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Ratingen
Ratinger Prinz kommt aus Kamerun

Ratingen. Samuel Awasum, der Vorsitzende des Integrationsrates, und seine Ehefrau Jacinta werden am 12. November zu neuen Tollitäten gekürt. Der Karneval will ein deutliches Zeichen für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit setzen. Von Norbert Kleeberg und Wolfgang Schneider

Da hat der früher etwas altbacken wirkende Ratinger Karnevalsausschuss (KA) ein echtes Ausrufezeichen gesetzt: Selten war der Rummel bei der Vorstellung der neuen Tollitäten so groß. Und dem designierten Prinzenpaar ist die Sache auch noch nicht ganz geheuer. Doch man steht zu seinem Wort und fühlt sich "unglaublich geehrt": Samuel (I.) und Jacinta (I.) Awasum sind das neue Ratinger Prinzenpaar. Beide sind in Kamerun geboren, haben seit längerer Zeit die deutsche Staatsbürgerschaft und kamen zu ihrer Präsentation in traditionellen Gewändern. Sie zeigten sich lächelnd und stolz vor historischer Kulisse: der Ratinger Wasserburg.

Die beiden sind nicht die ersten Tollitäten im Rheinland mit afrikanischen Wurzeln: In der Session 2011/2012 wurde etwa Balam Byarubanga zum Prinzen der 1. KG Richterich 1956 "Koe Jonge" in Aachen gekürt. Er war aus Uganda zum Studium nach Aachen gekommen und geblieben. Sein Prinzenkostüm mit Schuhen, Zepter und Orden hängt inzwischen im Haus der Geschichte in Bonn. Sein 15-köpfiger Hofstaat trug damals traditionelle afrikanische Trachten.

Ratingens neuer Prinz ist seit 2014 Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt und auch im Landesintegrationsrat tätig. Awasum kam 2002 in die Bundesrepublik und ist seit 2008 Deutscher. "Für mich ist es eine sehr große Freude, dass ich gefragt worden bin", sagte der neue Prinz, der allerdings zunächst dachte, er habe etwas falsch gemacht, als der Karnevalsausschuss Kontakt aufnahm. "Als dann die Frage kam, ob ich mir vorstellen könnte, Prinz zu werden, war ich sprachlos", erzählte der 34-Jährige - immer noch sichtlich gerührt. Die Kür wecke ein ähnliches Glücksgefühl in ihm wie seine Hochzeit, betonte Awasum, der beim Vorstellungstermin immer wieder die Hand seiner Frau Jacinta suchte. Sie kam vor 13 Jahren zum Studium nach Deutschland. Mittlerweile hat sie zwei Masterabschlüsse und arbeitet beim Metro-Konzern in Düsseldorf. Zurzeit ist sie in Elternzeit. Das Paar hat zwei Kinder.

Auch wenn sie schon einige Zeit hatten, die neue Aufgabe zu verarbeiten, warfen sie sich ungläubige Blicke zu: "Im vergangenen Jahr waren wir ganz nah am Karneval dran und haben Prinz und Prinzessin bewundert. Das war einfach klasse", erklärte der studierte Wirtschaftsinformatiker. "Aber dass wir das selbst mal werden könnten, das ist einfach unvorstellbar gewesen." Vor seiner Zusage musste er zunächst mit seinem Arbeitgeber sprechen: Awasum hat nämlich erst zum 1. August seinen neuen Job beim Ratinger Logistik-Unternehmen DKV Euro Service begonnen. "Wir sind sehr dankbar, dass die Firma gesagt hat, sie unterstützt diese Idee", meinte Peter Hense, der mit Michael Schleicher den neuen Vorstand bildet. Dem ist gleich ein echter Coup gelungen, und er will weiter frischen Wind in den Karneval bringen. Hense betonte: "Wir haben uns eigentlich auf die Fahnen geschrieben, dass wir eine unpolitische Organisation sind." Aber das bedeute nicht, dass sie nicht klar Stellung beziehen dürfe zu gesellschaftspolitischen Themen. "Und mit diesem Prinzenpaar wollen wir ein klares Zeichen setzen - ein Zeichen für Toleranz und Respekt, aber auch dafür, dass Integration nur beidseitig funktionieren kann." Wichtig sei, dass auch das Brauchtum offen sein müsse für die Entwicklungen der Gegenwart, sonst werde man den Anschluss an jüngere Generationen verpassen. "Für uns stehen das Brauchtum und die Persönlichkeit im Vordergrund. Da spielt die Hautfarbe überhaupt keine Rolle", betonte Hense. Das Motto der kommenden Session in der rheinischen Stadt passt zum entschlossenen Handeln: "Dume huch un mahke" - Daumen hoch und machen.

Und es ist nicht das erste Mal, dass der Ratinger Karneval internationale Tollitäten kürt: Hotelier Jalil Charaf-Eddine, gebürtig aus Marrakesch in Marokko, war mit Ehefrau Gabi 1997 oberster Jeck. Und er ist auch Mitglied bei den Schützen.

Quelle: RP
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