Rahmenbedingungen
Fonds müssen hohe Standards erfüllen
Rahmenbedingungen: Fonds müssen hohe Standards erfüllen
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Ein scharfer Wind schlägt Anbietern Geschlossener Fonds entgegen. Dabei hat sich die große Mehrheit der Produkte offenbar gar nicht so schlecht geschlagen. Die Branche hofft nun, dass kommende Regulierungsschritte die Anlage wieder interessanter machen. Von Jürgen Grosche

Anbieter Geschlossener Fonds müssen sich derzeit einiges anhören. Privatanleger hätten mit vielen Investments 30 Milliarden Euro Verluste gemacht, lautet ein Vorwurf. Dass in der Vergangenheit manches nicht gut gelaufen ist, räumen Branchenvertreter durchaus ein. Doch sie wehren sich gegen pauschale Urteile. Und sie zeigen Bereitschaft, weiter an der Qualität der Produkte zu arbeiten, aber auch das Umfeld und die Kommunikation aufzuwerten.

Performance Geschlossene Fonds

Eine der Forderungen lautet: Fondskonzepte müssen ebenso wie die Vertriebsstrukturen transparenter werden. Beim RP-Finanzforum Geschlossene Fonds diskutierten die Experten aus führenden Häusern der Branche auch über neue Provisionsmodelle und über die Folgen der Regulierung. Die wird überwiegend positiv gesehen – eine neue Fonds-Welt werde entstehen mit Angeboten, die hohe Standards erfüllen müssen.

Das jedenfalls hofft man in der Branche – und blickt zugleich auf eine Vergangenheit zurück, die nach nüchterner Analyse besser ausfällt, als es nach all den Stürmen der Kritik scheint. Der Branchenverband VGF (Verband Geschlossene Fonds) hat eine umfassende Analyse über die Performance Geschlossener Fonds gestartet. Ein erstes Ergebnis liegt nun in Form einer Vorstudie vor. Dafür hat der Verband die Leistungsbilanzen aller 41 Mitgliedsunternehmen untersucht und alle Fonds analysiert, die bis 2010 aufgelöst wurden. Die ältesten erfassten Emissionen stammen aus dem Jahr 1972.

Insgesamt wurden 838 Fonds erfasst, von denen die Spezialisten 799 ausgewertet haben, also 95 Prozent. "Wir verfügen damit erstmals über eine statistische Grundlage, auf der wir nun weiter aufbauen können", sagt Eric Romba, Hauptgeschäftsführer des Verbandes. Die Ergebnisse der Vorstudie seien – bis auf wenige Fälle – "sehr zufriedenstellend". Laut der Untersuchung hat die große Mehrzahl der Fonds den Anlegern einen realen Vermögenszuwachs gebracht. Den berechneten die Statistiker mit Hilfe der kumulierten Rückflüsse, von denen das eingesetzte Kapital abgezogen wurde. Auch die Steuerzahlungen wurden berücksichtigt – kumuliert und pauschal mit 50 Prozent.

Die Zahlen beeindrucken: 652 Beteiligungen, also 82 Prozent, haben im Plus abgeschlossen, teilweise sehr deutlich: 354 Fonds mit einem gesamten platzierten Eigenkapital-Volumen von 5,84 Milliarden Euro haben einen Vermögenszuwachs von 50 Prozent oder mehr gebracht. 138 Fonds mit einem Gesamtvolumen von 2,85 Milliarden Euro erwirtschafteten ein Plus von 25 bis 50 Prozent. Weitere 160 Fonds schnitten über Null mit bis zu 25 Prozent Zuwachs ab. Insgesamt lag der durchschnittlich erzielte Vermögenszuwachs bei einer durchschnittlichen Laufzeit von 9,7 Jahren bei 62,25 Prozent.

Die negativen Ergebnisse rechtfertigen nach der Vorstudie nicht die harsche Kritik: Zwar haben 147 Fonds mit Verlusten abgeschnitten, doch die lagen vor allem im Bereich bis zehn Prozent (91 Fonds). Nur sieben Fonds haben mehr als die Hälfte des Vermögens verloren.

In der Analye fehlen allerdings die Zahlen des Jahres 2011, das von deutlichen Veränderungen am Markt gekennzeichnet war. Die sollen aber in der nun anstehenden Peformance-Studie berücksichtigt werden. Die Erhebung startete im September. Erste Daten wurden bereits geliefert.

Der VGF ermöglicht damit einen tiefen Einblick in die Branche, wenn er auch nur für seine Mitglieder Aussagen treffen kann. Immerhin decken die Zahlen des Verbandes fast 60 Prozent des Marktes ab: Während die Mitgliedsunternehmen insgesamt rund 55 Milliarden Euro Eigenkapital verwalten, entfallen auf den Rest rund 40 Milliarden Euro.

Vor allem bei den Schiffsfonds haben schlechte Nachrichten die Anleger beunruhigt. In der Tat mussten einige hier auch Totalverluste hinnehmen. Doch sehen die Zahlen im Gesamtblick weniger dramatisch aus. "Unsere Mitglieder haben insgesamt etwa 1700 Schiffe im Bestand. Zwar sind rund 60 davon insolvent", räumt Romba ein, "aber der statistische Wert ist niedriger als der gefühlte".

Der VGF-Hauptgeschäftsführer will damit die Einzelfälle nicht bagatellisieren: "Ein aktives Management ist gerade bei den Fonds, die sich derzeit in einem schwierigen Umfeld bewegen, die große Herausforderung." Romba beobachtet hier aber in vielen Fällen Erfolge. Die Vorstudie hatte bereits 280 Schiffsfonds ausgewertet, darüber hinaus 322 Immobilienfonds im In- und Ausland, 138 Flugzeugfonds und weitere Assetklassen. Unterm Strich zeige die Analyse, dass sich mit Geschlossenen Fonds als Sachwert-Investment deutliche Erträge erzielen lassen, bilanziert Romba. Die Ausfälle seien insgesamt gering.

"Das Asset wird es auch künftig geben", ist der Branchenexperte denn auch überzeugt. Schon in der unregulierten Welt könnten sich die Ergebnisse sehen lassen. "Neue Vorschriften, die ab dem kommenden Juli die Gestaltung der Fonds regulieren, werden dem Anleger noch mehr Sicherheit geben", ist Romba überzeugt. Er geht davon aus, dass die regulierten Fonds durch die neuen rechtlichen Leitplanken womöglich noch erfolgreicher laufen werden.

Doch der juristische Rahmen ist nur das eine – viel wichtiger sind die Inhalte eines Fonds. Hier appelliert Romba an Interessenten, sich die Projekte genau anzuschauen: In welche Objekte investiert er? Wer ist der Partner? Hier hilft ein Blick in die Leistungsbilanzen.

Auch auf Vertriebsebene hat sich einiges getan – hier greifen bereits neue Regulierungsvorschriften. Berater müssen ihre Empfehlungen für die Kunden dokumentieren und mit den Anlegern durchsprechen – dies verbessere die Sicherheit für beide Seiten, sagt Romba. Er blickt daher mit Zuversicht in die Zukunft.

Quelle: RP
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