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Düsseldorf
Polizei-Razzia gegen Nordafrikaner

Polizei kontrolliert in Flüchtlingsheimen in NRW
Polizei kontrolliert in Flüchtlingsheimen in NRW FOTO: dpa, mku wst
Düsseldorf. Die Beamten gingen gegen den Missbrauch von Mehrfachregistrierungen vor. Von Thomas Reisener und Christian Schwerdtfeger

Mit einem Großaufgebot hat die Polizei in NRW gestern Morgen Hunderte Flüchtlinge in 33 Landesunterkünften überprüft - unter anderem in Duisburg, Voerde und Rheinberg. Ziel der Razzia war es, biometrische Daten wie Fingerabdrücke der dort lebenden nordafrikanischen Zuwanderer zu erfassen. "Damit wollten wir überprüfen, ob die Flüchtlinge registriert sind und sichergehen, dass sie nicht über verschiedene Identitäten verfügen", sagte ein beteiligter Beamter. Hintergrund ist die Einführung eines neuen Ankunftsnachweises in NRW vor einem Monat. Seitdem werden alle neuankommenden Flüchtlinge biometrisch erfasst.

In einer konzertierten Aktion umstellten Polizisten der Einsatzhundertschaft deshalb um 6 Uhr morgens landesweit Asylunterkünfte. "Wir haben auch Zimmer von Verdächtigen durchsucht", sagte der Beamte. In einigen Einrichtungen hatten Flüchtlinge noch versucht, sich der Kontrolle zu entziehen. So nahm die Polizei in einer Duisburger Unterkunft zwei junge Männer vorläufig fest, die sich im Keller des Gebäudes versteckt hielten. Die Beamten hatten besonders nach Algeriern und Marokkanern Ausschau gehalten, da diese sich nach Angaben der Bezirksregierung Arnsberg besonders häufig dem Behördenzugriff entziehen, weil ihre Bleibeperspektiven als schlecht gelten. Deshalb mussten sich Flüchtlinge aus diesen beiden Staaten gestern sofort entscheiden, ob sie einen Asylantrag stellen wollen oder nicht. Nach Behördenangaben machten das mehr als 400 Personen. In Bussen wurden sie zu Außenstellen des Bundesamts für Migration (BAMF) in Essen und Düsseldorf gebracht, wo sie dann ihren Asylantrag stellen konnten.

Trotz der gemeinsamen Aktion von Bezirksregierung, BAMF und Ausländerbehörden gingen der Polizei nur vier Personen ins Netz, die wegen möglicher Straftaten gesucht werden. Zum Vergleich: Als die Stadt Recklinghausen vor Kurzem Flüchtlinge unabhängig von ihrer Herkunft einer Sicherheitsüberprüfung unterzog, lagen zu 180 von 903 Personen polizeiliche Erkenntnisse vor. Trotzdem begründete NRW-Innenminister Ralf Jäger das gestrige Vorgehen nur gegen Flüchtlinge aus Marokko und Algerien damit, "dass gerade diese Gruppen besonders häufig durch Straftaten auffallen".

Bernd Brack vom Flüchtlingshelfer-Verein ProAsyl kritisiert die Aktion als einseitige Stigmatisierung: "Es ist höchst problematisch, gezielt gegen Asylbewerber aus zwei bestimmten Ländern vorzugehen", sagte er. Das sei ein Generalverdacht gegen Asylbewerber aus Algerien und Marokko und diskriminierend. "Auch der Innenminister von NRW muss alle Flüchtlinge gleich behandeln", so Brack.

Quelle: RP
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