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Weltklimakonferenz in Bonn
Umweltschützer kritisieren Kanzlerin – "Merkel schläft"

Fotos: Klimaschützer demonstrieren zum Karnevalsauftakt
Fotos: Klimaschützer demonstrieren zum Karnevalsauftakt FOTO: dpa, bt kno
Bonn. Während in den Karnevalshochburgen viele Menschen den Beginn der fünften Jahreszeit feiern, geht es in Bonn auch um den Klimaschutz. Demonstranten fordern eine umfassende Energiewende.

In Bonn haben weit mehr als Tausend Teilnehmer in einem bunten Protestmarsch für eine Wende in der Klimapolitik demonstriert. Zur Halbzeit der Weltklimakonferenz zogen sie von der Innenstadt bis zum Tagungsort im früheren Regierungsviertel - das Motto der Demonstration: "Wir treiben die bösen Geister des Klimawandels aus". Vor allem die Kanzlerin wurde kritisiert: "Frau Merkel verschläft den Klimawandel", war auf Transparenten zu lesen. Eine Rednerin von Attac sagte, die Konferenz komme nicht recht voran. "Was die da machen - das braucht unbedingt den Druck der Straße." 

Zu der Aktion hatte das Bündnis "No Climate Change" aufgerufen, das getragen wird etwa vom BUND, Grünen, Linken oder Attac-Gruppen. Parallel zum offiziellen Beginn der Karnevalssession setzte sich der Protestmarsch kurz nach 11 Uhr 11 mit Samba, Technotönen und Schunkelmusik in Gang. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Arnold Plickert, ging von 1700 Teilnehmern aus.

Kritik hagelte es an US-Präsident Donald Trump nach dessen Austrittsentscheidung aus dem Pariser Klimaschutzabkommen. Ein "Fake"-Trump fuhr in einem Cabrio in dem Demozug mit, chauffiert von einem Eisbär - und mit einer vor der Umweltverschmutzung zu Fall gebrachten Freiheitsstatue im Schlepptau. Auf einem rund hundert Meter langen Banner - getragen von Dutzenden Demo-Teilnehmern - hieß es: "USA: Trump: Climate Genocide" (Klima-Völkermord oder auch Klima-Zerstörung).

"Es ist fünf nach zwölf"

Viele Leute hatten sich verkleidet, so auch als US-Präsident, der in den Fluten versinkt. "Trump zieht die Welt in den Abgrund", sagte Frank Schröder aus Niedersachsen zu seiner Kostümierung. "Bei aller karnevalistischen Stimmung hier - unsere Botschaft ist ernst: Die Konferenz muss begreifen, dass es fünf nach zwölf ist." 

"Wenn man nicht in den reichen Ländern versteht, dass das Wachstum völlig überdreht und wir den Glauben an ewiges Wachstum stoppen müssen, dann wird das auch nichts mit dem Klimaschutz", sagte Urs Kleinert. Er war als Dino gekommen - genauer: als "Wachstumsaurus stupidus". Ein junges Paar warnte im Fieberthermometer-Outfit vor der globalen Klimaerwärmung. "Bützen (Küssen) statt Baggern" empfahlen junge Kohlegegner aus Köln. Und Atomkraftgegner aus Braunschweig waren als Skelette und Untote auf einem Geisterschiff-Mottowagen mit von der Partie.

Die Polizei sprach von einem "absolut friedlichen Verlauf". Auch ein zweite Demo bei regnerischem Wetter in der Innenstadt blieb ruhig, sagte ein Polizeisprecher. Diese "Großdemo am Weltklima-Aktionstag" hatten unter anderem die Verdi Jugend und die Bundesweite Montagsdemo organisiert. Plickert zufolge kamen zu dieser Aktion etwa 500 Teilnehmer.   

Am vergangenen Samstag hatten rund 10.000 Menschen für den Klimaschutz demonstriert. Bei der Konferenz in Bonn mit fast 25.000 Teilnehmern sollen bis Freitag einheitliche Regeln erarbeitet werden, wie die einzelnen Ländern künftig ihren Ausstoß von klimaschädlichem CO2 messen und angeben. 

(wer/lnw)
 
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