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Köln
Schleuser in Köln vor Gericht

Köln. Zwei Brüder sollen für den Tod von acht Menschen verantwortlich sein.

Zwei aus Syrien stammende Brüder müssen sich seit gestern vor dem Kölner Landgericht verantworten, weil sie als Mitglieder einer Schleuserbande den Tod von mindestens acht Flüchtlingen mit verursacht haben sollen. Die Angeklagten bestreiten die schweren Vorwürfe.

Ahmad und Fouad G., 18 und 20 Jahre alt, wird vorgeworfen, sich im November 2015 im türkischen Bodrum einer kurdischen Schleuserbande angeschlossen zu haben. Fouad G. soll einen irakischen Familienvater mit einer Waffe bedroht und ihn so dazu gezwungen haben, mit seiner Frau, seiner kleinen Tochter und zwei Söhnen in ein Schlauchboot zu steigen, das wenig später auf dem Weg nach Kos kenterte. Ehefrau, Tochter und einer der Söhne ertranken, mit ihnen mindestens fünf weitere Flüchtlinge. Die beiden Brüder gaben an, sie seien unbeteiligt und nur in den Fokus des Familienvaters geraten, weil er in seiner Trauer und Verzweiflung jemanden suchte, den er für den Tod seiner Angehörigen verantwortlich machen kann.

Die 4. Große Strafkammer wird in dem bis zum 6. Dezember dauernden Prozess mehrere Fragen zu klären haben, etwa, ob es weitere Verantwortliche gibt.

Die beiden Männer sind wegen des Einschleusens von Flüchtlingen mit Todesfolge angeklagt. Über ihre Verteidiger ließen sie gestern am ersten Prozesstag erklären: Der jüngere Bruder, Ahmad G., war bei seiner Flucht aus der syrischen Stadt Latakia 17 Jahre alt und konnte weder lesen noch schreiben. Er und sein Bruder hatten Angst, vom Militär eingezogen zu werden, und entschieden sich nach Bombenattentaten des IS und mit Unterstützung ihrer Eltern, die Heimat zu verlassen. Sie seien getrennt gereist und hätten sich in Bodrum getroffen. Auch die Brüder seien mit einem überladenen Schlauchboot nach Griechenland gebracht worden. Das sei beim Anlegen geplatzt. Alle hätten sich in den Sand geworfen, überglücklich, die Überfahrt überlebt zu haben.

Zu einem Wiedersehen zwischen den Brüdern und dem Iraker, der 20.000 Euro für die Überfahrt bezahlt hatte, kam es zufällig im März in einer Flüchtlingsunterkunft in Köln-Ostheim. Der Mann beschuldigte die beiden, die daraufhin festgenommen wurden und bis Mai in Untersuchungshaft waren.

(hsr)
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