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Orkan "Gonzalo"
Wetterwarnungen: In der Nacht bleibt es in NRW stürmisch

Ela 2014: Sturmschäden in Düsseldorf von oben
Ela 2014: Sturmschäden in Düsseldorf von oben FOTO: Hans Blossey
Düsseldorf . Vergangene Woche traf Orkan "Gonzalo" auf die Bermudas – jetzt bahnt er sich seinen Weg durch Deutschland. Am Dienstag erreichten die Ausläufer des Orkans auch Nordrhein-Westfalen, in der Nacht zu Mittwoch soll es stürmisch bleiben. Von Susanne Hamann

Seit dem Mittag werden in der Region stellenweise heftige Regenschauer mit starkem Wind gemeldet. Um 16.50 Uhr warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor "markantem Wetter" in ganz Nordrhein-Westfalen. Daran hat sich bis 19.50 Uhr im Wesentlichen wenig geändert, die Intensität ist allerdings leicht steigend. Die Sturmböen nahmen bis zum Abend etwas zu. Gegen 19.30 Uhr hatte der aus dem Süden kommende Sturm bereits das Bundesland Hessen erreicht.

Für die Nacht und bis in den frühen Morgen wurde vor weiterem Unwetter gewarnt. Orkanartige Böen seien vor zwar vor allem im Gebirge zu erwarten, doch auch in NRW bleibt es zunächst stürmisch. Außen vor von dieser Windentwicklung bleibt nur der Nordosten Deutschlands. Rückseitig der Kaltfront gibt es im Laufe der Nacht weitere Schauer und auch kurze Gewitter mit Graupel und vereinzelt auch noch mit Sturmböen.

Am Mittwoch soll sich die Lage entspannen. Tagsüber sei allerdings vor allem im Westen und Süden Deutschlands zunächst noch mit weiteren Schauern zu rechnen, auch kurze Graupelgewitter sind nach wie vor möglich. Im Tagesverlauf nimmt die Gewitterwahrscheinlichkeit aber ab.

Regen, Sturm, Hagel: Das zahlt die Versicherung FOTO: dpa, Berufsfeuerwehr Köln

Bereits am Nachmittag wurden erste Schäden verzeichnet. In Boschelen in Übach Palenberg ist der Rotor eines Windrades auf dem Dach eines Hochhauses abgebrochen. Weil er auf die Straße zu stürzen drohte, war die Feuerwehr im Großeinsatz.

An den Alpen wird bis in den Freitag hinein in Lagen unterhalb von 900 bis 600 Meter eine Dauerregenlage erwartet, wobei verbreitet 60 bis 90 l/qm, in Staulagen auch um 100 l/qm Niederschlag fallen können. Dies sind unwetterartige Niederschlagssummen. Eine entsprechende Unwetterwarnung ist laut DWD bereits in Kraft.

Die sieben schlimmsten Naturkatastrophen FOTO: Shutterstock/ Guido Amrein, Switzerland

"Man kann natürlich nicht alles auf Stopp setzen", sagt Thomas Ruppert Meteorologe beim DWD, "aber man sollte über die nächsten beiden Tage schon vorsichtig sein." Anlass dafür gibt der Orkan Gonzalo, der sich seit einer Woche seinen Weg von der Karibik in Richtung Europa bahnt.

Am Dienstagmorgen hatte das Unwetter bereits Großbritannien erreicht. Am Londoner Flughafen Heathrow wurden bereits Flüge gestrichen. Der Nationale Meteorologische Dienst des Vereinigten Königreiches gab zu, dass sie die Stärke des Orkans unterschätzt hätten. 

"Es ist eigentlich eine ganz normale Erscheinung", erklärt Ruppert, "es handelt sich dabei um ein tropisches Tiefdruckgebiet, das sich über dem offenen Meer bildet und dann über die Karibik, über die Texas oder die amerikanische Atlantikküste weiter über die sogenannte Westdrift nach Europa wandert."

Meistens lösen sich die Orkane auf ihrem Weg auf, wenn sie auf Festland treffen. Tun sie das nicht, werden sie zu außertropischen Tiefdruckgebieten - und als Orkanausläufer auch für Deutschland und eben Nordrhein-Westfalen unangenehm.

Orkan-Böen von 100 Stundenkilometern in NRW 

"Vor allem ab Dienstagmittag ist in NRW mit Sturmböen der Stärke 8 bis 9 auf der Beaufortskala zu rechnen." Mit der Beaufortskala wird Wind nach seiner Geschwindigkeit klassifiziert. Stufe 1 bezeichnet einen leisen Zug, der kaum merklich ist. Stufe 8 bezeichnet stürmische Böen, die Äste abbrechen können. Die höchste Stufe liegt bei 12 und bezeichnet den in Deutschland selten auftretenden Orkan. Er kann mit schweren Verwüstungen einhergehen.

"So schlimm wie bei dem Orkan Ela im Sommer, wird es in Düsseldorf mit größter Wahrscheinlichkeit nicht kommen. Damals hatte der Sturm 144 Stundenkilometer. Aber vereinzelt kann es durchaus zu orkanartigen Böen von rund 100 Stundenkilometern kommen", sagt der Meteorologe. Auf der Beaufortskala ist das ein Wert von 11.

Halten wird sich das Unwetter voraussichtlich bis in den Mittwoch hinein. In den Tieflagen erwartet der DWD stürmischen Wind, der allmählich abflaut. Für die Städte wird das eine Windstärke von 8 bedeuten. In höheren Lagen wie dem Rothaargebirge muss allerdings auch dann noch mit starken Winden gerechnet werden. Über die Woche hinweg zieht der Sturm dann in Richtung Südosteuropa ab.

Den genauen Verlauf sowie Sicherheitshinweise gibt der DWD auf der Seite Wettergefahren.de regelmäßig bekannt. "Wichtig ist, aber Vorsicht walten zu lassen. Wer mit dem Auto zur Arbeit fährt, sollte aufpassen, weil Wind zwischen die Räder geraten kann, von Ausflügen in den Wald rate ich ganz ab", so Ruppert.

Der heißeste September weltweit seit 1880

Übrigens: Der vergangene Monat war nach US-Angaben weltweit der heißeste September seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880. Zum 38. Mal in Folge lag die globale Septembertemperatur zudem über dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts, teilte die US-Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA am Montag mit.

Die kombinierte Durchschnittstemperatur an der Land- und Meeresoberfläche habe mit 15,72 Grad Celsius um 0,72 Grad über dem Durchschnittswert des vergangenen Jahrhunderts gelegen. Laut der NOAA gehörten bislang außer Februar alle Monate des Jahres 2014 zu den jeweils vier wärmsten überhaupt.

Rekordtemperaturen wurden demnach in weiten Teilen Nordwestafrikas, in Küstenregionen im Südosten Südamerikas sowie im Südwesten Australiens, in Teilen des Nahen Ostens und einigen Regionen Südostasiens registriert. Bereits das Vorjahr war nach den Jahren 2010, 2005 und 1998 eines der heißesten jemals gemessenen.

 
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