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Fotografieren
Kameras zum Knipsen und Bildgestalten
Fotografieren: Kameras zum Knipsen und Bildgestalten
Andreas Leistenschneider ist Fachmann für Fotografie. FOTO: Hans-Juergen Bauer
Für Schnappschüsse reicht die Kompaktkamera, Kreative greifen zur Spiegelreflex – Qualität ist bei allen Modellen wichtig. Von Nadine Fischer

Sie ist kaum größer als eine EC-Karte, flach wie eine Streichholzschachtel, mit einem knallfarbenen Kunststoffgehäuse. Oder sie besteht aus gebürstetem Magnesium, ist etwa so breit und hoch wie ein Taschenbuch, mit Wechselobjektiv und Aufsteckblitz. Sie könnte auch im Format irgendwo zwischen EC-Karte und Buch liegen, tiefschwarz, mit mittelgroßem Objektiv – denn die digitale Fotokamera gibt es in schier unzähligen Ausführungen. Mit Spiegel oder ohne, mit Videofunktion, diversen Programmen von Makro- bis Panoramaaufnahme. Da fällt es dem Hobbyfotografen oft schwer, für sich das richtige Modell auszuwählen.

"Wer vor allem Familien- und Urlaubsfotos machen möchte, für den reichen gute Kompakt- oder Systemkameras aus", sagt Andreas Leistenschneider, Fotoexperte aus Düsseldorf. Ambitionierteren Kunden, die nicht nur Schnappschüsse machen sondern Bilder gestalten möchten, rät der Kaufmann zur Spiegelreflex. An verschiedenen Merkmalen lässt sich gute Qualität erkennen – hier eine Auswahl.

Schnappschusstauglich Die kleine Tochter tapst ihre ersten Schritte, der Familienhund balanciert auf den Hinterpfoten und trägt dabei sein Lieblingsstofftier im Maul – das sind Momente, in denen schnell die Kamera gezückt und der Auslöser gedrückt wird. Dann folgen der gespannte Blick aufs Display und nicht selten die Enttäuschung: Die Kamera hat den richtigen Moment verpasst, das Foto zeigt die Tochter schon wieder sitzend, den Hund auf allen Vieren. "Bei Sucherkameras spielt die Schnelligkeit für Kunden nach wie vor eine wichtige Rolle", sagt Andreas Leistenschneider. "Schnappschusstauglichkeit" nennt der Fachmann dieses Kriterium. Doch nicht nur für Kompaktkameras gilt: "Die Auslösungsverzögerung sollte unter 1/10 Sekunde liegen. 0,05 Sekunden sind ein vernünftiger Wert", erklärt Leistenschneider. Qualitäten wie Schnelligkeit und eine gute Bildqualität seien für einen Kaufpreis von unter 100 Euro von Sucherkameras nicht zu erwarten. Ein Nachteil der Kleinen: Der eingebaute Blitz ist in der Regel zu schwach, um einen großen Raum auszuleuchten. Eine ausgewogene Belichtung gibt es nur mit aufgesetzten stärkeren Blitzgeräten.

Blitz und Objektiv Spiegelreflexkameras haben meist nicht nur einen integrierten Blitz, sondern zusätzlich einen Einschub für ein externes Blitzgerät. "Neu sind LED-Leuchten, die für Dauerlicht sorgen", sagt Leistenschneider. Auch wenn es ums Objektiv geht, ist die Spiegelreflex wandelbarer als die Kompakte: Die Objektive können je nach Situation ausgetauscht werden, damit der Fotograf das Motiv so nah wie nötig heranzoomen oder verschiedene perspektivische Effekte erzielen kann.

"Wir warnen gerne vor billigen Objektiven in der Grundausstattung. Ein schlechtes Objektiv ruiniert die Bilder der besten Kamera", sagt der Düsseldorfer. "Es sollte ungefähr so wertvoll wie die Kamera sein." Je präziser die Glasflächen im Objektiv gearbeitet seien, desto unverfälschter werde das Foto: mit naturgetreuen Farben, ohne krumme Linien, Reflexionen und abgedunkelte Ecken. Er rät zu einem Modell mit Zoombereich von 18 bis etwa 135 mm.

Pixel Zehn, 15 oder doch 20 Megapixel – wie viele Bildpunkte sollten es sein, damit das Familienfoto später in Postergröße ausgedruckt werden kann? "Im Grunde reichen zwölf Megapixel aus", erläutert Leistenschneider. Das hänge jedoch auch mit dem Können des Fotografen und dem verwendeten Objektiv zusammen.

Spiegellos im Trend "Eine sehr gute Alternative zur Spiegelreflexkamera sind mittlerweile die Systemkameras", sagt der Fachmann. "Weil sie keinen Spiegel haben, sind sie kompakter. Außerdem sind sie zum Teil mit hervorragenden Videofunktionen ausgestattet." Wer filme, solle auf eine gute Speicherkarte wert legen: "Der Datendurchsatz für eine videotaugliche Speicherkarte beginnt bei 60 Megabyte pro Sekunde." Mit einer Speicherkapazität von 128 Gigabyte lassen sich viele Stunden aufzeichnen – da ist nicht nur Platz für die ersten Schritte, sondern gleich für den ersten Spaziergang der Tochter.

Quelle: RP
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