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WHO-Studie
Das sagen Metzger zur Krebsgefahr bei Wurst

Region: Das sagen Metzger in der Region
Region: Das sagen Metzger in der Region FOTO: Endermann, Andreas
Düsseldorf. Geräuchert, am Stück oder geschnitten: Wurst gehört zu den traditionellen Spezialitäten in NRW. Die Nachricht, dass solche Fleischprodukte womöglich krebserregend sind, sorgt für Verunsicherung. Wie sehen das die Metzger in der Region und ihre Kunden? Von S. Fuhrmann, J. Hielscher, U. Lamm, C. Siedentop, S. Kricke

Gut 38 Kilo Schweinefleisch und fast 9 Kilo Rindfleisch isst jeder Deutsche im Durchschnitt pro Jahr. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation warnt nun, dass Steaks und Würstchen bei regelmäßigem Konsum langfristig das Krebsrisiko steigern können. Das gilt sowohl  für Aufschnitt, als auch eingelegte Fleischware oder Schinken.  

"Die Nachricht ist ja nicht neu", sagt Nicole Dreps-Preuss von der Metzgerei Dreps am Nikolaus-Knopp-Platz in Düsseldorf-Heerdt. Schon seit längerem ist bekannt, dass gepökeltes, geräuchertes, gegrilltes oder anderweitig stark verarbeitetes Fleisch Krankheiten und Krebs auslösen kann. "Man darf es mit dem Konsum eben nicht übertreiben, dann besteht auch keine große Gefahr", sagt sie. Die Kunden, die am Tag nach der Nachricht in ihre Metzgerei kamen, hat das Risiko nicht bewegt: "Es gab keine Reaktionen, die Kunden kauften genauso ein wie sonst auch", sagt Nicole Dreps-Preuss. 

Peter Inhoven von der traditionsreichen Metzgerei Inhoven in Düsseldorf-Wersten weiß von Reaktionen der Kundschaft zu berichten: "Unsere Kunden erwähnen das schon, sehen das allerdings sehr entspannt." Manche würden sogar Witze darüber machen. Denn es sei beileibe nicht neues, dass zu viel rotes oder gepökeltes Fleisch nicht gesund sei, erklärt Inhoven. Er rät daher zu einem Konsum in Maßen und von handwerklichen guten Produkten. So hält er auch selbst: "Morgens mal ein Butterbrot mit Zungenwurst, abends vielleicht Kartoffelsuppe mit Bockwurst".

Diese Metzgerei ist vegan FOTO: dpa, Arne Dedert

Josef Baumann, Inhaber der Fleischerei Baumanns in Mönchengladbach, sieht die Meldung um den krebserregenden Fleischkonsum gelassen: "Es ist ja nichts Neues, dass ein übermäßiger Konsum von gewissen Lebensmitteln gefährlich sein kann. Es ist ja auch bereits seit längerem bekannt, dass wenn beim Grillen Fett vom Fleisch auf die Holzkohle tropft, dies gefährlich sein kann", sagt Baumanns. Bei den Kunden konnte er in den letzten Tagen kein verändertes Kaufverhalten feststellen. "Ich glaube auch nicht, dass sich wegen der Studie da was ändert", sagt der Metzger.

Eine Veränderung unabhängig der neuesten Studie konnte Baumann dennoch beobachten. "Es gibt insgesamt drei Gruppen von Fleischkonsumenten. Die einen sagen sich mittlerweile: 'Das Fleisch beim Metzger ist zu teuer' und kaufen lieber beim Discounter Industriewurst ein. Die andere Gruppe konsumieren lieber die handwerklich hergestellte Wurst beim Metzger und die dritte Gruppe verzichtet auf häufigen Fleisch- und Wurstkonsum und gönnt sich lieber am Sonntag mal einen Braten oder ein großes Steak", sagt Baumann. Für Vegetarier, die auf Fleischaroma nicht verzichten möchten, hat der Metzger kein Verständnis. "Wenn man ein Tofuschnitzel mit Fleischgeschmack essen möchte, da hört bei mir der Spaß auf. Dann soll man doch lieber beim Blumenkohl bleiben", findet Baumann.

Konzerne sind Konkurrenz für Metzger

Die Reaktionen der Leverkusener Fleischereien auf das Ergebnis der Studie sind geteilt. Rosemarie Geuer, die gemeinsam mit ihrem Mann Heinz-Dieter das Fleischerfachgeschäft Geuer in Leverkusen Lützenkirchen in der zweiten Generation betreibt, bereitet das Ergebnis der Studie Sorgen. "Ich habe die Luft angehalten, als ich davon erfahren habe. Man macht sich bei so einer Nachricht natürlich Gedanken ums Geschäft", sagt sie. Ihre Befürchtung: "So etwas bleibt bei den Leuten hängen."

Artgerecht: Sieben Antworten zum Fleischkauf FOTO: dpa, Carsten Rehder

Ohnehin hätten die kleinen Metzgereien in Leverkusen schon genug mit der Konkurrenz durch Großkonzerne zu kämpfen. "Heute gibt es nur noch vier eigenständige Metzgereien in Leverkusen. In meiner Jugend waren es allein im Stadtteil Opladen 21", sagt Geuer. Mit den Preisen der großen Ketten könnten die Kleinen nicht mithalten, sagt Geuer. Sie selbst will aufgrund der Studie nicht auf Fleisch verzichten. "Einen Frühstückstisch ohne Wurst kann ich mir nicht vorstellen", sagt sie. 

Gelassener auf das Ergebnis reagiert Karin Emundts. Zusammen mit ihrem Mann Bert betreibt sie ein Fleischerfachgeschäft in Leverkusen-Wiesdorf. "Ich halte die Nachricht für unnötige Panikmache", sagt sie. "Die Studie bezieht sich vor allem auf den übermäßigen Verzehr von Wurst. In großen Mengen sind viele Lebensmittel schädlich." Man müsse das Ergebnis daher "im richtigen Licht" betrachten. "Mein Mann und ich handeln nach dem Leitsatz: alles in Maßen. Bei dem, was man isst, sollte man auf die Qualität achten. Ich persönlich esse jeden Tag Fleisch und Wurst, es sind aber eben nicht die riesigen Mengen."

Innungsobermeister Willi Schilings, der Metzgerei-Geschäfte in Korschenbroich und Grevenbroich betreibt, hält die Einschätzung der WHO-Experten für überspitzt. Nichts werde in Deutschland so gründlich kontrolliert wie Fleisch. Daher müsse sich niemand Sorgen machen. Wolfgang Schillings von der Fleischerei Büssing aus Neuss rät auf den Konsum von Fleisch zu achten: "Wer Fleisch in Maßen zu sich nimmt, geht überhaupt kein Risiko ein."

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