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Rheinberg
Polizei wehrt sich gegen Vorwürfe

Rheinberg. Noch immer ist unklar, wie sich der Polizeieinsatz am Freitagabend im Rheinberger Stadtteil Orsoy abgespielt hat. Die Polizei hat gestern der Aussage des 15-jährigen Mädchens widersprochen, ihm von einer Anzeige abgeraten zu haben, nachdem es angegeben hatte, von einem Bewohner der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) für Asylbewerber attackiert worden zu sein. "Es gibt nicht den geringsten Hinweis, dass die Polizisten keine Anzeige hätten aufnehmen wollen", sagte Sprecherin Sabine Vetter von der Kreispolizei Wesel.

"Wir haben ein starkes Interesse daran, den Sachverhalt objektiv und lückenlos aufzuklären", sagte Vetter. Es werde in Ruhe mit allen Beteiligten gesprochen. Mit den Beamten sei das inzwischen geschehen. Sie räumte ein, dass es "in einer emotional sehr aufgeladenen Situation möglicherweise zu Missverständnissen" gekommen sei. Insbesondere der Zeuge, der dem Mädchen zur Hilfe geeilt sei, sei laut den Beamten sehr aufgebracht gewesen und habe immer wieder gedrängt, den 50-jährigen Beschuldigten anzuzeigen.

Eventuell, so Vetter, habe der Hinweis des Beamten, dass eine Anzeige wegen Nötigung "in diesem Fall vermutlich ins Leere laufen" werde, den Eindruck erweckt, dass die Polizei nicht tätig werden wolle. "Aber wir schreiben auch bei vermeintlichen Kleinigkeiten Anzeigen, um nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, dass Dinge unter den Tisch fallen", sagte die Sprecherin.

Die 15-Jährige, die in der ZUE ein Praktikum absolviert, hat gestern noch einmal geschildert, dass der Einsatzleiter sie und ihren Vater mehrfach gedrängt habe, auf eine Anzeige zu verzichten. "Ich habe mich von dem Polizisten überhaupt nicht ernstgenommen gefühlt", sagte sie. "Ich war eingeschüchtert und bin mir so hilflos vorgekommen, dass ich geweint habe." Als sie am Montag in die Einrichtung gekommen sei, sei sie "sehr erleichtert" gewesen, dass der Mann verlegt worden war. Wie ihr Vater sagte, habe sich ein Sprecher der für die ZUE zuständigen Bezirksregierung Düsseldorf bei ihm entschuldigt. Die Kreisverwaltung Wesel und das NRW-Innenministerium erklärten, den Sachverhalt prüfen und "lückenlos aufklären" zu wollen.

(bp)
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