Ein Sozialarbeiter verdient bei der Einstellung 2846 Euro und kann nach Tariftabelle höchstens 4216 Euro im Monat erreichen.
     
  • Pflegen-Beschäftigte: Eine Krankenschwester oder ein Krankenpfleger in den Kommunen steigt mit rund 2636 Euro ein und erreicht nach zahlreichen Berufsjahren die Höchstgrenze von 3296 Euro. Bei "besonders schwieriger Tätigkeit und entsprechender Weiterbildung" liegt die Spanne für die Beschäftigten dieser Gruppe derzeit bei 3039 bis 3584 Euro. Ärzte in der Verwaltung verdienen zunächst 3967 und können sich in der Regel nach 15 Jahren auf höchstens 5945 Euro steigern.
  • Ein Müllwerker startet im öffentlichen Dienst mit 2109 Euro brutto und kann sich normalerweise nach 15 Berufsjahren auf maximal 2629 Euro verbessern. Wer als Brandmeister beim Bund beschäftigt ist, erhält je nach Berufsjahren zwischen 2343 bis 2989 Euro, beim kommunalen Arbeitgeber gibt es ein bisschen mehr. Beim Busfahrer sieht es regional unterschiedlich aus. Laut Tarifvertrag Nahverkehr für Nordrhein-Westfalen und für Niedersachsen verdienen "Kraftomnibusfahrer" zwischen 2369 Euro und in der Endstufe höchstens 2991 Euro.
(oko/lnw)
 
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