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Köln
Polizei löst rechte Demo in Köln nach Ausschreitungen auf

Köln. Mit rund 1700 Beamten hat die Polizei eine Pegida-Demonstration am Samstag in Köln abgesichert. Als kurz nach Beginn des Zuges aus den Reihen der rechten Demonstranten Flaschen, Böller und Steine flogen und Passanten sowie Polizeikräfte trafen, wurde die Demo gestoppt. Mehrere Polizisten und ein Journalist wurden bei den gewalttätigen Ausschreitungen verletzt, teilte die Polizei Köln mit. 15 Menschen wurden in Gewahrsam genommen.

Die Einsatzleitung hatte die Teilnehmer, nachdem sich zudem mehrere von ihnen vermummt hatten, angewiesen, zurück zum Bahnhof zu laufen. Als Hooligans die Polizeisperre durchbrechen wollten, setzten die Beamten Reizgas und einen Wasserwerfer ein. Dann wurde die Versammlung aufgelöst. Dem Pegida-Aufruf waren 1700 Menschen gefolgt, ihnen gegenüber standen rund 1300 Gegendemonstranten des Bündnisses "Köln gegen Rechts". Thomas Isecke engagiert sich zum Beispiel in einer Flüchtlingsunterkunft in Düren und war nach Köln gekommen, um zu sagen: Flüchtlinge sind in Köln natürlich auch weiterhin willkommen. Die Domstadt sei Hoffnungsträger für ein friedliches Miteinander der Kulturen. "Nazis dürfen die Silvesternacht nicht für ihre Zwecke missbrauchen", sagte er.

Am Kundgebungsort am Breslauer Platz hinter dem Hauptbahnhof herrschte allerdings von Anfang an eine angespannte Stimmung, die ein Polizeisprecher später als "aufgeheizt und aggressiv" beschrieb. "Abschieben" riefen die rechten Demonstranten und forderten den Rücktritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) und der neuen Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos).

Rund 500 Frauen - einige von ihnen kostümiert - hatten sich zuvor an den Treppen, die den Bahnhofsvorplatz mit der Domplatte verbinden, zu einem Flashmob getroffen. Sie sangen "Denn mir sin kölsche Mädcher, hann Spetzebötzjer an" und hielten Plakate mit Sprüchen wie "Sexisten und Rassisten sind Arschlöcher - überall", "Wir wollen uns unbeschwert bewegen bei Tag und bei Nacht", "Wir fordern Respekt für jede Frau von jedem" hoch.

Aufgrund des massiven Polizeiaufgebots wurden auch Stimmen laut, warum eine Demo von so vielen Beamten begleitet wurde, aber in der Silvesternacht die Polizei auf der Domplatte so in der Minderheit gewesen sei. Eine Demonstration ist aber ein angemeldetes Ereignis, "wenn wir geahnt hätten, was Silvester passiert, wären sicherlich drei bis vier Hundertschaften in Köln gewesen", sagte der NRW-Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert.

Er geht nicht davon aus, dass die Zahl der rechten Demonstrationen künftig zunimmt. "Der Name Pegida war nur Schein", betonte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Diese Bewegung sei in NRW nie so stark gewesen und habe sich längst totgelaufen. Seinen Beobachtungen zufolge war der Großteil der Kölner Demonstranten Hooligans, die schon bei "Hooligans gegen Salafisten" (Hogesa) auf die Straße gingen. 80 Prozent seien laut Plickert dieser Szene zuzuordnen, allein aus dem Raum Hamburg soll ein Zug mit 400 Hooligans angereist sein. "Ich glaube aber nicht, dass Hogesa auf Dauer eine Zukunft hat." Die Mitglieder seien durch die Fußball-Rivalität verfeindet, zudem erwarte er nicht, dass der Zusammenschluss eine Führungsstruktur bilden könne.

(mso/klik/bis)
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