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Raser
Sechsjähriger bei illegalem Rennen verletzt

Hagen. In Hagen sind fünf Menschen zum Teil schwer verletzt worden, weil sich zwei Männer ein illegales Autorennen geliefert haben. Ein Sechsjähriger ringt noch mit dem Tod. Einer der beiden Raser flüchtete anschließend von der Unfallstelle. Von Christian Schwerdtfeger

Als die Rettungskräfte am Einsatzort nahe der Hagener Fern-Uni eintrafen, lag ein Renault völlig zerstört auf der Seite. Zwei weitere Autos, ein Skoda und ein Ford, standen mit eingedrückten Frontpartien nach einem Frontalzusammenstoß quer auf der Kreuzung. Der Skoda-Fahrer, ein 33-jähriger Mann, hatte sich zuvor ein illegales Autorennen mit einem 46-jährigen Audifahrer geliefert. Der Jüngere der beiden Raser war den Ermittlungen zufolge während des Rennens bei einem Ausweichmanöver in den Gegenverkehr geraten und mit dem Ford einer 37-jährigen Mutter zusammengestoßen, die mit ihrer elfjährigen Tochter und ihrem sechsjährigen Sohn unterwegs war. Das Auto der Frau wurde durch die Wucht des Aufpralls gegen einen neben ihr fahrenden Renault eines 30-Jährigen geschoben, der daraufhin eine Verkehrsinsel rammte, mit seinem Wagen umstürzte und ebenfalls schwer verletzt wurde.

"Der Sechsjährige verletzte sich bei dem Unfall lebensgefährlich und musste mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen werden", sagte ein Sprecher der Polizei Hagen. Insgesamt wurden fünf Menschen bei dem Unfall schwer verletzt, darunter zwei Kinder.

Der 33-jährige Audifahrer war nach dem Verkehrsunfall geflüchtet. "Er hat sich einige Stunden nach der Tat über seinen Rechtsanwalt bei uns gemeldet", so der Polizeisprecher.

Die Polizei geht bislang davon aus, dass sich die beiden Raser zuvor zufällig an einer Ampel begegnet waren - und sich nicht vorher für ein Rennen verabredet hatten. "Wir können aber noch nicht sagen, wie schnell sie unterwegs waren", so der Polizeisprecher.

In NRW gab es in den vergangenen Monaten und Jahren viele schwere Unfälle wegen illegaler Autorennen - einige endeten tödlich, meistens starben dabei Unbeteiligte. So war zuletzt in Köln eine 19-jährige Radfahrerin von dem Auto eines Rasers erfasst worden und gestorben. Wie jetzt in Hagen hatten sich zwei Männer spontan über eine Strecke von mehreren Kilometern ein Kräftemessen geliefert. Mehrere Zeugen hatten ausgesagt. Das Kölner Landgericht verurteilte die beiden 22 und 23 Jahre alten Männer im April zu Bewährungsstrafen. Im Fall des 23-Jährigen, dessen Auto gegen die Radfahrerin geschleudert war, hat die Staatsanwaltschaft Revision beantragt. Kurz vor diesem tödlichen Unfall war der Fahrgast eines Taxis in Köln ums Leben gekommen. Das Taxi war mit einem Auto zusammengestoßen, das an einem Rennen beteiligt war. Die beiden Raser wurden zu Jugendstrafen auf Bewährung verurteilt.

Die Stadt Köln gehört zu den Hochburgen der Raserszene in Deutschland. Immer wieder kommt es in der Millionenstadt in diesem Zusammenhang zu Unfällen. Prominentestes Todesopfer der Raserei war 2001 der Sohn des damaligen Kölner Oberbürgermeisters Fritz Schramma (CDU). Der 14-Jährige kam ums Leben, weil ein Raser in eine Menschenmenge hineingefahren war, in der er stand.

Neben Köln haben unter anderem auch die Städte Düsseldorf und Duisburg mit illegalen Rennen zu kämpfen. So gehört etwa die Bundesstraße 8 in Duisburg-Hamborn seit vielen Jahren zu einer der bekanntesten Strecken für illegale Autorennen in NRW. Aber auch im ländlichen Raum liefern sich junge Fahranfänger gefährliche Rennen. Polizei und Städte gehen mit einer Reihe von Maßnahmen dagegen vor. Dazu gehören: Polizeipräsenz, unangekündigte Großrazzien, Veränderungen der Verkehrsführung. In Köln gibt es sogar eine eigene Sonderkommission. Außerdem wird in einigen Städten wie etwa Köln der Verkehr an den berüchtigten Stellen durch Poller und Bremsschwellen verlangsamt. Außerdem wollen betroffene Kommunen enger mit Auto-Vermietungen zusammenarbeiten, weil sich die Raser für ihre Rennen zunehmend Autos mieten. Wer bei einem illegalen Rennen erwischt wird, muss mit Führerscheinentzug und hoher Geldstrafe rechnen. Die deutsche Polizeigewerkschaft macht sich zudem für eine PS-Obergrenze für junge Fahranfänger stark.

Quelle: RP
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