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Warstein
Nordrhein-Westfalen zieht Konsequenzen aus Legionellen-Epidemie

Warstein: Legionellen-Epidemie: Reisewarnung war überzogen
Die Kläranlage in Warstein. (Archiv) FOTO: dpa, Großelohmann, Reinhold
Düsseldorf. Man sieht sie nicht, schmeckt sie nicht und riecht sie nicht - Legionellen sind überall im Wasser. Kommen sie in die menschliche Lunge, kann es tödlich enden. Und Kühlanlagen können zu Bakterien-Schleudern werden.

Vor zwei Jahren erlangte die Stadt Warstein über die Grenzen hinaus traurige Berühmtheit: Mehr als 160 Menschen erkrankten schwer an einer durch Legionellen ausgelösten Lungenentzündung, zwei Patienten starben. Die Ausgangsquelle, von der sich die Bakterien in der Luft verteilt hatten, wurde nicht gefunden. Aber die Verbreitung wurde schnell gestoppt.

Fragen und Antworten rund um die Legionärskrankheit FOTO: AP

Am Mittwoch zog die Landesregierung Bilanz. Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) stellte die Berichte mehrerer Expertengruppen vor. "Das schlimmste ist, nicht aus Erfahrungen zu lernen", sagte der Minister. "Das war die bisher größte Legionellen-Epidemie in Deutschland", sagte Remmel und wiederholte die Forderung nach einer Registrierungs- und Wartungspflicht für industrielle Kühlanlagen. Denn bei allen bisher bekannten größeren Legionellen-Infektionswellen spielten sie als Verteiler der Erreger eine zentrale Rolle. Die Bundesumweltbehörden sollten das nun endlich umsetzen. Nur so könne man im Fall einer Legionellose die Anlagen schnell untersuchen und abschalten.

Denn als man vor zwei Jahren in Warstein auf Legionellen getippt hatte, rannte der Bonner Wasserexperte Martin Exner zwei Tage lang mit Warsteins Bürgermeister Manfred Gödde durch die 26 000-Einwohner-Stadt und suchte in Firmen, Geschäften und Bürogebäuden nach solchen Anlagen. Glücklicherweise hatte man - ohne es zunächst zu wissen - mit der ersten Anlage gleich die richtige abgeschaltet und damit weitere Neuinfektionen gestoppt.

Exner forderte zudem ein Umdenken bei der Medizin. "Mann muss bei einer Lungenentzündung auch immer sofort an Legionellen denken", sagte er. Bisher sei das nicht üblich. So könne man solche Epidemien früher erkennen und damit Menschen vor Ansteckung schützen. Exner schätzt, dass es pro Jahr 20 000 bis 30.000 Legionellen-Infektionen in Deutschland gibt. Beim Robert Koch-Institut in Berlin sind aber nicht einmal 1000 gemeldet. Auch das RKI geht von einer ähnlich hohen Dunkelziffer wie Exner aus. 

In Warstein wurde nach der Erkrankungswelle nicht nur nach den Ursachen geforscht, sondern auch auf Nummer sicher gegangen. Mehr als zehn Millionen Euro investierten die Stadt, das Land, der Ruhrverband und die Warsteiner Brauerei, um die Abwasser-Aufbereitung in der Brauerei und der kommunalen Kläranlage so umzurüsten, dass keine Legionellen in die Luft gelangen können. So wurde ein mehrere Kilometer langer Abwasser-Kanal hermetisch abgedichtet und die Kläranlage um eine UV-Stufe ergänzt.

Denn immer noch sind die Legionellen in Warstein ein Problem. Nach Auskunft des Ruhrverbandes sind die Werte, die in KBE (Kolonie bildenden Einheiten) pro Liter gemessen werden, aber deutlich zurückgegangen. Statt mehrerer Millionen KBE werden jetzt am Zulauf der Brauerei noch 5000 KBE gemessen, am Ablauf sind keine Legionellen mehr nachweisbar. Für Trinkwasser gilt eine Belastung von 100 KBE als unbedenklich.

(lnw)
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