| 12.51 Uhr

Klimagipfel in Bonn
So verkleinern Sie Ihren CO2-Fußabdruck

Weltklimagipfel 2017 in Bonn: So schrumpft der CO2-Fußabdruck
Unsere Autorin auf dem Weg zur Arbeit. FOTO: Phil Ninh
Düsseldorf. Fast zwölf Tonnen CO2 produziert jeder Deutsche pro Jahr. Um das Klimaziel bis 2020 zu erreichen, müsste jeder etwa zwei Tonnen davon einsparen. Unsere Autorin hat den Test gemacht, was für einen CO2-Fußabdruck sie hinterlässt. Von Christina Rentmeister

Deutschland hat sich verpflichtet, seinen Ausstoß an Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber dem Wert von 1990 zu reduzieren. Heißt: In drei Jahren dürfen noch 750 Millionen Tonnen CO2-äquivalente Treibhausgase ausgestoßen werden. Ich dürfte also etwas mehr als neun Tonnen pro Jahr produzieren, um meinen Beitrag zum Erreichen des Klimaziels zu leisten. Aber wie viel CO2 gelangt durch meinen Lebensstil überhaupt in die Umwelt?

Jeder kann seine eigene CO2-Produktion berechnen

Testen kann jeder seine eigene CO2-Emission mit dem CO2-Rechner des Umweltbundesamtes (UBA). Nehmen wir also meinen Singlehaushalt. Ich halte meinen Lebensstil für relativ umweltbewusst. Abgesehen davon, dass ich einen Kleinwagen fahre und das häufiger als es unbedingt nötig wäre. Ich esse nur selten Fleisch, heize wenig und benutze meine Elektrogeräte so lange und gleichzeitig stromsparend wie möglich. Allzu schlimm dürfte mein CO2-Fußabdruck also nicht sein - denke ich.

Für die ersten Punkte des CO2-Rechners trifft das auch noch zu. Ich wohne in einer Mietwohnung in einem Mehrfamilienhaus. Das Programm will wissen, wie alt das Haus ist und in welchem Zustand. Keine Ahnung – Düsseldorfer Altbau, das Dach wurde saniert, die Fenster habe ich selbst mit Thermo-Fensterfolie ausgestattet. Mehr weiß ich nicht über das Gebäude. Also gebe ich "unbekannt" an.

Die Wohnfläche sind 50 Quadratmeter. Die Kilowatt-Leistung für meine Heizung lasse ich durch mein Heizverhalten schätzen: 1,52 Tonnen. Der Durchschnitt liegt in Deutschland bei 1,75 Tonnen. Ähnlich sieht es beim Stromverbrauch aus. Damit produziere ich im Jahr 0,51 Tonnen CO2. Der Bundesdurchschnitt sind 0,79 Tonnen.

Langstreckenflüge treiben die Bilanz hoch

Doch dann kommt das Kapitel Mobilität. Mit Pkw-Fahrten zu Freunden und Familie komme ich im Jahr auf etwas mehr als 10.000 Kilometer. Hinzu kommen etwa 2000 Kilometer, die ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklege. Fahrrad fahre ich selten. Vielleicht 200 Kilometer im Jahr. Und schon liege ich mehr als eine halbe Tonne über dem Durchschnitt. Woran ich aber bisher noch gar nicht gedacht habe: Flüge. Eine  Fernreise im Sommer, dazu ein Städtetrip - macht insgesamt 26 Flugstunden. Umgerechnet 6,1 Tonnen CO2-Emission (0,58 Tonnen im Bundesschnitt).

Das war es dann mit meinem umweltbewussten Lebensstil. Da hilft es auch nicht mehr, dass ich auf Produkte aus der Region achte, wenig Fleisch esse und auch unterdurchschnittlich viel für sonstige Konsumgüter ausgebe.

15,02 Tonnen Kohlendioxid werde ich in diesem Jahr durch meinen Lebensstil produziert haben – obwohl ich in CO2-Ausgleich investiere. Damit liege ich deutlich über dem Bundesschnitt (11,63). Um einen Beitrag zum Erreichen des Klimaziels für 2020 zu erreichen, müsste ich also fast sechs Tonnen im Jahr einsparen. Dann würde ich zwei Tonnen weniger produzieren als der aktuelle Durchschnitt.

Weniger das Auto, mehr das Fahrrad nutzen

Gar nicht so einfach. Der CO2-Rechner des UBA macht mir Vorschläge, wie viel ich wo einsparen könnte. Bei Strom, Heizung, Ernährung sind es einige Hunderttausend Kilo. Immerhin: Mein CO2-Fußabdruck verbessert sich schon merklich, wenn ich das Fahrrad oder die Bahn nehme, um zur Arbeit zu fahren. Etwa eine Tonne CO2 würde ich so weniger produzieren.

Und für 2018 wird es für mich dann doch ganz leicht, das Ziel zu erreichen. Eine Fernreise ist nicht geplant. Macht mehr als fünf Tonnen CO2-Emission weniger. Kurzfristig könnte ich nach den Berechnungen des UBA in allen Bereichen zusammen 7,39 Tonnen sparen. Was aber, wenn ich 2019 wieder mehr fliegen sollte? Dann hilft es wohl nur, das Auto ganz stehen zu lassen und auf Ökostrom umzusteigen.

Wie sieht es aber für eine Familie aus? Eine vierköpfige Familie dürfte 46,52 Tonnen CO2 produzieren, wenn sie im Bundesdurchschnitt liegen will.

Alte Elektrogeräte = mehr CO2-Austoß

Wir gehen davon aus, dass die Familie in einem ab 2001 gebauten Einfamilienhaus mit einer durchschnittlichen Wohnfläche (150 Quadratmeter) lebt. Die Heizung läuft über Erdgas und die Durchschnittstemperatur liegt bei 20 Grad. Es wird täglich geduscht, es gibt keine Solaranlage. Dann liegt unsere Familie in diesem Bereich schon mal unter dem Bundesschnitt. Beim Strom nehmen wir folgendes an: Der Kühlschrank ist älter als zehn Jahre, genauso das Gefriergerät und Geschirrspüler. Waschmaschine und Trockner sind hingegen jünger als zehn Jahre. Andere Parameter stellen wir auf normal. Auch hier liegt die Familie dann knapp unter dem Schnitt.

Allerdings fährt die Familie ein Dieselfahrzeug und das fast 13.000 Kilometer pro Jahr. Öffentliche Verkehrsmittel nutzt die Familie für etwa 1000 Kilometer. Damit liegt die CO2-Emission mit 2,49 Tonnen über dem Durchschnitt (1,61). Für die Urlaubsreise war die Familie insgesamt acht Stunden in der Luft. Macht 1,36 Tonnen CO2 pro Kopf.

Die Ernährung der Familie ist durchschnittlich: Mischkost, teilweise regionale und ab und zu saisonale  oder Bio-Produkte, gelegentlich Tiefkühlkost. Damit liegt die Familie nur knapp über dem deutschen Durchschnitt. Auch das Kaufverhalten der Beispiel-Familie ist durchschnittlich. In beiden Fällen sieht das UBA kaum Verbesserungspotenzial.

Ohne Pkw fällt die Bilanz deutlich besser aus

Insgesamt liegt die Familie mit 13,56 Tonnen CO2-Emission fast zwei Tonnen über dem Durchschnitt. Reduzieren könnte sie ihren Wert, indem sie ihre Fahrleistung etwa um die Hälfte reduziert, die Raumtemperatur im Schnitt um ein Grad senkt und zum Beispiel eine Solaranlage installiert. Auch mit einem umweltbewussteren Konsumverhalten könnte die Familie fast eine Tonne CO2 einsparen.

Mit zwei bis drei größeren Veränderungen liegt eine vierköpfige Familie mit Einfamilienhaus schnell bei nur noch neun Tonnen CO2-Emission. Wenn sie eine Solaranlage nutzt, statt Auto Bus und Bahn fährt und die Flüge für den Urlaub nur vier Stunden dauern. Außerdem spart die Umstellung auf Ökostrom einige Kilo CO2.

Etwas schwieriger ist es für Familien, die in Mietwohnungen leben, CO2 einzusparen. Sie können nicht aus eigenem Antrieb eine Solaranlage installieren oder das Haus energetisch sanieren.

Hier können Sie Ihren eigenen CO2-Verbrauch testen.

 

 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Weltklimagipfel 2017 in Bonn: So schrumpft der CO2-Fußabdruck


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.