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Bombe im Baum versteckt
Rohrbombe explodiert vor Schulgebäude in Herdecke

Rohrbombe explodiert vor Schulgebäude in Herdecke
Ein bislang unbekannter Täter hat eine Bombe in einem Baum vor einer Schule in Herdecke gezündet. FOTO: dpa, kde
Herdecke. Ein Unbekannter hat in einem Baum eine selbstgebastelte Rohrbombe platziert und gezündet. Ein naheliegendes Schulgebäude ist durch die starke Druckwelle beschädigt worden. Es ist nicht erste Vorfall dieser Art. Von Leslie Brook

Es ist kurz nach Mitternacht, als Reinhard Moldenhauer aus dem Schlaf hochschreckt. Ein lauter Knall hat den Rentner geweckt. "Ich hatte mich etwas später hingelegt als sonst und war gerade weggedämmert, als ich einen lauten Knall hörte", erzählt der 80-Jährige. Zunächst glaubt er an ein Gewitter, "denn es hat sich am ehesten angehört wie ein Donnergrollen oder als ob ein Blitz einschlägt", beschreibt der Anwohner aus Herdecke das nächtliche Geräusch. Doch beim Blick aus dem Fenster sei von einem aufziehenden Unwetter nichts zu sehen gewesen. "Dann habe ich mich wieder hingelegt", sagt er. Am nächsten Morgen erfährt der Rentner, dass in der Nachbarschaft eine Rohrbombe detoniert ist.

In einem Ahornbaum auf dem Gelände eines Gymnasiums in Herdecke (Ennepe-Ruhr-Kreis) hat ein Unbekannter eine selbstgebaute Rohrbombe platziert, die in der Nacht zu Sonntag kurz nach Mitternacht explodierte. Das rund 30 Meter entfernte Schulgebäude wurde erheblich beschädigt. Durch die Druckwelle gingen Glasscheiben, Teile der Fassade sowie eine Tür an der Rückseite des Gymnasiums kaputt. Auch der etwa 40 Zentimeter dicke Baumstamm zersplitterte und musste von Einsatzkräften der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks noch in der Nacht gefällt werden. Zuvor hatten Sprengstoffexperten des Landeskriminalamtes (LKA) überprüft, dass keine weiteren Sprengsätze in dem Baum verborgen waren, teilte die Feuerwehr mit. Der Schaden wird auf 30.000 Euro geschätzt. Verletzt wurde niemand.

Der Täter hatte ein Loch in den Baum gebohrt und darin einen Metallgegenstand mit einem zündfähigen Gemisch deponiert. "Wenn in einem Umkreis von rund 30 Metern Menschen gewesen wären, hätte es sicherlich Verletzte oder sogar Schwerverletzte gegeben", sagte ein Polizeisprecher.

Bei der Explosion wurde niemand verletzt. FOTO: dpa, kde

Erst im März war laut Polizei ganz in der Nähe schon einmal ein ähnlicher Sprengsatz in einem Baum platziert und gezündet worden. Damals sei der Schaden jedoch geringer gewesen.

Die Ermittler vermuten auch einen Zusammenhang mit brennenden Mülltonnen in den vergangenen Monaten. Seit Februar seien im Abstand von einigen Wochen acht Mal Mülltonnen und Papierkörbe in Flammen aufgegangen, bestätigte die Polizei. Es bestehe der Verdacht, dass man es mit ein und demselben Zündler zu tun habe, der "geübt" und die Dimension seiner Taten im Laufe der Zeit gesteigert habe.

Ob es sich indes um einen professionellen Täter handelt, sei schwer zu sagen. Er habe sicherlich Spaß an Pyrotechnik. "Anleitungen zum Bau von Rohrbomben finden sich heutzutage im Internet. Dafür braucht man kein Abitur", erklärte der Polizeisprecher. Unklar sei auch, wie alt der Täter in etwa ist, und ob es einen Bezug zur Schule gibt. Da die Brandstiftungen vorrangig nachts passierten, gibt es bislang keine Zeugen. Zwar hätten mehrere Anwohner den Knall gehört, aber gesehen habe niemand etwas.

Das LKA untersucht derzeit die Rückstände des chemischen Laborats und hofft, so Rückschlüsse auf den Täter ziehen zu können. Nach der bisherigen Einschätzung der Ermittler handelt es sich wohl um jemanden, der durch seine Taten vor allem Aufmerksamkeit generieren will, und dem es nicht darum geht, Menschen zu verletzen. Andernfalls hätte er wohl andere Orte und Tatzeiten gewählt, so der Polizeisprecher. Eventuell gehe es ihm auch darum, zu beobachten, wie Polizei und Feuerwehr arbeiten.

Reinhard Moldenhauer ist in den vergangenen Wochen morgens beim Gassigehen mit seinem Hund häufiger auf ausgebrannte Mülltonnen und sogar auf einen durch Flammen zerstörten Altkleidercontainer gestoßen. "Das hat sich alles hier in der Nachbarschaft abgespielt. Deshalb liegt der Verdacht nahe, dass das jemand hier aus der Umgebung ist", sagt der Rentner. Mit den Rohrbomben hätte es nun eine neue Dimension erreicht. "Ich hoffe, dass man den Täter bald schnappt." Erst dann könne man sich wieder sicher fühlen.

Quelle: RP
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