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Ferienbeginn in NRW
Wer schwänzt, fliegt billiger

Ferienbeginn in NRW: Wer schwänzt, fliegt billiger
Sie haben eine Sondergenehmigung und dürfen deshalb verfrüht in den Urlaub starten: Haken, David, Samantha und Celina. FOTO: Endermann, Andreas
Düsseldorf. Am Flughafen Düsseldorf starten manche Familien schon etwas eher in den Urlaub. Denn das ist deutlich entspannter und auch billiger, als am ersten Ferientag zu fliegen. Die Kinder ohne Genehmigung früher aus der Schule zu nehmen, ist allerdings offiziell verboten. Von Tanja Karrasch

Am Düsseldorfer Flughafen ist es ruhig. Keine langen Schlangen an den Check-In-Schaltern, die Sicherheitskontrollen gehen zügig voran. Und die Flüge kosten sogar weniger als zu Hochzeiten, denn es ist der Tag vor Ferienbeginn. Heute Nachmittag wird es am Flughafen vermutlich deutlich anders aussehen.

Durch die günstigen Flugpreise und die Aussicht auf einen entspannten Start in den Urlaub ist die Verlockung groß, die Kinder früher aus der Schule zu nehmen. Und tatsächlich sind schon viele Familien mit gepackten Koffern und Kindern im schulpflichtigen Alter unterwegs. Wenn der letzte Schul-Gong heute läutet, könnten sie bereits irgendwo am Strand liegen.

Am frühen Nachmittag zieht eine vierköpfige Familie aus Bottrop ihre schweren Koffer in die Abflughalle. Nach Bulgarien soll es gehen, man freue sich besonders auf die Sonne, das Meer. Zwei Töchter sind dabei, eine im Kindergarten-, eine im Schulalter. Ob denn schon Ferien seien? "Naja, die beginnen morgen erst - eigentlich", sagt die Mutter und geht schnell weiter. Ähnliche Szene, einige Meter weiter: Eine vierwöchige Rundreise durch die USA steht bevor. 5000 Kilometer zu viert von New York aus bis nach Arizona. "Die Nationalparks werden die Höhepunkte sein", schwärmt der Vater. Auf die Frage nach dem Ferienbeginn winkt er hingegen eher wortkarg ab.

Für Samantha (7), Celina (10), David (4) und Hakan (13) gehen die Ferien offenbar offiziell schon früher los. Die drei Jüngeren essen noch ein Butterbrot, bevor sie nach Istanbul fliegen. "Wir haben eine Sondergenehmigung", sagt ihr Onkel. Beurlaubungen vom Unterricht bedürfen laut der Bezirksregierung Düsseldorf aber eines wichtigen Grundes. Eine Verlängerung der Ferien, günstigere Tarife oder das Vermeiden von Staus gehören ausdrücklich nicht dazu. Ob entsprechende Anträge der Eltern letztendlich genehmigt werden, entscheiden die Schulleiter eigenständig.

Direktor Alfons Musolf vom Comenius-Gymnasium in Düsseldorf fährt an seiner Schule eine klare Linie: "Anträge zur Befreiung aus dem Unterricht beantworten wir mit Nein. Die Schulpflicht gilt auch an den Tagen vor den Ferien." Silke Ackermann vom Leibniz-Montessori-Gymnasium Düsseldorf sagt hingegen: "Der Schulleiter entscheidet individuell über jeden Einzelfall, auch in Absprache mit dem Klassenlehrer." Es müsse aber ein "triftiger Grund" vorliegen. In diesem Jahr seien beispielsweise mehrere Schüler freigestellt worden, die zu einem Sportwettbewerb ins Ausland fliegen. "Da liegen auch die Bescheinigungen von dem Sportverein vor", sagt Ackermann.

Doch was droht Eltern, die ihre Kinder schwänzen lassen? Ein Sprecher der Stadt Düsseldorf sagt: "Jedes Jahr hält sich hartnäckig das Gerücht, dass das Ordnungsamt am Flughafen nach Schulschwänzern Ausschau hält. Das ist aber nicht der Fall." Jedoch könne ein Anhörungsverfahren wegen Schulpflichtverletzung eingeleitet werden, wenn man tatsächlich erwischt würde, sagt Jessica Eisenmann von der Bezirksregierung Düsseldorf. Lehrer in NRW fordern gar eine Attest-Pflicht für das Fehlen bei Ferienbeginn, damit die Schüler nicht die letzten Schultage schwänzen.

In anderen Bundesländern sind die Ferien bereits gestartet. Familie Meineke aus Sachsen-Anhalt ist froh, noch vor dem großen Andrang von Düsseldorf aus in den Urlaub fliegen zu können. "Die Kinder haben schon seit zwei Wochen Ferien, jetzt fliegen wir nach Kreta", sagt Mutter Daniela.

Quelle: RP
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