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Brauchtum in NRW
Wir brauchen kein Halloween

Brauchtum in NRW: Wir brauchen kein Halloween
FOTO: RP, Ferl
Meinung | Düsseldorf. Am Abend vor Allerheiligen feiern Menschen in angelsächsischen Ländern Halloween. Auch in Deutschland wird das Fest immer populärer. Unser Autor meint: Völlig zu Unrecht. Gegen St. Martin habe das Gruseln keine Chance.  Von Horst Thoren

Was Sankt Martin gibt, kann Halloween nicht nehmen: das gute Gefühl der heimatlichen Geborgenheit. Im Wettbewerb "Gutes gegen Grusel" liegt der römische Offizier und Mantelteiler vorn. Zu schön ist die Geschichte vom barmherzigen Martin, der den wärmenden Mantel mit dem frierenden Bettler teilt, zu stimmungsvoll sind die Fackelzüge zu seiner Erinnerung, die Kinder und Erwachsene im Laternenlicht singend zusammenführen. Die christliche Botschaft des Teilens (erst des Mantels, dann der Weckmänner und Leckereien) wird bei den Martinszügen in Szene gesetzt.

Ganz anders Halloween. Die Botschaft des Schreckens, der Monster und Gruselclowns hat nichts Wärmendes. Im Gegenteil: Vermittelt wird das kalte Grauen einer heidnischen Tradition. Das Importfest aus dem Angelsächsischen spielt zwar (wie der rheinische Karneval) mit der Vorliebe fürs Verkleiden, hat aber (anders als in der Jeckenzeit) nichts Sympathisches. Selbst die kleinen Geschenke an der Haustüre werden erpresst ("Süßes oder Saures") und nicht (wie bei Sankt Martin) singend erbeten.

Halloween gehört zur Event-Kultur, die allerorten um sich greift und Spaß über alles setzt. Sankt Martin ist das Gegenmodell der geteilten Freude. Deren Vorbildfunktion reicht bis ins Mittelalter zurück. Schon die Merowinger (weit vor Karl dem Großen) führten in ihrem Königsschatz ein Stück Tuch mit sich, das sie als Mantelteil des heiligen Martin verehrten. Wer dennoch in der (heutigen) Nacht zu Allerheiligen dem werblich verordneten "Blutrausch" frönen will, sollte Rücksicht nehmen - auf empfindsame Kinder, auf sensible Nachbarn, auf gläubige Christenmenschen, die der Heiligen gedenken und nicht den Untoten huldigen wollen.

Der Autor Horst Thoren (59) ist stellvertretender Chefredakteur der Rheinischen Post.

"Gruselt euch nicht vor Halloween" - warum unser Autor Marcel Romahn für Halloween plädiert, lesen Sie hier. 

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Quelle: RP
 
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