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El Greco
Ein Spanier aus Griechenland
Düsseldorf. Im Jahr 1541 wurde El Greco als Domenikos Theotokopoulos auf Kreta geboren. Er verlässt die Heimat, lernt von Meistern in Venedig und Rom. Dann zieht er nach Spanien. Der Maler gilt als Sonderling und eckt häufig an – es geht ihm immer um die Kunst. Und um Geld. Von Martina Stöcker

Leicht haben es seine Auftraggeber mit ihm gewiss nicht. Selbst dem spanischen König Philipp II. – Ende des 16. Jahrhunderts der mächtigste Mensch des Planeten – will El Greco nicht um jeden Preis gefallen. Dessen Wunsch, ein Bild für die Basilika des "Escorial"-Palastes zu malen, entspricht der Künstler selbstverständlich.

Er wählt für "Das Martyrium des Heiligen Mauritius und der Thebaischen Legion" (1579-82) einen eigenen Ansatz: Er rückt statt des Martyriums die beratschlagenden Truppen in den Mittelpunkt. Einige Soldaten tragen bei ihm sogar eine zeitgenössische Rüstung, und der Maler mogelt die Gesichter einiger Feldherren jener Zeit ins Bild. Das Kunstwerk, an dem El Greco zwei Jahre lang gearbeitet hat, gefällt dem Monarchen nicht. Es bekommt nur einen Platz im Kapitelsaal, nicht in der Basilika.

Weitere Aufträge folgen nicht. Und so hat sich El Greco durch seinen eigenen Kopf vielleicht die Aussicht auf eine große Wertschätzung zu Lebzeiten verbaut. Er gilt als extravagant, eigenwillig und gar nicht angepasst. Vielleicht auch als ein wenig aufmüpfig. Es sind allein neun Gerichtsprozesse dokumentiert, in denen er sich mit seinen Auftraggebern entweder um das Honorar, die verwendete Technik oder unterschiedliche Auffassungen der Heiligenverehrung streitet.

Von Kreta nach Venedig

El Grecos Wurzeln liegen auf Kreta, dort wird "der Grieche" um das Jahr 1541 als Domenikos Theotokopoulos geboren. Als Jugendlicher widmet er sich der Ikonenmalerei, gestaltet Altäre und Gotteshäuser. Um 1566 wird er in der Stadt Candia als Maler autorisiert, ein Bild mit einer Lotterie zu verkaufen. Für einen ehrgeizigen Mann ist Kreta aber schnell zu klein.

Die Insel steht damals unter venezianischer Herrschaft, deshalb verwundert es nicht, dass sich der Maler nach Venedig aufmacht. Dort haben Meister wie Tizian ihre Werkstätten. Ob der Kreter wirklich mit ihm persönlich gearbeitet hat, ist jedoch nicht belegt, auch wenn er nach zwei Jahren die Lagunenstadt Richtung Rom mit einem Empfehlungsschreiben verlässt, das ihn als "Schüler Tizians" bezeichnet.

In Rom bleibt er nur zwei Jahre – offenbar bleibt der Erfolg aus –, dann macht er sich auf den Weg nach Spanien, wo Philipp II. die Künste fördert. Warum es El Greco so schnell wieder in die Ferne zieht, liegt im Dunkeln. Eine Ursache wäre ein Streit um Michelangelos "Jüngstes Gericht", dessen freizügige Darstellungen einigen Würdenträgern des Vatikans missfallen. El Greco tönt, man solle das Fresko von der Wand schlagen, er könne ein ebenso gutes malen. Roms Künstler sind empört wegen dieser Vermessenheit.

Vorstellbar wäre diese Episode. Schließlich gilt der Maler wegen seines arroganten Charakters und seines ausgeprägten Selbstwertgefühls als ausgesprochen schwierige und eigensinnige Persönlichkeit. Er ist ein Individualist, als der Begriff des Individuums noch keine Wertschätzung erfährt. Kein anderer Künstler vor ihm betont seine Urheberschaft so intensiv wie El Greco. Nahezu jedes vollendete Werk erhält seine Signatur (häufig in griechischen Schriftzeichen), ebenso wie alle Entwürfe oder Kupferstiche. Der Grieche schützt sein geistiges Eigentum – und ist auch damit modern.

Streit über das Honorar

Im Alter von 36 Jahren kommt El Greco nach Spanien und landet in Toledo. Es ist eine weltoffene Stadt der Kirche und der Wissenschaften, Philipp II. hält dort Hof, baut aber Madrid als neuen Königssitz aus. Zwei wichtige Auftraggeber warten auf ihn: die Kirche und der König. Für die Sakristei der Kathedrale von Toledo soll er ein Bild malen, die "Entkleidung Christi". Auch hier kommt es zum Streit über das Honorar. El Greco fordert 900 Dukaten, die Kirche bietet 228 Dukaten.

Zweieinhalb Jahre streiten sie vor Gericht, dann bekommt der Maler 350 Dukaten zugesprochen. Er hat 122 Dukaten gewonnen – und einen wichtigen Partner verloren. Von der Kathedrale in Toledo bekommt er nie wieder einen Auftrag. Diese Kompromisslosigkeit und sein Mut zeichnen ihn aus: Schließlich kann einen im Zeitalter der Gegenreformation die Opposition zur Kirche den Kopf kosten – erst recht, wenn man zudem eine eigene Formensprache bei religiösen Motiven entwickelt.

Eigentlich scheint El Greco in Spanien zunächst alles falsch gemacht zu haben, bis das Erzbischöfliche Konzil ihn beauftragt, "Das Begräbnis des Grafen Orgaz" (1586-88) zu malen. Dieses Bild (in Toledo zu bewundern) wird sein Durchbruch: Sämtliche ehrbaren Bürger Toledos sind darauf als Trauergäste und Zeugen einer wunderbaren Heiligenerscheinung zu sehen.

Anschließend wird El Greco mit Angeboten überschüttet und kann zumindest seinen anspruchsvollen Lebensstandard mehr oder weniger finanzieren. So ungewöhnlich seine Ideen, so unkonventionell ist auch sein Privatleben. Er beginnt eine flüchtige Beziehung zu Jeronima de las Cuevas, einer Frau aus Handwerkerkreisen, die ihm erst Modell sitzt und später einen unehelichen Sohn bekommt. El Greco erkennt Jorge Manuel als sein Kind an. Obwohl er ständig Aufträge akquiriert, schwanken seine Einnahmen enorm.

Am 7. April 1614 stirbt El Greco in Toledo. Bei seinem Tod ist er hoch verschuldet. Der Poet, Rhetorik-Professor und Prediger Hortensio Paravicino, vom Griechen auch porträtiert, schreibt: "Kreta schenkte El Greco das Leben, und Toledo gab ihm den Ruhm."

Quelle: jco/das
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