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Fälle in NRW
Warum quälen und töten Menschen Tiere?

Fälle in NRW: Warum quälen und töten Menschen Tiere?
Die kleine Katze "Mino" ist erst vier Wochen alt. Unbekannte haben Klebstoff über das Tier geschüttet und die Pfoten an das Gesicht geklebt. FOTO: Tierheim Köln Zollstock
Düsseldorf. In Köln wurde eine Katze mit Kleber übergossen, in Mönchengladbach fütterte ein Tierhasser einen Hund mit einer Rasierklinge. Was bringt einen Menschen dazu, Tiere zu quälen? Wir haben mit einem Aggressionsforscher gesprochen. Von Sabine Kricke

Herr Dr. Paulus, was geht in einem Menschen vor, der ein Tier zum Spaß mit Klebstoff übergießt?

Paulus: Menschen, die Tiere direkt quälen, streben nach Überlegenheit, nach Macht. Sie leben häufig Gewaltfantasien aus. Die Tiere sind dabei wehrlose Opfer, ihre Größe variiert in der Regel. Zunächst werden Kleintiere wie Meerschweinchen, Hühner, Katzen oder Hunde gequält, später erst größere Tiere wie Schafe, Kühe oder Pferde.

Und warum legen Menschen Giftköder aus?

Paulus: Beim Giftköder steht der Täter nicht direkt in Kontakt mit dem "Opfertier". Die direkten Folgen seiner Tat erlebt er also nicht mit. Sie greifen nicht ein bestimmtes Opfer an, sondern möchten Angst und Schrecken verbreiten - ohne jedoch selbst die Folgen ansehen zu müssen. Das kann ein Dummer-Jungen-Streich sein, sich aber auch gezielt gegen eine bestimmte Gruppe, wie zum Beispiel Hundehalter, richten.

Gibt es etwas, das die beide Tätergruppen in ihren Motiven verbindet?

Paulus: Alle Täter besitzen einen Mangel an Empathie. Die wirkt normalerweise hemmend auf aggressive Gedanken und Gefühle. Taten, die das normale Maß an Gewalt überschreiten, sollten immer als Warnzeichen einer gefährdeten Persönlichkeit angesehen werden.

Ist die Hemmschwelle geringer, einen Menschen zu verletzen, wenn man zuvor bereits Tiere verletzt oder getötet hat?

Paulus: Das scheint tatsächlich der Fall zu sein. Ein Täter weiß ja zu Beginn nicht, ob er tatsächlich in der Lage sein könnte, seine Gewaltfantasien an Menschen wirklich auszuleben. Tiere sind wehrloser, kleiner und besser zu erreichen als Menschen, so dass sie zu Übungszwecken gut geeignet sind. Wenn dann mal die erste Hemmschwelle gefallen ist und das damit verbundene Machtgefühl erlebt wird, so muss dieser Kick immer mehr gesteigert werden. Nach einer gewissen Zeit ist dann der Schritt zu Menschen als Opfer nicht mehr groß: Meerschweinchen - Katzen - Hunde - Schafe - Kühe - Pferde - danach Brandstiftung mit menschlichen Opfern (zunächst noch indirekt), dann direkte Angriffe gegen Personen.

Wie können Freunde und Familie der Täter erkennen, dass ein Mensch Tiere quält oder sie vergiftet?

Paulus: Wenn die Tat nicht direkt beobachtet oder erzählt wird, zeichnen sich Tierquäler dadurch aus, dass sie stolz auf ihre Taten sind. Merkmale könnten zum Beispiel sein, dass Menschen sehr stark von Gewalt fasziniert sind oder andere Täter und Taten als "mutig" oder "gerechtfertigt" bezeichnen.

Dr. Christoph Paulus lehrt an der Universität des Saarlandes in der Fachrichtung Bildungswissenschaften. In seiner Forschung beschäftigt er sich unter anderem mit den Ursachen und der Entwicklung extremer Gewalt, dem Denken und Fühlen von Serienmördern und der Jugendgewalt im öffentlichen Raum.

Dr. Christoph Paulus lehrt an der Universität des Saarlandes. FOTO: Universität des Saarlandes
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