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Westspiel-Gruppe
NRW will Spielkasinos verkaufen

Westspiel-Gruppe: NRW will Spielkasinos verkaufen
FOTO: dpa, Kay Nietfeld
Düsseldorf. Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) hat ein Prüfgutachten für den Verkauf der landeseigenen Westspiel-Gruppe in Auftrag gegeben. Der Spielhallen-Betreiber Gauselmann ist interessiert. Von Thomas Reisener

NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) bereitet die Privatisierung der landeseigenen Westspiel-Gruppe vor. Das chronisch defizitäre Unternehmen hat rund 870 Mitarbeiter und betreibt in Nordrhein-Westfalen vier Spielbanken - in Duisburg, Aachen, Dortmund-Hohensyburg und Bad Oeynhausen. Zuletzt sorgte Westspiel mit dem Notverkauf von zwei wertvollen Warhol-Gemälden für bundesweites Aufsehen.

"Ergebnisoffen prüfen"

Duin sagte unserer Redaktion: "Die Landesregierung prüft ergebnisoffen und ohne Zeitdruck verschiedene Alternativen zur Zukunft von Westspiel. Wenn alle rechtlichen und finanziellen Bewertungen vorliegen, können wir eine Entscheidung treffen." Als Verwaltungsratschef der ebenfalls landeseigenen NRW-Bank hat Wirtschaftsminister Duin dort ein Prüfgutachten zum Westspiel-Verkauf in Auftrag gegeben. Die NRW-Bank agiert im oft komplizierten Beteiligungsgeflecht der landeseigenen Firmen formal als Westspiel-Eigentümerin.

Brisante Pläne

Die ostwestfälische Gauselmann-Gruppe, die man als Betreiber der Merkur-Spielotheken kennt, ist interessiert. Ein Unternehmenssprecher sagte: "Als nordrhein-westfälisches Unternehmen mit mehr als 500 Entertainment-Centern in ganz Europa würden wir bezüglich eines Betriebs der Spielbanken in Nordrhein-Westfalen natürlich als Gesprächspartner jederzeit zur Verfügung stehen."

Die Privatisierungspläne sind brisant. Jahrzehntelang rechtfertigte das Land NRW den Betrieb eigener Kasinos mit dem Schutz der Bürger vor Spielsucht. Noch heute begründet der NRW-Glücksspielstaatsvertrag das "Glücksspiel als öffentliche Aufgabe" so: Es solle "das Entstehen von Glücksspielsucht und Wettsucht verhindern" und "den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete und überwachte Bahnen lenken".

Entsprechend skeptisch beurteilen Spielsucht-Experten den privatisierten Glücksspielbetrieb. Ilona Füchtenschnieder von der Landeskoordinierung Glücksspielsucht erklärte: "Staatliche Glücksspielbetreiber haben nicht so ein ausgeprägtes Gewinninteresse wie Privatanbieter." In NRW setze Westspiel den Spielerschutz "inzwischen konsequenter" um. "Bei gewerblichen Anbietern besteht der Spielerschutz vornehmlich aus Hochglanzbroschüren", so Füchtenschnieder.

Bundesländer privatisieren zunehmend

Neben der Prävention war Westspiel lange auch eine gute Geldquelle für das Land. Die Kasinos müssen 30 Prozent ihrer Bruttospielerträge an das Land abgeben. Weil die Besucherzahlen in den vier NRW-Kasinos stark rückläufig sind, sanken die Umsätze allerdings von rund 90 Millionen Euro 2010 auf 72,9 Millionen im Jahr 2014. Für 2015 liegt noch kein Jahresabschluss vor. Entsprechend ging auch die Spielbankabgabe im gleichen Zeitraum um 30 Prozent auf zuletzt 28 Millionen Euro zurück. Parallel musste das Land zuletzt Defizite in der Westspiel-Bilanz ausgleichen. Laut NRW-Finanzministerium dürfte die seit Jahren defizitäre Gruppe erst 2021 wieder schwarze Zahlen schreiben.

Die Bundesländer privatisieren das Spielbank-Geschäft zunehmend. So betreibt Gauselmann bereits zwei Spielbanken in Sachsen-Anhalt und ist Minderheitsgesellschafter von Kasinos in Berlin. Niedersachsen hat seine Kasinos Ende 2004 privatisiert. Teilweise erwerben private Betreiber von den Ländern nur die Erlaubnis zum Betrieb, andere kaufen den staatlichen Vorbesitzern auch Unternehmensteile wie Kasino-Gebäude ab.

Quelle: RP
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