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Nordrhein-Westfalen
Kälteeinbruch – so können Sie Obdachlosen jetzt helfen

Wie die NRW-Städte Obdachlosen bei Kälte helfen
Die Gefahr für Obdachlose, im Freien zu erfrieren, ist derzeit auch in NRW hoch. FOTO: dpa, pst ink
Düsseldorf . Mit den sinkenden Temperaturen in der Region wird es für Obdachlose immer gefährlicher, die Nacht im Freien zu verbringen. Die sozialen Einrichtungen und Kirchen verstärken daher zum Teil ihr Angebot. 

Es ist frostig geworden in NRW. Tagsüber pendeln sich die Temperaturen um den Gefrierpunkt ein, nachts fallen sie teils auf zweistellige Minusgrade. Menschen, die auf der Straße leben, brauchen bei diesem Wetter ganz besonders einen warmen Platz zum Schlafen. Welche Angebote es für Wohnungslose in der Region gibt und wie Sie sie am besten unterstützen können, lesen Sie hier.

Düsseldorf Vor allem in der kalten Jahreszeit kümmert sich der Gutenacht-Bus um obdachlose Menschen, um sie vor dem Kältetod zu bewahren. Besonders benötigen die Helfer Instantkaffee und Suppen, Pappbecher, Süßigkeiten, Decken, Kleidung und Schuhe in Größe 43 und 44. Ganz wichtig sind auch Schlafsäcke. Der Gutenacht-Bus finanziert sich ausschließlich über private Spenden. Sachspenden können in der Schirmerstraße 27 abgegeben werden. Öffnungszeiten und weitere Infos gibt es unter www.gutenachtbus.org.

Daneben gibt es einen zusätzlichen Raum an der Prinz-Georg-Straße bei der katholischen Kirchengemeinde St. Rochus. Er öffnet, wenn die Temperaturen tagsüber unter null Grad sinken. Getragen wird diese voraussetzungsfreie Übernachtungsmöglichkeit von der Ordensgemeinschaft der Armen Brüder. Dort besteht auch die Möglichkeit, Haustiere mitzubringen. Die Ordensgemeinschaft engagiert sich an elf Standorten im Stadtgebiet mit rund 100 Mitarbeitern – unter anderem in Kooperation mit der Diakonie. Sie unterhält auch zwei Notschlafstellen.

Echte Liebe: Obdachlose und ihre Hunde FOTO: Leo Gesess

Kritik am Schlafstellenangebot in Düsseldorf, insbesondere im Winter, kommt von der Obdachlosen-Hilfsorganisation "Fiftyfifty": Sie findet es beispielsweise problematisch, bestimmte Räume erst bei null Grad zu öffnen. "Kein Wohnungsloser hat ein Thermometer dabei." Andere Städte würden U-Bahnhöfe öffnen, dazu könne sich Düsseldorf jedoch nicht durchringen. Nach Einschätzung der Stadt muss allerdings niemand auf der Straße schlafen. 

Essen Wenn es abends richtig kalt wird, gehen die ehrenamtlichen Streetworker von der Bürgerinitiative "Essen packt an" seit Kurzem raus auf die Straße. In der Essener Innenstadt suchen sie Obdachlose, die der Kälte schutzlos ausgeliefert sind. Richtig kalt bedeutet, es herrschen Temperaturen unter null Grad. Dann wird die "Kältebrücke" aktiv – ein neues Hilfsprojekt, bei dem "Essen packt an" mit dem Deutschen Roten Kreuz in Essen zusammenarbeitet. Dafür bauen sie im Essener Stadtteil Borbeck ein beheiztes Zelt auf. "Dort stehen Feldbetten, es gibt Schlafsäcke, und die freiwilligen Streetworker sorgen dafür, dass die Obdachlosen dahin kommen", sagt Norbert Drüke vom DRK Essen.

"Bei großer Kälte ist es sehr gefährlich, im Freien zu übernachten", sagt Drüke. "Manche Obdachlose nehmen die offiziellen Stellen trotzdem nicht wahr. Das hat ganz unterschiedliche Gründe. Platzangst zum Beispiel oder ein Haustierverbot." In dem Zelt der Kältebrücke hingegen sind Hunde ausdrücklich erlaubt. Das vermitteln die Streetworker von "Essen packt an" den Obdachlosen auch. "Wir bringen die Leute dann mit dem Auto nach Borbeck zum Zelt. Damit sie am nächsten Tag wieder zurück in die Innenstadt können, unterstützen uns die Essener Verkehrsbetriebe mit Tickets für ihre U- und Straßenbahnen", erzählt Markus Pajonk von der Initiative.

Duisburg Auch in Duisburg gibt es in diesen Tagen Anlaufstellen für Obdachlose. Zum Beispiel ist im Duisburger Hauptbahnhof die Halle zwischen U-Bahn und Gleisen offen, damit Obdachlose dort übernachten können und nicht ungeschützt auf der Straße liegen müssen. Außerdem ist auch eine Wartehalle an einem Gleis am Bahnhof für sie geöffnet. Wer in Duisburg Obdachlosen in Not helfen will, kann sich zudem an die Fachstelle für Wohnungsnotfälle wenden. Diese ist unter der Telefonnummer 0203/2838885 oder -8870 zu erreichen. Wer einen Menschen unterkühlt findet, sollte aber direkt unter der 112 Hilfe rufen.

Mönchengladbach Neben Übernachtungsunterkünften für Männer in der Jenaer Straße und für Frauen im Luisenthal gibt es auch vier Tagesaufenthalte. Einer befindet sich im Café Plaster an der Kapuzinerstraße 44. Dort können Obdachlose eine heiße Dusche nehmen, ein belegtes Brötchen oder einen Kaffee für jeweils 30 Cent kaufen sowie wärmere Kleidung anziehen. Dank treuer Spender gebe es in den Tagestreffs "Café Pflaster" auch Schals, Mützen und warme Unterwäsche für sie. Zudem stehen Pflegeräume für die medizinische Versorgung bereit. Wer helfen möchte, kann im "Café Pflaster", Kapuzinerstraße 44, Kleidung abgeben. Geldspenden werden immer benötigt und sind an die Stadtsparkasse Mönchengladbach, IBAN DE33 3105 0000 0000 1587 90, zu richten.

Köln Mitarbeiter des Ordnungsamts machen in frostigen Nächten so genannte Kältegänge durch die Stadt. Sie halten nach Obdachlosen Ausschau und machen sie auf die Hilfsangebote der Stadt aufmerksam. In den Notunterkünften werden zusätzliche Plätze bereitgestellt. Unter der Telefonnummer 0221/474 555 45 können Passanten sich melden, wenn sie hilflose wohnungslose Menschen antreffen. Die Hotline ist rund um die Uhr besetzt. Obdachlose können zur Thieboldsgasse 96 gehen, eine Unterkunft, die bis Ende März zusätzliche Schlafplätze anbietet. Die Unterkunft ist zwischen 19 und 8 Uhr frei zugänglich. 

(hpaw, hsr, maxk, see, skr)
 
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