| 17.29 Uhr

"Überstürzt und qualitätslos"
Verbände beklagen Probleme bei schulischer Inklusion in NRW

Schulische Inklusion in NRW: "Überstürzt und qualitätslos"
40 Prozent der Grundschulen sind nicht mit den notwendigen Sonderpädagogen besetzt, kritisiert ein Verband. FOTO: dpa
Düsseldorf. Lehrer- und Elternverbände üben massive Kritik an der Umsetzung des inklusiven Unterrichts in Nordrhein-Westfalen.

Für den Unterricht von Förderkindern an Regelschulen forderten sie bei einer Anhörung des Landtags in Düsseldorf am Mittwoch mehr Lehrkräfte und Fortbildungen sowie eine bessere Ausstattung. Fehlendes Personal mache besonders die notwendige Besetzung mit zwei Lehrern pro Klasse oft unmöglich.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) erklärte bei der Anhörung des Schulausschusses, 40 Prozent der Grundschulen seien nicht mit den notwendigen Sonderpädagogen besetzt. Gerade im Förderbereich emotionale Entwicklung, in der es auf eine feste Beziehung zwischen Pädagogen und Schüler ankomme, sei eine durchgängige Doppelbesetzung erforderlich. Die Klassengröße sei statt bisher auf 30 auf 24 Schüler zu begrenzen.

Schulen fehlen klare Vorgaben

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erklärte, die derzeitigen Bedingungen gefährdeten den Erfolg der Inklusion. Notwendig seien neben mehr Stellen und Fortbildungen auch ein besseres Raumangebot. Der Verband Sonderpädagogik NRW warf der rot-grünen Landesregierung vor, keine Standards für die sonderpädagogische Förderung vorgelegt zu haben. Den Schulen fehlten klare Vorgaben.

Der Verein "Gemeinsam leben, gemeinsam lernen" forderte, fraktions- und lagerübergreifend an den Schwierigkeiten der Inklusion zu arbeiten. Der gemeinsame Unterricht dürfe nicht an der Begründung scheitern, "dass doch alles verführt, überstürzt, unzureichend ausgestattet und unzumutbar sei".

Die Eltern der Förderkinder begrüßten das gemeinsame Lernen grundsätzlich, kritisierten aber die unzureichende personelle Ausstattung. Auch gebe es nicht genügend hochwertige inklusive Schulen zur Auswahl. Mit Blick auf Förderschulen hätten die Eltern indes eine wirkliche Wahl.

Schülerzahlen sollen begrenzt werden

Auch der Verband der Lehrerinnen und Lehrer an Berufskollegs in NW (vlbs) forderte verbindliche Basisstandards für die personelle und sächliche Ausstattung. Die Klassen mit oft lernschwachen und schulmüden Jugendlichen seien auf 20 Schüler zu begrenzen und von zwei Lehrkräften zu betreuen.

Der Verband "lehrer nrw" für den Sekundarbereich kritisierte die Umsetzung der Inklusion als "überstürzt und qualitätslos". Der Rechtsanspruch für Eltern auf Wahlmöglichkeit sei faktisch nicht gegeben, da die von der Landesregierung gewünschte "Zerschlagung" vieler Förderschulen dem entgegenstehe. Auch die Piratenfraktion forderte nach der Anhörung, die Personalausstattung erheblich zu verbessern. Denn Doppelbesetzungen seien vielerorts Fehlanzeige.

(gol/KNA)
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