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Köln
Polizistin spionierte Kameraden aus

Köln. Eine 26-Jährige wollte offenbar heimlich Material an Fernsehsender liefern. Von Thomas Reisener

Eine neue Affäre belastet die Kölner Polizei: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen eine 26-jährige Polizistin, die ihre Kollegen heimlich bei der Arbeit gefilmt hat. Sie flog am Mittwochabend auf. Die Kölner Staatsanwaltschaft bestätigte gestern entsprechende Informationen unserer Redaktion. Offenbar wollte die Polizistin einer Fernsehproduktionsfirma zuliefern. Sie wurde umgehend suspendiert.

Polizisten des zweiten Zuges der 15. Einsatzhundertschaft stellten am frühen Abend einen Mann zur Rede, der sie unauffällig in der Nähe des Hauptbahnhofs zu filmen versuchte. Bei einer Überprüfung stellte sich heraus, dass der Mann in Kontakt mit der Polizistin aus derselben Hundertschaft stand. Bei der Frau wurden daraufhin ebenfalls Ton- und Bildmitschnitt-Techniken gefunden. "Sie war unter ihrer Uniform komplett verkabelt und hatte außen eine Kamera in der Größe eines Stecknadelkopfes", berichtet ein Polizist aus der Hundertschaft, "wir sind alle stocksauer".

Weil zunächst auch Sicherheitsbedenken vorlagen, reagierte die Kölner Polizei prompt mit einer Razzia in eigenen Räumen. Die Durchsuchung der Dienstgebäude auf Wanzen blieb ohne Ergebnis. Der Staatsanwalt ermittelt nun auch gegen den Mann und eine Journalistin wegen Beihilfe und Anstiftung. Gegen die Polizistin wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Die Kölner Polizei machte zuletzt mehrfach Schlagzeilen. Im Sommer 2015 wurde bekannt, dass Führungskräfte einen Polizeihubschrauber für ein privates Foto-Shooting missbraucht hatten. Wenig später flogen die demütigenden Aufnahmerituale eines Kölner Spezialeinsatzkommandos auf, das der damalige Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers danach auflöste.

Nach dem eklatanten Versagen der Kölner Polizei in der Silvesternacht ersetzte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) Albers durch Jürgen Mathies ab. Wie es heißt, will Mathies im aktuellen Fall besonders streng durchgreifen, weil er nach den vielen Querelen in seinem Präsidium jetzt die Solidarität unter seinen Beamten stärken muss.

Quelle: RP
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