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Meteorologin erklärt Zusammenhang
Warum bei extremem Wetter die Vorhersage öfter falsch ist

Fotos: Juli 2017 – Hitzegewitter zieht über NRW
Fotos: Juli 2017 – Hitzegewitter zieht über NRW FOTO: dpa, mg vge
Düsseldorf . Am Mittwoch hätte ein heftiges Unwetter über NRW ziehen sollen. Davor hatte der Deutsche Wetterdienst bereits am Vortag gewarnt. Passiert ist am Ende nichts. In weiten Teilen des Landes fiel nicht einmal Regen. Wie kann es zu so einem Irrtum kommen? Eine Meteorologin im Gespräch. Von Susanne Hamann

So mancher Autofahrer dürfte am Mittwoch immer wieder einen sorgenvollen Blick Richtung Himmel geworfen haben. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte bereits am Dienstag vor heftigen Unwettern gewarnt. Am Mittwochmorgen kam die Meldung dann erneut, Regen und Gewitter blieben jedoch aus. Am frühen Nachmittag dann gab der DWD Entwarnung - nur wenige Stunden später. 

Wie kann das sein? "Das Problem ist, dass sich bei so extremen Wetterlagen wie am Mittwoch alles in sehr kurzer Zeit verändern kann", sagt Claudia Salbert, Meteorologin bei der Meteo-Group. "Es bilden sich dann vor allem Gewitterzellen, die so unkontrolliert aufsteigen wie die Blasen in einem Topf kochendem Wasser." Entsprechend schwer ließe sich vorhersagen, wo genau es Gewitter geben wird. 

"Die ganze Zeit aufs Radar schauen"

"In Sachsen hat sich am gleichen Tag innerhalb von 15 Minuten eine heftige Wetterfront gebildet", sagt Salbert. "Das bekommt man nur mit, wenn man im Grunde die ganze Zeit auf das Radar schaut. Das ist natürlich sehr schwierig."

Üblicherweise wird das Wetter alle drei Stunden neu berechnet. "Das ist auch der Zeitraum, in dem die WetterApps aktualisiert werden", sagt die Meteorologin. Ein eigentlich zuverlässiges Vorgehen, das aber versage, wenn die Lage sehr extrem ist. "Es kommt dann darauf an, wo die Luftmassengrenze genau liegt. 50 Kilometer können da den Ausschlag geben und zwar auch für das Wetter rund um diese Zellen." Als Luftmassengrenze bezeichnen Meteorologen den Bereich, in dem zwei Luftmassen unterschiedlicher Temperatur aufeinander treffen. Im Sommer können hier Gewitter ausgelöst werden, im Winter kann Schnee fallen. 

"Insgesamt sind Vorhersagen sehr gut"

Es gilt also die Formel: Je extremer die Wetterlage, umso schwerer ist es, eine verlässliche Vorhersage zu treffen. Insgesamt seien die Wettervorhersagen aber inzwischen sehr gut, sagt Salbert. "Man kann das Wetter inzwischen auf bis zu fünf Tage zuverlässig vorhersagen. Am nächsten Tag haben wir immer noch eine Zuverlässigkeit von über 90 Prozent, am dritten Tag von über 80 Prozent."

Was allerdings auch zugenommen hat, sind die extremen Wetterlagen im Sommer. "Und in einem solchen Fall ist die Zuverlässigkeit tatsächlich nicht so hoch, wie es sonst der Fall ist", sagt die Meteorologin.   

(ham)
 
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