Geschlossene Fonds
Auf dem Weg zu einer hochwertigen Anlage
Geschlossene Fonds: Auf dem Weg zu einer hochwertigen Anlage
Die Kommunikation muss stimmen – und zwar zwischen Fondsanbietern, Beratern und Anlegern gleichermaßen. Darüber waren sich die Teilnehmer am RP-Finanzforum Geschlossene Fonds einig. FOTO: Alois Müller
Geschlossene Fonds haben derzeit häufig ein Imageproblem. Doch Branchenexperten sehen gute Chancen, die Vorteile des Assets wieder zur Geltung zu bringen. Voraussetzung: Die Anbieter sorgen für Transparenz und beschaffen den Anlegern alle notwendigen Informationen. Von Jürgen Grosche

Einiges ist in der Vergangenheit schlecht gelaufen – keine Frage. Anleger haben mit manchen Geschlossenen Fonds Schiffbruch erlitten. Die ganze Branche geriet dadurch in Misskredit, auch Berater haben sich von der Assetklasse abgewendet. Dabei sind die Produkte gar nicht so schlecht – im Gegenteil: Viele haben ihren Investoren das Vermögen gesichert und spürbare Renditen erbracht, wie unlängst die Vorstudie "Leistungsbilanz" des Verbandes Geschlossener Fonds (VGF) zeigte.

Wo liegen die tieferen Ursachen für die negative Wahrnehmung? Wie kann sie verbessert werden? Welche Akteure sind hier gefragt? Darüber diskutierten Branchenexperten und Vertreter führender Häuser auf dem RP-Finanzforum Geschlossene Fonds. Erster Adressat: der Anleger. Auch er ist mit verantwortlich für seine Investments, betonen die Experten. "Ist sich der Investor seiner Rolle bewusst?" fragt Christian G. Harreiner (DBM). Anleger müssten sich bei Geschlossenen Fonds genau informieren.

Nicht nur Harreiner beobachtet indes eine Tendenz, dass bei Problemen zunächst der Berater "die Prügel einstecken" müsse: "Im Zweifel ist er immer schuld – auch vor Gericht." Auch Eric Romba (VGF) stellt eine allgemeine Absicherungsmentalität fest: "Anleger haben häufig das Gefühl, trotz der Hinweise auf Risiken nicht von diesen betroffen zu sein." "Der Kunde neigt dazu, die Verantwortung abzugeben", bestätigt Michael Kohl (Commerz Real). Dabei gehen die Menschen mit anderen Produkten durchaus differenzierter um. Bevor ein Fernseher oder ein Auto gekauft wird, studieren viele vorher ausgiebig Prospekte, lassen sich Geräte vorführen, machen Probefahrten, vergleichen Daten im Internet. Nicht so bei der Geldanlage, bei der es häufig um viel größere Summen geht. Diese verblüffende Beobachtung machen auch die Experten der Branche Geschlossener Fonds.

Bert Manke (Deutsche Immobilien Invest) warnt allerdings davor, "den Kunden und den Beratern die Schuld dafür zu geben, dass sie uns vertraut haben". Manke kritisiert bei der Aufteilung im Dreieck Anbieter-Berater-Kunde, dass der Berater bislang häufig nur in der Rolle des Verkäufers gesehen wird. "Der Kunde soll über sein Investment selbst entscheiden können", sagt Manke – und plädiert damit auch für eine Stärkung des Anlegers.

Dazu müsste er allerdings auch besser informiert werden. "Wir müssen noch mehr für Transparenz sorgen", bringt Kohl es auf den Punkt. "Auch die Berater sind hier mehr in die Pflicht zu nehmen." Wenn die Produkte transparenter sind, könnten Anleger sie auch besser in ihrer Substanz wahrnehmen, ist Frank Eichelmann (Hauck & Aufhäuser) überzeugt. Die Beteiligungen seien nicht so einfach zu bewerten wie Aktienfonds, räumt Eichelmann ein. Vor allem könnten Geschlossene Fonds nicht jeden Tag einer Bewertung unterliegen – was nach Ansicht von Eichelmann aber auch Vorteile hat: "Langfristig ist es besser, wenn der Anleger eines Fonds nicht durch das tägliche Auf und Ab getrieben wird."

Neben Anleger und Berater steht aber auch der Emittent im Fokus der Diskussion. "Wir dürfen nichts Falsches versprechen", fordert Alexander Betz (MPC) und lenkt damit das Gespräch auf die Prognosen. Problem hierbei: Während unternehmerische Beteiligungen – dazu zählen die Geschlossenen Fonds – natürlich nur so viel Ertrag bringen können, wie das Projekt erwirtschaftet, haben Anleger die Prognosen häufiger als Zusage einer festen Zinszahlung verstanden. "Wir dürfen nicht durch Prognosereihen suggerieren, dass wir auch in zehn Jahren eine vorab definierte fixe Vergütung zahlen", nimmt Kohl die Anbieter in die Pflicht. Er empfiehlt, besser ab dem dritten oder vierten Jahr die Prognose in eine Bandbreite aufzufächern. Das sei in Prospekten für institutionelle Anleger schon längst Usus, unterstützt Michael Wilke (Signa) dieses Argument: "Warum macht das niemand in den Unterlagen für Privatanleger?"

Problem: Je länger ein Fonds läuft, desto schwieriger wird die Prognose. Die Märkte ändern sich, neben konjunkturellen Schwankungen erschweren Krisen und Hypes die langfristige Einschätzbarkeit des Geschäftes. Betz warnt daher vor Beliebigkeit: "Es macht keinen Sinn, etwa bei Schiffsfonds Prognosen abzugeben, die eine Bandbreite zwischen Totalverlust und Super-Gewinnen umfassen."

Ein Blick auf die tatsächliche Entwicklung von Fonds im Vergleich zu anderen Geldanlagen rückt manches in ein anderes Licht, wirft Andreas Heibrock (Real I.S.) ein: "Wir fühlen uns in der Defensive, wenn ein Fonds nur 4,5 statt versprochener sechs Prozent Ausschüttung erwirtschaftet hat. Bei Aktienfonds haben Anleger beispielsweise schon ganz andere, schlechtere Ergebnisse gesehen." Wenn Emittenten und Berater die Ursachen von Prognoseabweichungen besser erklären, können Anleger und Berater die Ergebnisse nachvollziehen und anders beurteilen.

Diese Argumentation hält Wilke indes für schwierig. Zum einen stelle sich die Frage, ob Privatanleger sich so überzeugen lassen, "und auf diesem Weg lassen sich auch keine neuen Produkte verkaufen."

Letztlich kommt es immer wieder auf die Kommunikation an. "Wir müssen Vertrauen schaffen – auch und gerade in schwierigen Phasen", betont Dirk Hasselbring (Hamburg Trust). Er fordert, dass die Fondsanbieter die Anleger permanent mit transparenten Informationen versorgen.

Das Wahrnehmungsproblem ist also der Branche durchaus bewusst. Doch die Diskussion zeigt: Es gibt viele Ansätze, den Wert des Assets Geschlossene Fonds so herauszustreichen, dass die Akzeptanz beim Anleger wieder steigt.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung.
Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.


Melden Sie diesen Kommentar