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Weltkatzentag
Katzen im Tierheim: Wieviele kommen heute?

Weltkatzentag: Katzen im Tierheim: Wieviele kommen heute?
Gabi Nietgen ist im Tierheim in Essen als "Katzenstreichlerin" unterwegs. FOTO: dpa, cas
Essen. Wenn die Katze nicht mit in den Urlaub kann, landet sie auf der Straße. Es wird sich schon jemand finden, der sich kümmert.

Gabi Nietgen kommt fast täglich ins Essener Tierheim. Als Katzenstreichlerin schenkt sie Kater "Scirocco" für eine Weile ihre Aufmerksamkeit. Das schwarz-weiße Tier macht mit ihr kleine Kunststücke, läuft über den Parkour, gibt mit der Pfote High-Five oder lässt sich einfach nur streicheln.

Gerade dann, wenn die Menschen in Urlaub fahren und nicht wissen, wohin mit dem Tier, ist in den Heimen in Nordrhein-Westfalen viel los: Tiere, Helfer und Spenden - auf die Dauer aber nicht genügend Platz. "Heute waren es schon drei neue Katzen, vorgestern vier", berichtet die Heimleitung in Münster. Weil auch weniger Tiere als sonst vermittelt werden, staut es sich. "Für die Tierheime sind die Sommermonate immer eine traurige Hochsaison", stellt der Deutsche Tierschutzbund fest. "Die mehr als 500 Tierheime, die dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen sind, nehmen allein in dieser Zeit rund 70.000 neue Tiere auf."

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Solch eine Hochsaison müsse aber nicht zwangsweise während der Sommermonate herrschen, meint dagegen der Leiter des Tierschutzzentrums in Dortmund. Er stelle fest, dass die Schulferien kein Schwerpunkt mehr seien. "Heute fahren die Leute zu jeder Jahreszeit in Urlaub. So gibt es eine gleichmäßigere Verteilung." Ähnlich ist es in Düsseldorf. Eine Urlaubsspitze beobachtet der Leiter des Tierheims dort nicht. Jedoch ist die Anzahl in den letzten Jahren stetig gestiegen. Aus einer Statistik des Tierheims geht hervor, dass vor vier Jahren 771 Katzen aufgenommen wurden. 2014 waren es schon mehr als eintausend.

Kater Scirocco ist einer von 65 seiner Art, die gerade im Essener Tierheim von Haupt- und Ehrenamtlichen versorgt werden. In Münster und Aachen sind es jeweils rund 80 Katzen und 56 in Dortmund. Im Düsseldorfer Tierheim leben rund 150 Stubentiger. Viele von ihnen wurden gefunden, manche auch direkt von ihren Besitzern im Tierheim abgegeben. Die Ausreden, die die Tierpfleger dann hören, sind vielfältig. "Zum Beispiel: Meine Tochter ist allergisch, ich werde mit dem Tier nicht fertig, ich kann den Geruch nicht ertragen, zu teuer", sagt Elke Esser-Weckmann, Leiterin des Tierheims in Essen.

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Die Kosten sind für sie ein großer Faktor. "Der Wert einer Hauskatze hat rapide abgenommen, deswegen werden sie nicht gesucht oder einfach ausgesetzt", so Esser-Weckmann. Dazu komme, dass sich draußen lebende Katzen unkontrolliert vermehren. Weil es so viele Kätzchen gibt, ist die Anschaffung günstig. Mit späteren Kosten für den Tierarzt, eine Kastration und Futter werde oft nicht gerechnet. Die übernimmt dann das Tierheim. Bis jemand kommt und ein Kätzchen adoptiert.

So wie Familie Ruban-Guillo. Zu viert schauen sie sich die Katzen im Außengehege an. "Wir haben Zeit und Platz für eine Katze", sagt Brigitte Ruban-Guillo. Sie kämen ins Tierheim, weil sie vorher wissen wollen, welchen Charakter ihr neues Familienmitglied hat. Wichtiges Kriterium: "Sie muss sich von den Kindern streicheln lassen". Dass es Menschen gibt, die ihre Katze bei einem Umzug einfach in der Wohnung lassen oder vorm Urlaub aussetzen, versteht Ruban-Guillo nicht. "Das haben wir uns vorher gut überlegt." Die Nachbarn hätten auch Katzen und sie würden sich in Zukunft beim Katzensitting abwechseln.

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Ganz im Sinne des Deutschen Tierschutzbundes. "Wer sich ein Tier zulegt, trägt die Verantwortung - auch während der Urlaubszeit", so Präsident Thomas Schröder. Um Findelkatzen, die entlaufen sind, direkt ihren Besitzen zuordnen zu können, sollten alle Tiere gekennzeichnet und registriert sein.

Seit zwei Jahren ist Kater Scirocco im Tierheim und teilt sich mit anderen Findelkatzen eine Stube, die aussieht wie ein sehr gemütliches Wohnzimmer. Die Wände sind in fröhlichen Farben gestrichen, es gibt Decken, Korbsessel und Spielzeug. "Die, die zuerst Angst haben, hab ich am liebsten", sagt Gabi Nietgen. Das sind die Katzen, die sie am meisten brauchen. Mittlerweile kommt sie so nah an Scirocco ran wie sonst niemand.

(lnw)
 
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