Konzert
Das große Geheimnis des Grafen
Der erfolgreiche Musiker von Unheilig gibt über sich nur sehr wenig preis. Selbst in seiner Autobiografie bleibt er als Person seltsam unfassbar. Von Dominique Schroller

Unheilig ist ein Phänomen. Aus dem düsteren Reich des Dunkelrock ist der Graf in kurzer Zeit zur Lichtgestalt am deutschsprachigen Musikhimmel aufgestiegen. Wie Jünger pilgern die Fans zu seinen Konzerten, wo der Musiker sie auffordert, mit ihm nach den Sternen zu greifen.

Während er mit dem Erfolg seiner Platten seine Karriere vergoldet, macht er sich selbst zum Mysterium. Sein Name ist offiziell unbekannt, sein Geburtsdatum ein großes Geheimnis, seine Familie anonym. Bei öffentlichen Auftritten trägt der Graf eine Uniform aus schwarzem Anzug und weißem Hemd, dazu einen kahlrasierten Kopf und den markanten Dreiecksbart. Wer er wirklich ist, bleibt dahinter verborgen und das ändert er auch in seiner Autobiografie nicht, die gerade erschienen ist.

Unter dem Titel "Als Musik meine Sprache wurde" breitet er auf 288 Seiten sein Leben aus und berichtet, wie alles begann. Er unternimmt für und mit seinen Fans eine Reise in die eigene Vergangenheit. "Ich wollte mir in diesem Buch diese Zeit nehmen und auf mein Leben zurückblicken", schreibt jemand, der aussieht wie Ende 30 und damit gerade erst eine Etappe seines Daseins hinter sich gebracht hat.

Er beginnt seine Geschichte ganz am Anfang, bei seiner ersten Erinnerung. "Ich sehe mich, wie ich mich auf allen Vieren von meinem Kinderzimmer aus ins Bad bewege. Es hat blaue Fliesen und dort, auf dem flauschigen Teppich steht meine Mutter am Waschbecken." Doch trotz der Anekdoten aus seiner Kindheit, als er eines Tages von der Schule nach Hause kam und nicht mehr sprechen wollte, später mit dem Orgelspiel begann und schließlich beschloss, Musiker zu werden, bleibt er unfassbar.

Sein Leben liest sich wie eine Fabel, er erzählt davon schlaglichtartig und aus einer seltsam distanzierten Position. Er bekundet Mitleid mit dem stotternden Jungen, der von seinen Mitschülern nur Hohn und Spott zu hören bekommt, leidet mit dem verkannten Musiker, dessen Kompositionen niemand hören will und beobachtet halb ungläubig, halb ehrfürchtig dessen Metamorphose zum erfolgreichen Musiker. Namen sind, sofern sie überhaupt vorkommen, geändert.

Der Mann, der 2000 die Band "Unheilig" gründete und seit 2003 als Solist unterwegs ist, um keine Kompromisse mehr eingehen zu müssen, hat sich selbst als eigene Kunstfigur geschaffen. Er spricht von sich selbst gerne in der dritten Person und möchte außerhalb von Bühne und Business möglichst unerkannt in der Masse untertauchen.

Seine Fans verehren ihn trotzdem oder vielleicht gerade dafür. Sie lieben die bildreiche Sprache seiner Liedtexte und seine klangliche Klaviatur, die er von den tiefen Tönen düsterer Melodien bis zu sanften Balladen mit hymnischem Charakter zu spielen versteht. Für seinen Titel "Geboren, um zu leben" bekam der Graf alleine drei Echos und einen Bambi. Tausende Fans jubelten ihm bereits auf seiner Tournee "Lichter der Stadt" zu.

Das Schlusslied eines jeden Konzertes hat der Graf nach "vielen Reaktionen per Mail, Postings und Brief" seiner Fans gerade neu aufgenommen und als Single herausgegeben, seine musikalische Tour durch die großen Hallen endet im kommenden Jahr. Zum Abschluss steht er dann am 7. September 2013 im Hockey Park in Mönchengladbach auf der Bühne.

Quelle: RP
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