| 13.20 Uhr

Essen
Zoll findet 3,5 Millionen gefährliche Diät-Pillen und Potenz-Mittel

Zoll findet illegale Potenzmittel und Diät-Pillen
Zoll findet illegale Potenzmittel und Diät-Pillen FOTO: dpa, ve
Essen. Bei Durchsuchungen in NRW und Niedersachsen hat der Zoll rund 3,5 Millionen Medikamente, 440.000 Euro, teure Autos und mehrere Luxusuhren beschlagnahmt. Fünf Personen wurden festgenommen. 

Die Bekämpfung der Arzneimittelkriminalität, vornehmlich über das Internet vertriebener Potenz-, Schlankheits- und Beruhigungsmittel beschäftigt die Ermittlerinnen und Ermittler des Zollfahndungsamtes Essen bereits seit Jahren. Immer wieder geraten bandenmäßig agierende, internationale Tätergruppierungen in den Fokus der Ermittlungsbehörden.

In diesem Fall führen die Ermittlungen schließlich zur Durchsuchung von insgesamt 16 Objekten in NRW sowie vier in Niedersachsen. Im Ruhrgebiet und im Raum Ostwestfalen-Lippe wurden vier mutmaßliche Täter im Alter von 29 bis 65 Jahren festgenommen. In den durchsuchten Häusern, Wohnungen und Garagen wurden in loser Schüttung insgesamt rund 3,2 Millionen illegale "Lifestyleprodukte" wie potenzsteigernde Präparate und Schlankheitsmittel, aber darüber hinaus auch Antibiotika, Schmerz- und Schlafmittel sowie Anti-Depressiva und Beruhigungstabletten beschlagnahmt.

Juni 2015: Schmuggelfund am Düsseldorfer Flughafen FOTO: Zoll

Bei einer Verurteilung droht den Tätern, einem 31-jährigen Gelsenkirchener, drei Duisburgern im Alter von 29, 43 und 65, eine Haftstrafe von ein bis zehn Jahren. Es handelt sich um einen besonders schweren Fall des Handeltreibens mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Außerdem wird den Beschuldigten besonders schwere, weil bandenmäßig begangene Steuerhinterziehung zur Last gelegt. Die Ermittlungen erfolgen in enger Kooperation mit der Steuerfahndung.

Ein weiteres Mitglied der Tätergruppe konnte aufgrund eines europäischen Haftbefehls bereits am 2. September von den niederländischen Behörden festgenommen werden. Bei dem 34 Jahre alten Niederländer konnten rund 300.000 Stück nicht zugelassene Arzneimittel sichergestellt werden. Zurzeit wird seine Überstellung nach Deutschland geprüft.

Düsseldorf: Diese tierischen Souvenirs zieht der Zoll ein FOTO: dpa, fg lof

440.000 Euro, voraussichtlich inkriminiertes Geld, befanden sich im häuslichen Safe eines Täters ebenso wie offen sichtbar in der Nachttischschublade oder versteckt in Bilderrahmen. Daneben wurden zwei teure PKW und mehrere hochpreisige Uhren beschlagnahmt, die vermutlich mit Geldern aus den illegalen Geschäften angeschafft wurden.

Wie hoch die Umsätze der Gruppe mit dem schwunghaften, illegalen Internethandel waren, steht derzeit noch nicht genau fest. Schätzungen für die letzten Monate belaufen sich auf mehrere Hunderttausend Euro pro Monat. Wie viele Umsätze ferner auf den bei diversen Banken- und Kreditinstituten gepfändeten Geschäftskonten noch beschlagnahmt werden können, werden die weiteren Ermittlungen der Spezialisten beim Zollfahndungsamt Essen ergeben.

Der Schwarzmarkwert der illegalen, beschlagnahmten Arzneimittel, die ursprünglich zum größten Teil aus dem asiatischen Raum stammen, liegt bei rund 14 Mio. Euro. Die Auswertung der zahlreich sichergestellten Beweismittel dauert an.

"Die arbeitsteilige Organisations- und Arbeitsweise sowie die internationale Verflechtung der organisierten Arzneimittelkriminalität stellen Staatsanwaltschaften und Zollfahndung vor kriminalistische Herausforderungen. Nur eine enge nationale und internationale Kooperation aller Behörden kann Erfolg haben, will man den kriminellen Banden und ihrem skrupellosen Umgang mit der Gesundheit begegnen", so die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Essen, Oberstaatsanwältin Anette Milk.

"Der vermeintlich günstige Preis, die einfache "rezeptfreie" Bestellung im Internet, formlose Zahlung per Onlinedienst und die Lieferung "frei Haus" verleiten viele Verbraucher dazu, diese Medikamente im Internet zu bestellen. Tatsächlich riskieren sie aber ihre Gesundheit, denn über die Inhaltsstoffe und die Dosierung weiß niemand Bescheid! Außerdem unterstützen die Käufer damit unbewusst die Organisierte Kriminalität", so eine der führenden Zollfahnderinnen im Verfahren.

(ots)
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.