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Wuppertal
Erster neuer Schwebebahn-Wagen kommt per Tieflader

Wuppertal - erster neue Schwebebahnwagen kommt am Samstag an
FOTO: WSW
Wuppertal. Am Samstag kommt der erste neue Schwebebahn-Wagen in Wuppertal an. Ob der Wagen am Ende wirklich reibungslos fährt, weiß noch niemand. Denn eine Teststrecke für Schwebebahnen gibt es nirgendwo - weltweit. So ist das mit Alleinstellungsmerkmalen. Von Jörg Isringhaus

Erprobt wird das Wuppertaler Verkehrsmittel erst, wenn es sieben Meter über dem Boden am Gerüst schwebt. Insofern ist Ulrich Jaeger, Geschäftsführer der Wuppertaler Stadtwerke (WSW) mobil GmbH, in mehrfacher Hinsicht aufgeregt, wenn am Samstag der erste Wagen der vierten Generation auf einem Tieflader die Stadt erreicht. "Für mich ist das ein sehr emotionaler Moment", sagt er. "Entwicklung und Bau waren wie Trockenschwimmen, in der Testphase muss die neue Schwebebahn nun beweisen, was sie kann."

Seit 114 Jahren prägt das Verkehrsmittel die Stadt FOTO: dpa, obe

Was das angeht, ist Jaeger aber zuversichtlich. Die neuen Gelenktriebwagen, "Generation 15" genannt und vom Hersteller Vossloh Kiepe im spanischen Valencia gefertigt, sind moderner als alles, was bisher über die Wupper schwebte. Rund 40 Jahre hat die aktuelle Baureihe auf dem Buckel, entsprechend veraltet ist die Technik. Die neuen Wagen punkten mit LED-Beleuchtung, Klimaanlage, Bremskraftrückgewinnung und Touchscreen-Displays für die Fahrer. "Highlight ist für mich aber die Panoramascheibe am Zugende, weil man dort entspannt einen spektakulären Blick genießen kann", sagt Jaeger. Zudem sitzen die Gäste nicht mehr auf Plastik-, sondern gepolstertem Holzgestühl. Das entspreche, erklärt Jaeger, eher der Nachhaltigkeit, für die die Schwebebahn stehe.

Seit 114 Jahren prägt das Verkehrsmittel die Stadt, Kaiser Wilhelm II. lobte die Bahn als Beleg deutscher Fortschrittlichkeit. Exakt 13,3 Kilometer schlängelt sich die Bahn durchs Tal der Wupper, demnächst, so hofft Jaeger, dank neuer Dämmung und Federung hörbar leiser als bisher. "Aber auch das wissen wir erst, wenn sie wirklich im normalen Verkehr unterwegs ist." Das dauert noch. Anfang des Jahres wird die Bahn erst im Standbetrieb geprüft, im März folgen erste Testfahrten. Das geht nur nachts, weil die Wagen keine Zulassung haben. Ist die erteilt, sollen alle zwei Wochen neue Züge geliefert werden, insgesamt 31. Die alten werden für 5000 Euro pro Stück verkauft. Damit ist die 20 Jahre währende Erneuerung der Schwebebahn, wozu auch die Sanierung des Gerüsts und der Bahnhöfe gehören, abgeschlossen. Kosten: etwa 620 Millionen Euro.

An diesen Orten entsteht die Zukunft NRWs FOTO: Bayer/Dirk Hansen

Nach Anlaufschwierigkeiten im Jahr 1900, als die Bahn von Technikfeinden als Satanswerk verunglimpft wurde, fühlen sich die Wuppertaler ihrem weltberühmten Verkehrsmittel heute eng verbunden. Nicht nur, weil es der Stadt einen Marketing-Effekt bringt. Sondern weil 80.000 Menschen täglich damit sicher unterwegs sind. Trotz des schweren Unglücks am 12. April 1999, als ein Wagen in die Wupper stürzte und fünf Menschen starben, gilt die Schwebebahn gemessen an den zurückgelegten Kilometern als sicherstes Verkehrsmittel der Welt.

Und weil die Wuppertaler ihre Bahn lieben, werden am Samstag um 11 Uhr am Stationsgarten in Vohwinkel Tausende Menschen erwartet, die einen Blick auf die "Generation 15" werfen wollen. Dazu wird der Innenraum beleuchtet, auch Motor und Drehgestell sind zu besichtigen, aber nur auf einem Tieflader. Allerdings können sich besonders begeisterte Fans die neue Schwebebahn für zu Hause mitnehmen, als Modell im Maßstab H0 (1:87). "Sehr schön" findet Jaeger die Miniaturausführung des Herstellers Hera, die je nach Ausstattung bis 70 Euro kostet. Dafür muss sie nicht auf die Teststrecke.

Fotos: Wuppertal sperrt seine wichtigste Straße für drei Jahre FOTO: dpa, obe sab
Quelle: RP
 
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