RP-Finanzforum Geschlossene Fonds
Investment verändert sich
 RP-Finanzforum Geschlossene Fonds: Investment verändert sich
Die Teilnehmer am Forum diskutierten auch die Folgen neuer rechtlicher Vorgaben für die Branche. FOTO: Alois Müller
Es ist Bewegung in der Branche der Geschlossenen Fonds. Im Zuge der Regulierung auch dieses Marktsegments könnten neue Produkte auf den Markt kommen, zum Beispiel Anleihen oder Genussscheine. Für Beteiligungen könnte es also neue Verpackungen geben. Welche Konsequenzen haben die Veränderungen für Anleger? Antworten suchten die Experten auf dem RP-Finanzforum Geschlossene Fonds. Von Jürgen Grosche

Ein Auslöser für die Diskussion ist der neue rechtliche Rahmen, dem die Anbieter ab Juli 2013 unterliegen. Bis dahin muss Deutschland die AIFM-Richtlinie der Europäischen Union umsetzen (AIFM: Alternative Investment Fund Manager, also Verwalter alternativer Investmentfonds). Ein neues "Kapitalanlagegesetzbuch" wird die Umsetzung regeln.

Eines ist jetzt schon klar: Das Produkt Geschlossener Fonds wird sich verändern. Die Zulassung wird stärker reglementiert. Statt der klassischen Beteiligung könnten Anbieter also Alternativen auf den Markt bringen, für die diese neuen Regeln nicht gelten. Dazu zählen Anleihen, Genussscheine oder Zertifikate.

Quasi aus Anlegersicht geht Dr. Illya Steiner an das Thema heran: Steiner + Company legt nicht nur Fonds auf, sondern kauft auch Beteiligungen zum Beispiel für Dachfonds. "Sie werden zuvor von unserem Investitionsausschuss bewertet", erklärt der Geschäftsführer. Seine Erfahrung: "Die Mindeststandards werden in der Regel eingehalten." Zwar fehlen bei einigen Fonds Angaben zur Mittelverwendung und -Kontrolle, dennoch plädiert Steiner dafür, "möglichst wenig an der Verpackung an sich zu ändern". "Manche Berater glauben, die Produkte seien leichter zu verkaufen, wenn sie nicht mehr 'Geschlossener Fonds' heißen und nicht dem Modell einer Kommanditgesellschaft folgen würden", mutmaßt Michael Kohl (Commerz Real), der darin aber keinen Fortschritt zu erkennen vermag: "Der Anleger ist dann in einer schwächeren Position und trägt trotzdem die Risiken." Als Gesellschafter eines Fonds hat der Anleger hingegen mehr Mitspracherechte.

"Wir müssen darum kämpfen, das Modell der Kommanditgesellschaft zu erhalten", fordert Andreas Heibrock (Real I.S.). Eine Anleihe rentiert sich im Vergleich zur unternehmerischen Beteiligung nicht, rechnet er an einem Beispiel vor: Ein Australien-Immobilienfonds seines Hauses erwirtschaftet etwa sechs bis sieben Prozent Ausschüttung pro Jahr. Würde statt dessen die Immobilie über eine Anleihe emittiert, dann würde aufgrund der dann zu berücksichtigen Abgeltungssteuer die jährliche Ausschüttung auf rund vier Prozent sinken.

Die Überlegung, neue Produkte zu gestalten, sieht Eric Romba (VGF) als "Reflex von Marktteilnehmern, um die Regulierung herumzukommen". Das sei weder für die Initiatoren noch für den Anlegerschutz förderlich. Und gefährlich für die Anbieter solcher Vehikel gleichermaßen: "Der Vertrieb wird womöglich nur Produkte abnehmen, die reguliert sind." Und damit wäre der den neuen Vorschriften folgende Fonds die Wahl der Stunde, nicht das Ausweich-Produkt.

Quelle: RP
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