| 22.24 Uhr

Philipp Mißfelder
Tod eines Hoffnungsträgers

Porträt: Philipp Mißfelder – langjähriger Vorsitzender der Jungen Union
Porträt: Philipp Mißfelder – langjähriger Vorsitzender der Jungen Union FOTO: dpa, mkx kde axs
Berlin. Die Politik reagiert schockiert auf den plötzlichen Tod des CDU-Außenpolitikers und NRW-Schatzmeisters. Am Samstag mischte Philipp Mißfelder (35) in der Griechenlandkrise mit, in der Nacht zu gestern starb er an einer Lungenembolie. Von Wolfram Goertz und Gregor Mayntz

Als Unionsfraktionschef Volker Kauder am Morgen im CDU-Präsidium die Todesnachricht überbrachte, vermochte die Parteispitze ihre Sitzung nicht fortzusetzen. Es war nicht der einzige Ort, an dem die Menschen regelrecht schockiert reagierten und es erst einmal nicht glauben wollten. Philipp Mißfelder - tot? Gerade hatte der 35-Jährige die Führung der mit Abstand größten politischen Nachwuchsorganisation, der Jungen Union, abgegeben, hatte mit der Übernahme des CDU-Schatzmeisterpostens in NRW neue Weichen gestellt, setzte als Chef-Außenpolitiker der Union überraschende Akzente. Und nun: Lungenembolie, tot.

Ein junger Mann, der oft unter Dampf stand, zwischen zwei Terminen auch schon mal mit zwei Mobiltelefonen jonglierte, eines davon mit direktem Zugang zur Kanzlerin. So gefiel es ihm. Der jüngste (und längste) JU-Bundesvorsitzende, das jüngste CDU-Präsidiumsmitglied, mit 25 im Bundestag, mit 35 weltweit vernetzt. Eine Karriere, die gerade ein wenig an Dynamik verloren hatte, nach Überzeugung vieler Anhänger aber auf noch breiterer Basis noch höher hinaufführen sollte. CSU-Ehrenvorsitzender Edmund Stoiber war überzeugt, dass Mißfelder das Zeug zum Kanzler hatte.

Dabei startete er mit einem dicken Rückschlag in die aktive Bundespolitik. Als neuer JU-Chef wurde er bekannt, besser: berüchtigt, mit seiner Kostensenkungsidee, künstliche Hüften für 85-Jährige in Frage zu stellen. Fortan stellte ihn die Polit-Satire als "Philipp, die Hüfte, Mißfelder" dar. Er lernte daraus, legte viele Worte erst auf die Goldwaage und arbeitete mit Eifer mit Senioren-Union-Chef Otto Wulff an dem CDU-Projekt "Zusammenhalt der Generationen".

Einen "Vollblutpolitiker" nannte ihn Bundestagspräsident Norbert Lammert, als Ruhrgebiets-CDUler wie Mißfelder ein kundiger Nahbeobachter. Einen "Freund" verlor Kauder, obwohl er mit Mißfelder manchen Strauß auszufechten hatte und es vergangenes Jahr sogar um den Rücktritt vom Amt des außenpolitischen Sprechers ging, nach dessen überraschender Reise nach Russland, wo er auf Einladung von Wladimir Putin im kleinen Kreis Gerhard Schröders Geburtstag feierte. Rund um die Uhr knüpfte Mißfelder an seinen Netzwerken, engagierte sich in Dutzenden von Vereinigungen. So umtriebig Mißfelder auch immer wirkte, zu seinen persönlichen Konstanten gehörte seine Familienorientierung. Seine Frau und seine beiden Kinder hatten Priorität - selbst wenn er auch zu Hause erreichbar blieb. Noch Samstag mischte er in der Interpretation der Griechenlandpolitik mit.

Wie konnte bei einem jungen Mann ohne Risikoprofil wie Mißfelder eine Lungenembolie entstehen? Meist lösen sich Teile einer Thrombose in den tiefen Bein- oder Beckenvenen, die durch die Hohlvene ins sogenannte Rechtsherz und von dort in die Lungenarterie strömen. Ein größerer Blutpfropf kann die Lungenarterie blockieren. Oft tritt die Lungenembolie nach Operationen auf, wenn Patienten bettlägerig und immobil sind. Manchmal liegt eine vererbbare erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes vor; bei jüngeren Patienten muss man in diese Richtung fahnden, sagt die Medizin.

Die Lungenembolie macht sich meist durch Atemnot und Brustschmerzen bemerkbar, vor allem beim Einatmen. Zudem neigt der Patient zum Husten. Außerdem misst man schnellen Puls. In schweren Fällen sackt der Blutdruck ab, bis hin zur plötzlichen Bewusstlosigkeit. Dann wird die rechte Herzkammer des Betroffenen funktionsunfähig, weil sie lange gegen einen Widerstand anpumpen musste. Das kann zum kardiogenen Schock und zum Tod führen. Tückisch ist, "dass die dramatischen Lungenembolien oft ein paar Wochen nach kleineren Lungenembolien entstehen, die nicht erkannt wurden", sagt Uwe Janssens, Kardiologe und Intensivmediziner am Antonius-Hospital Eschweiler. "Die enden dann nicht selten tödlich."

Wird eine Lungenembolie oft übersehen? "Zuweilen passiert das", so Janssens. "Das gilt weniger für die massive Lungenembolie, die sich mit stark gefallenem Blutdruck und Schock äußert. Die kann man gar nicht übersehen." Gefährlicher sei der Graubereich, wenn noch keine letzte Sicherheit herrsche und etwa in der Notaufnahme im Krankenhaus die Diagnostik nicht präzise zu Ende geführt werde.

Quelle: RP
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