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Unwetter
Was macht der Dauerregen mit den Flüssen in NRW?

Hochwasser an der Issel in Hamminkeln
Hochwasser an der Issel in Hamminkeln FOTO: dpa, mku fdt
Düsseldorf. Der teils extrem starke Regen hat in den vergangenen Tagen vielerorts in NRW zu Notlagen geführt. Bis Dienstag muss täglich mit Niederschlägen gerechnet werden. Aber was bedeutet der Dauerregen für die Flüsse in NRW? Von Susanne Hamann

Gefluteter Keller, überschwemmtes Treppenhaus, eine große Wasserlache in der Wohnung - vor allem Anwohner in Rheinnähe haben meist schon mehrfach erlebt, was es bedeutet, wenn der Fluss über die Ufer tritt. 

Kein Wunder, dass derzeit viele Bürger NRWs besorgt den Rhein und andere Flüsse wie die Lippe und die Erft im Blick behalten. In Düsseldorf überspült der Rhein nach den täglich wiederkehrenden Regenfällen seit Mittwoch längst große Flächen des Ufers.

Hochwasser am Rhein: Ein gesperrter Uferweg in Düsseldorf-Heerdt. FOTO: Christoph Schroeter

Und Entwarnung in Sachen Regen gibt es nicht. Zwar sind die schlimmsten Unwetter vorbei, doch laut Deutschem Wetterdienst (DWD) muss bis mindestens Dienstag kommender Woche täglich mit starken Niederschlägen gerechnet werden. (Mehr Infos zur Wettervorhersage finden Sie hier.

Eberhard Jacobs, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in NRW (LANUV), gibt die wichtigsten Antworten zum Hochwasser in NRW:

Wie schlimm ist das Hochwasser derzeit in NRW?

"Der Rhein ist ja der Fluss auf den wir immer das meiste Augenmerk legen, weil an ihn mit Köln und Düsseldorf die größten Städte grenzen", sagt Eberhard Jacobs. "Aber dieses mal haben wir keine echten Hochwasserwarnungen." In Koblenz erreicht der Wasserstand derzeit etwa die Fünf-Meter-Marke. In Köln liegt er bei rund 6,30 Metern und in Düsseldorf bei sechs Metern. "Das liegt zwar an der Schwelle zum Hochwasser, aber die Werte stagnieren entweder in den letzten Tagen, oder sie sinken jetzt schon wieder." Eher betroffen sind die Flüsse Erft, Swistbach und vor allem die Issel. An der Issel in Hamminkeln war es am Donnerstag beinahe zu einem Deichbruch gekommen.

Dort war der Pegel des Flusses bis auf 2,10 Meter gestiegen. Normalerweise steht das Wasser nur 30 bis 50 Zentimeter hoch. (Alle Hintergründe zum Hochwasser in Hamminkeln finden Sie hier.) Kritisch bleibt die Situation vor allem an einer Stelle der Issel in Ringenberg. Dort versucht die Feuerwehr seit Mittwochnacht, den aufgeweichten Damm zu schützen. 

Was macht der ständige Regen mit den Flüssen in NRW?

"Weil es sich bei den Gewittern in diesen Tagen um lokal unwetterartigen Starkregen handelt, lässt sich überhaupt nicht voraussagen, wo der nächste Regenguss herunterkommen wird", sagt Jacobs. Das habe Vor- und Nachteile. 

Der Nachteil ist, dass man nicht vorhersagen kann, wo der nächste heftige Regen passieren wird, die Anwohner können sich also nicht vorbereiten. Der Vorteil ist, "dass der Starkregen sehr vereinzelt auftritt und die Flüsse deswegen insgesamt nicht so stark oder nur für eine kurze Zeit ansteigen lässt", sagt der Experte vom LANUV. Auf drei Stellen, müssen die Experten für Katastrophenschutz aber doch achten.

"Das ist eben die Issel, an der es bei weiteren Regenfällen wirklich kritisch werden könnte. Außerdem die Erft. Der Pegel in Glesch hat hier die erste Warnstufe erreicht, sinkt zwar inzwischen wieder, muss aber beobachtet werden." Der dritte Fluss sei der Swistbach mit einer kritischen Stelle in Weilerswist, wo das Wasser in der Nacht zu Freitag einen Stand von 2,40 Meter erreicht hat. "Auch hier sinkt der Pegel schon wieder, aber wenn es an einer dieser drei Stellen weiter stark regnet, könnte das sehr plötzlich zu heftigen Problemen führen." 

Gibt es Orte an denen es meistens zu Hochwasser kommt? 

Ja, typischerweise sind das die größeren Städte am Rhein. Hier haben wir normalerweise das Problem, dass die Wassermassen am Oberrhrein zusammenlaufen und sich dann den Fluß entlang schieben. Dieses Mal trifft das aber nicht zu", sagt Jacobs. Ursache sei die Wetterlage, die immer wieder unkalkulierbare Gewitterstörungen mit sich bringe. Dies führe dazu, dass die Probleme eher in der Fläche entstehen, also an kleineren Flüssen. "Und es kann ganz spontan dazu kommen, dass es in einer Stadt von jetzt auf gleich die Gullideckel hochdrückt. Aber weil der Regen nicht andauert, sind die Probleme in der Regel auch schnell wieder behoben." 

Kann man sich als Anwohner vorbereiten?

Nicht über die üblichen Hochwassermaßnahmen hinaus. Das bedeutet, wer weiß, dass er an einer von Hochwasser gefährdeten Stelle lebt, sollte entsprechende Maßnahmen treffen. Tipps dafür, wie Sie Haus und Grundstück vor Gewitter schützen finden Sie hier. Immerhin, die schlimmsten Unwetter sollen laut Deutschem Wetterdienst in NRW vorbei sein. 

(ham)
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