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Verbot am Münster Bonn
Wie Gemeinden mit Bettlern vor der Kirche umgehen

Wie die Kirchen in NRW mit Bettlern vor der Tür umgehen
Das Bonner Münster von innen (Archivfoto). Vor der Tür der Kirche gab es zuletzt Probleme mit Bettlern. FOTO: dpa/Ralph Sondermann
Bonn/Düsseldorf. Wegen vermehrter Streitereien am Portal des Bonner Münsters hat die Kirche dort ein Bettelverbot erlassen. Obdachlose und Bettler stehen aber vor vielen Kirchen in unserer Region. Wie gehen Gemeinden dort mit der Situation um? Wir haben uns umgehört. Von Dana Schülbe

Bis Ende August hat der Kirchenvorstand des Bonner Münsters befristete Platzverweise im Bereich des Kirchenportals ausgesprochen. "Wir haben es uns nicht leicht gemacht, das war ein halbjähriger Prozess", erklärt Reinhard Sentis, Sprecher des Münsters, unserer Redaktion. "Aber am Ende mussten wir die Reißleine ziehen."

Laut Sentis kam es im vergangenen halben Jahr mit einer Gruppe von Bettlern vermehrt zu Auseinandersetzungen vor dem Münster, auch seien diese häufiger alkoholisiert gewesen. Am Ende habe es sogar lautstarke Streitereien um den Platz am Portal gegeben, da habe man handeln müssen.

Kein Alkohol, keine Drogen

Dabei war es über Jahre üblich, dass Bettler den Gottesdienstbesuchern oder Touristen die schwere Tür des Münsters aufhielten und um eine Spende baten. "Wir waren auch dankbar für den Dienst, weil die Eingangssituation etwa für Gehbehinderte schwierig ist ", sagt der Sprecher. Aber: "Wir haben immer gesagt, es gibt ein paar Regeln: Kein Alkohol, keine Drogen." Wer sich nicht daran hielt, wurde darauf angesprochen und die Situation geklärt. Lange Zeit ging das gut, aber "irgendwann ging das nicht mehr". 

Sentis betont, dass man gemeinsam mit der Caritas an einer Lösung arbeite und die Menschen nicht allein lassen wolle. Sie dürften auch weiter ins Münster kommen, nur vorerst nicht am Portal betteln. "Wir klagen da keinen an und möchten weiterhin, dass mit den Menschen gut umgegangen wird."

Regeln auch am Kölner Dom

Dass sich Bettler und Obdachlose vor den Türen der christlichen Kirchen aufhalten, das hat es schon immer gegeben, sagt Gerd Bachner, Domprobst des Kölner Doms. "Wir vertreiben sie am Dom nicht, weil wir sagen, diese Menschen haben auch ein Recht zu betteln", sagt er. Allerdings gebe es auch in Köln Regeln. "Wir achten darauf, dass sich nicht zu viele Bettler, sondern nur zwei, drei an den Eingängen aufhalten", erklärt der Domprobst. Auch dürften sie die Menschen nicht bedrängen, müssten also die Eingänge freihalten – schließlich wolle man die Gottesdienstbesucher und Touristen auch schützen.

Bei Problemen würden die Menschen darauf angesprochen. "Wenn es zu Exzessen käme, würde ich ein Verbot für eine einzelne Person aussprechen, aber nicht für alle", sagt der Domprobst.

Beim Aachener Dom sieht man derzeit keinen Handlungsbedarf in Bezug auf ein Bettelverbot, wie Sprecher Franz Kretschmann sagt. Es gebe zwar den einen oder anderen am Domplatz, der bettelt, aber man habe damit keine Probleme, und es störe auch niemanden.

Ein Geben und Nehmen in Mönchengladbach

In Mönchengladbach handhaben die Kirchen dies unterschiedlich, erklärt Gemeindeleiter Christoph Rütten. So weiß er zu berichten, dass manche Pfarrer die Bettler nicht direkt am Portal haben wollen – am Münster und an der Jugendkirche dürften sie sich aber aufhalten. Rütten nennt es ebenfalls üblich, dass sich die Leute direkt nach dem Gottesdienst am Sonntag vor die Eingangstüren der Kirchen stellten. "Solange sie friedlich sind und nicht aggressiv betteln, dürfen sie dort gern stehen", sagt er. 

Natürlich habe es auch Zwischenfälle gegeben, was meist mit einem Gespräch zu klären gewesen sei. Im Allgemeinen funktioniere das gut. Rütten weist noch auf einen anderen Aspekt hin: "Man kennt die Menschen über Jahre. Bei uns vor der Jugendkirche gibt es etwa so jemanden, und er achtet auch auf die Kirche. Das ist also in gewisser Hinsicht ein Geben und Nehmen."

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