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Düsseldorf
Sonderpädagogen dringend gesucht

Düsseldorf. Lehrerverbände klagen über Defizite bei der schulischen Inklusion in NRW. Von Detlev Hüwel

Was macht ein Lehrer mit verhaltensauffälligen Kindern, die während des Unterrichts auf oder unter dem Tisch sitzen? Viele Lehrkräfte seien damit überfordert, berichtete die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Dorothea Schäfer, bei einer Expertenanhörung im Landtag. Mitunter bleibe "als Notmaßnahme" nur der Ausschluss vom Unterricht, um die Ruhe in der Klasse wieder herzustellen. Das Beispiel sollte deutlich machen, wie wichtig bei der schulischen Inklusion die Doppelbesetzung mit einer regulären Lehrkraft und einer Fachkraft für Sonderpädagogik ist. Doch daran hapert es vielfach. Udo Beckmann, Vorsitzender des Landesverbandes Bildung und Erziehung (VBE), bezeichnete die Lehrerversorgung als "völlig unzureichend". Allein in NRW fehlten 7000 Sonderpädagogen.

Doch woher soll zusätzliches Personal kommen? "Der Lehrermarkt ist leergefegt", hieß es übereinstimmend. Als Ausweg bleibe nur die Fortbildung. Doch auch hier gebe es Probleme. Die Ausbildung sei unzureichend und gehe auf die "Knochen" der übrigen Lehrer, die für die ausfallenden Stunden einspringen müssten. Viele Lehrer scheuten eine Fortbildung, weil sie befürchteten, dass sie mit ihrer Zusatzqualifikation "von Schule zu Schule" geschickt würden, wie dies in der Praxis längst geschehe. "Wandernde Sozialpädagogen" aber seien nicht erstrebenswert. Beckmann: "Ein Sonderpädagoge muss Teil des Kollegiums sein, sonst funktioniert das nicht."

Ähnlich wie die Piraten, die mit ihrer "Mülheimer Erklärung" zu Missständen bei der Inklusion die Expertenanhörung in die Wege geleitet hatten, fasste Brigitte Balbach ("Lehrer NRW") die Defizite so zusammen: Die Fortbildungsangebote für Lehrer seien qualitativ völlig unzureichend. Nötig seien eine Ausweitung der Vertretungsreserve und eine Verkleinerung der Klassen. Nach Einschätzung der GEW sollte eine Klasse maximal 20 Schüler mit höchstens fünf Kindern umfassen, die sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf haben.

Eva-Maria Thomas ("Mittendrin e.V." Köln) regte zudem eine Anlaufstelle an, an die sich Schulen mit ihren Problemen beim gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung wenden könnten. Inzwischen, so betonten auch die Bildungsexpertinnen Petra Vogt (CDU) und Yvonne Gebauer (FDP), rumore es wegen der zunehmenden Belastung infolge von Integration, Inklusion und Schulreformen in immer mehr Schulen. Ihr Hilferuf: "Wir wissen nicht mehr weiter."

Quelle: RP
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