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Willibert Pauels
Ein Karnevalist schreibt über seine Depressionen

Willibert Pauels: Karnevalist schreibt über seine Depressionen
Willibert Pauels (60) spricht öffentlich über seine Depressionen. FOTO: RP Woitschützke, Andreas
Gütersloh. Der "schwarze Hund" fiel Willibert Pauels schon in seiner Kindheit an. Heute tritt Pauels kaum noch auf.

Schwarzes Hütchen, rote Pappnase und breites Lächeln - so kennt man den rheinisch-bergischen Karnevalisten Willibert Pauels von seinen Auftritten bei unzähligen Fernsehsitzungen. Der katholische Diakon hat sich als "Bergischer Jung" einen Namen gemacht und Frohsinn verbreitet. Zu diesem Bild will so gar nicht die andere Seite des Büttenclowns passen: Ihn quälen Depressionen. Und darüber hat der 60-Jährige ein Buch geschrieben, das heute erscheint.

"Wenn dir das Lachen vergeht", lautet der Titel der 254-seitigen Publikation (Gütersloher Verlagshaus, 19,99 Euro). Darin geht der "Diaclown" bis in seine Kindheit zurück, als ihn zum ersten Mal dieser "schwarze Hund" anfällt. Vor drei Jahren schließlich setzte ihm die Depressions-Bestie derart zu, dass er der Bühne den Rücken kehrte und in einer Neusser Klinik Hilfe suchte. Mit Erfolg. Zwar ist der böse Vierbeiner nicht verschwunden. Aber Pauels hat ihn und unter Kontrolle gebracht.

Pauels spricht von der Antriebslosigkeit und dem Grübelzwang, vor allem aber von den Attacken grundloser und irrationaler Angst, die ihn nachts plötzlich bedrohen. Er fühlt sich in dieser Situation wie in einem Kerker, der jede Hoffnung auf Ausbruch erstickt. "In diesem Kerker bist du allein. Du bist einsam. Kein Laut dringt herein, Kein Lichtstrahl erreicht dich dort." Und auch nicht die aufmunternden Worte der Ehefrau. Nicht mal die Liebe hilft, um dieser "Erfahrung des Nichts" ein Ende zu machen. Auch Erfolg auf der Bühne und tobender Applaus lassen den schwarzen Hund kalt. "Selbst der wärmste Sonnentag vermag nichts gegen die Eiszeit der Seele", schreibt Pauels.

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Der Jeck, der sich 17 Jahre lang pro Session dem Stress von 200 bis 300 Profi-Auftritten aussetzte, hat sein Leben verändert. Er arbeitet wieder hauptberuflich als Diakon. Die Zeiten von "Hardcore-Karneval" sind vorbei - er wagt sich nur noch gelegentlich auf die Bühne, am liebsten begibt er sich auf kleine Sitzungen im Gemeindesaal.

(kna)
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