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NRW bereitet sich vor
Das "Notfallset" für den Wolf liegt bereit

Fotos: Seit dem Jahr 2000 wieder in Deutschland heimisch
Fotos: Seit dem Jahr 2000 wieder in Deutschland heimisch FOTO: dpa, iwa cul lof
Düsseldorf. Es ist nur eine Frage der Zeit, dann werden sich Wölfe wieder in NRW ansiedeln. Schäfer schlagen Alarm. Auch von Wohngebieten lässt sich ein hungriger Wolf nicht abschrecken. Was tun? Helfen können die Erfahrungen aus der Wolfsregion Lausitz. Dort leben mittlerweile zehn Rudel. Von Dana Schülbe und Philipp Stempel

Dass der Wolf bald auch Gebiete in NRW erobern wird, gilt als ausgemacht. "Nur eine Frage der Zeit", sagt der Wolfsexperte Markus Bathen vom Nabu. Die Schäfer im Land zeigen sich alarmiert. "Ich rechne damit, dass wir in den nächsten zwei bis drei Monaten Risse haben werden", sagt Gerd Dumke von der Schafzüchtervereinigung.

In gerade mal 15 Jahren haben sich Wölfe in Deutschland ihren Lebensraum zurückerobert. Als im Jahr 2000 Forstleute in der sächsischen Oberlausitz die ersten Tiere entdeckten, war das eine Sensation. Inzwischen haben sich die Tiere bis nach Niedersachsen ausgebreitet. In NRW wurden bereits vereinzelt Tiere gesichtet. Etwa im Januar 2015, als ein Tier im Kreis Siegen-Wittgenstein in eine Fotofalle tappte.

Streng geschützt

Dass sie sich nahezu ungestört vermehren können, hat mehrere Gründe. Der wohl wichtigste: Wölfe stehen in Deutschland unter strengem Naturschutz. Natürliche Feinde gibt es nicht. Dafür aber zunehmend Konflikte mit dem Menschen.

In der sächsischen Lausitz ist das Zusammenleben mit dem Wolf bereits Alltag. "Grundsätzlich ist das Gefahrenpotenzial, das von Wölfen auf Menschen ausgeht, als sehr gering zu bezeichnen", heißt es beim Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz auf Anfrage. Obwohl in Europa schätzungsweise mehr als 12.000 Wölfe leben, sei in den vergangenen 40 Jahren kein einziger Übergriff auf Menschen vorgekommen.

Schafe passen perfekt ins Beuteschema

Anders verhält es sich bei Nutztieren. Schafe und Ziegen passen perfekt in sein Beuteschema. Der Wolf ist auf Huftiere spezialisiert. Wie Helene Möslinger vom Kontaktbüro erläutert, dienen zwar in Mitteleuropa größere Tiere wie Rehe, Rot- und Schwarzwild als Hauptnahrung, doch seien Schafe besonders leichte Beute. Sie sind weder in der Lage schnell genug zu fliehen noch sich zu verteidigen.

Autofahrer entdeckt Wolf mitten im Wohngebiet FOTO: dpa, jol tmk jol

Auch die Nähe zu bewohnten Gebäuden bietet keinen ausreichenden Schutz. "Wölfe meiden den direkten Kontakt, laufen aber im Schutz der Dunkelheit wie auch andere Wildtiere sehr wohl auch an Ortschaften entlang", heißt es aus der Lausitz.

Schmerzhafte Barrieren

Daher raten die Fachleute der Wolfsregion Lausitz dringend dazu, Herden durch entsprechende Zäune zu schützen. Insbesondere "stromführende Zäune bieten einen guten Schutz, weil sie für die Wölfe eine bei Berührung schmerzhafte Barriere sind", erläutert Möslinger. Auch das Festkoppeln oder Herdenschutzhunde seien eine Möglichkeit, die Tiere zu schützen.

Mit diesen Mitteln ist das Risiko Wolf nach den Erfahrungen aus Sachsen alles in allem gut in den Griff zu bekommen. Dafür spricht jedenfalls die Bilanz zu Übergriffen durch Wölfe: So ging die Zahl von gerissenen Tieren typischerweise erst nach oben, sobald Wölfe die Region besiedelten. Sobald sich die Schäfer darauf eingestellt hatten, sank die Zahl jedoch wieder. Daher werden in Sachsen laut Kontaktbüro Schaf- und Ziegenhalter bei der Anschaffung von Zäunen gefördert.

"Notfallsets" in NRW

Im Landesumweltministerium NRW ist das auch schon Thema: "Wir sind Wolf-Erwartungsland", heißt es dort schon seit dem vergangenen Sommer. Beim NRW-Landesamt für Naturschutz bereitet sich ein eigens eingerichteter Arbeitskreis auf das Unvermeidliche vor. Dort haben Naturschützer, Jäger, Schafhalter und Forstleute ein Konzept für den Fall der eigenständigen Rückkehr des Wolfes erarbeitet.

So hat das Umweltministerium in NRW bereits zwei "Notfallsets" mit wolfsicheren Elektrozäunen als ad-hoc-Maßnahme angeschafft. Falls Wölfe gesichtet werden, können sich Schäfer die Zäune ausleihen. "Zusätzlich haben wir auch ein Verfahren für die Entschädigung von Nutztierrissen entwickelt", sagte Frank Seidlitz vom nordrhein-westfälischen Umweltministerium. Schafzüchter Dumke vermisst jedoch Förderprogramme.

Im Herbst wird es spannend

Dass sich in den kommenden Monaten ein Wolfsrudel fest in NRW ansiedeln wird, hält Markus Bathen vom Nabu allerdings für unwahrscheinlich. "Wenn, dann erst im Herbst, wenn die Eltern die geschlechtsreifen Jungwölfe aus dem Rudel vertreiben", sagt der Wolfs-Experte. Die Frage, wann sich Wölfe fest in NRW niederlassen, sei wohl eher eine von Jahren, nicht von Monaten.

Dann aber bieten sich nach seiner Einschätzung mehrere Gebiete in NRW an, etwa Räume im Siegerland, dem Westerwald, der Eifel oder im Sauerland. Nach Ansicht des Nabu bietet das Land Platz für bis zu zehn Rudel, umgerechnet 80 Tiere.

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