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Bundesweit einmalig
Erster muslimischer Friedhof soll 2018 in Wuppertal öffnen

Wuppertal: Erster muslimischer Friedhof soll 2018 öffnen
Auf dem Kommunalfriedhof in Wuppertal-Ronsdorf gibt es bereits muslimische Gräber. (Archivbild vom Juli 2013) FOTO: D�rner, Hans
Wuppertal. In Wuppertal soll Ende des Jahres die bundesweit erste muslimische Begräbnisstätte ohne Liegezeit-Frist entstehen. Ab Frühjahr 2018 könnte dort beerdigt werden. Angrenzend liegen schon der evangelische und der jüdische Friedhof. Von Emily Senf

In Wuppertal entsteht derzeit ein bundesweit einmaliges Projekt: ein muslimischer Friedhof ohne Beschränkung der Liegezeit. Ab Herbst sollen die Arbeiten auf dem rund 20.000 Quadratmeter großen Grundstück im Stadtteil Varresbeck beginnen, im Frühjahr 2018 könnte die erste Beerdigung stattfinden, heißt es vom Trägerverein "Muslimische Friedhöfe Wuppertal". Mit dem Friedhof verbunden sei allerdings noch eine besondere Botschaft, findet der stellvertretende Vereinsvorsitzende Mohamed Abodahab, denn die muslimische Begräbnisstätte wird an den jüdischen Friedhof grenzen, der wiederum direkt neben den Gräbern der evangelischen Gemeinde liegt. Für Besucher sind die Friedhöfe über eine gemeinsame Zufahrt zu erreichen.

25 Architekturstudenten der Bergischen Universität Wuppertal hatten im Auftrag des muslimischen Friedhofsvereins elf Entwürfe erstellt, die sie gestern der Öffentlichkeit vorgestellt haben. Darin sei es etwa um die barrierefreie Nutzung des an einem Hang gelegenen Geländes sowie die Lage einer Gebetshalle gegangen, sagt Bärbel Offergeld, die das Uni-Projekt koordiniert. Aber die Studenten hätten auch die Wünsche der Nachbarn berücksichtigt. Denn bislang ist das Areal zugewachsen und damit Blickfang für die Anwohner gewesen. Nach den Rodungsarbeiten, die für Oktober oder November vorgesehen sind, aber werden sie direkt auf die neuen Grabstätten blicken.

FOTO: RP Grafik

Auf Friedhöfen in Deutschland gilt in der Regel eine Verweildauer der Gräber von 20 bis 25 Jahren, danach können sie neu belegt werden. Nach muslimischem Bestattungsritus allerdings dürfen die Toten nicht gestört werden, erklärt Abodahab. Deswegen hätten die meisten Muslime bislang ihre gestorbenen Angehörigen in ihren Herkunftsländern bestatten lassen. Für die neue Begräbnisstätte am Eskesberg aber habe die Stadt Wuppertal dem muslimischen Friedhofsverein eine große Zusage gemacht: "Wir haben die Garantie durch die Stadt, dass der Ort für alle Zeiten ein Friedhof bleiben wird", sagt Abodahab.

Bisherige Ausnahme: der türkische Friedhof in Berlin

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Wichtig für eine muslimische Grabstätte ist außerdem, dass auf dem Boden nicht bereits Beerdigungen stattgefunden haben. Das ist in Varresbeck der Fall, denn das Gelände gehört bislang der Evangelischen Gemeinde und ist sogenanntes Friedhofserwartungsland, das für Bestattungen vorgesehen ist, aber nie genutzt wurde. "Inzwischen haben wir 70 Prozent Urnenbeisetzungen", sagt Ingo Schellenberg, Geschäftsführer des Evangelischen Friedhofsverbands Wuppertal. "Wir benötigen die Fläche nicht mehr." Derzeit verhandeln die Gemeinde und der muslimische Friedhofsverein über den Verkauf.

Die Umsetzung der Idee eines muslimischen Friedhofs ist erst nach einer Änderung des NRW-Bestattungsgesetzes im Oktober 2014 möglich geworden. Zuvor durften nur Körperschaften des öffentlichen Rechts Friedhöfe betreiben, zu denen etwa die Kirchen, nicht aber die Muslime zählen. Die Kommunen haben nun die Möglichkeit, über eine "Beleihung" den Friedhofsbetrieb an "gemeinnützige Religionsgemeinschaften oder religiöse Vereine" zu übertragen.

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Nach Angaben der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas gibt es bundesweit zwar eine Vielzahl von muslimischen Grabfeldern auf Friedhöfen, jedoch keine eigene Begräbnisstätte. Einzige Ausnahme sei der 150 Jahre alte türkische Friedhof in Berlin, der jedoch seit 1989 nicht mehr genutzt werde, sagt Sprecher Alexander Helbach.

"Konfessionsübergreifende Miteinander in der Stadt"

Die Stadt Wuppertal findet das Projekt "klasse", sagt eine Sprecherin. "Es freut uns sehr, weil es das konfessionsübergreifende Miteinander in der Stadt zeigt." Da das Grundstück bereits als Friedhofsfläche ausgewiesen war, habe keine weitere Genehmigung erteilt werden müssen.

Der muslimische Friedhofsverein will heute beraten und in den kommenden Tagen entscheiden, ob er sich für einen der Uni-Entwürfe entscheidet oder Ideen aus mehreren verwendet. Ein professionelles Planungsbüro werde dann die finalen Pläne entwickeln, sagt Abodahab. Er rechnet mit Investitionskosten im sechsstelligen Bereich. Finanziert werden diese über Spenden, die von den zehn Wuppertaler Moscheen gesammelt werden.

Quelle: RP
 
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