RP-Finanzforum Hamburg
Klartext reden

RP-Finanzforum Hamburg: Klartext reden
FOTO: Alois Müller
Beim RP-Finanzforum in Hamburg wurde deutlich: Zunehmend steht der Kapitalerhalt im Vordergrund.

Wir müssen nicht staatstragend sein, Banken schon", markierte Volker Kuhnwaldt, Hamburger Vermögen, einen Unterschied seiner Zunft. "Wir können Klartext reden. Wir sind nicht nur produktunabhängig, sondern auchfrei, unbequeme Wahrheiten auszusprechen."

"In Krisenzeiten können wir Cash aufbauen, müssen nicht short gehen", ergänzte Alexander Daniels, Knapp Voith Vermögensverwaltung und beschrieb damit die Möglichkeit, Geld zu parken statt Anlagen zu verkaufen. Das sei die preiswerteste Art, in der gegenwärtigen Situation Vermögen zu schützen und dabei immerhin noch die wenn auch geringen aktuellen Zinsen mitzunehmen.

"Glaubwürdigkeit nehmen viele für sich in Anspruch", meinte Thomas Acker, Spiekermann & Co. "Wir haben ein klares Gebührenmodell, unser Produktangebot ist einfach und durchschaubar. Zudem haben wir keine eigenen Produkte." "Privatbanken sind unsere Wettbewerber", markierte Matthias Steinhauer, Concept Vermögensmanagement, eine klare Grenze. Privatbanken seien immerhin schon näher am Kunden als Großbanken. Aber: "Bei Unabhängigen Vermögensverwaltern wird der Kunde in der Regel vom Inhaber des Unternehmens betreut." Die Verwaltungsunternehmen sind kleiner als Privatbanken, sie arbeiten daher sehr persönlich mit ihren Kunden.

Thomas Lange, Lange Assets & Consulting, definierte die Aufgaben der Unabhängigen Vermögensverwalter so: "Wir sind die Sparringspartner der Anleger." Die Anlagespezialisten helfen also auch denjenigen privaten Investoren, die selbst entscheiden.

Bei institutionellen Investoren beobachtet Klaus Walczak, Ariad Asset Management, eine ähnliche Strategie wie bei den privaten: "Performance ist derzeit nicht das Thema, der Kapitalerhalt steht im Vordergrund." Dies komme den Großbanken zugute. Die Entscheider der Versicherungen, Pensionsfonds und anderen Großinvestoren wollen sich persönlich absichern und befürchten, dass ihre Gremien mögliche Verluste bei Produkten von Großbanken eher tolerieren als bei Unabhängigen Vermögensverwaltern.

Einige Investoren würden aber umdenken, warf Michael Gillesen, Hauck & Aufhäuser, ein und zitierte das Beispiel des Siemens-Konzerns, der sein Geld von einer französischen Großbank abgezogen hat. "Wir haben immer noch einen kleinen Marktanteil", meinte Acker, der die Vorteile der Unabhängigen Vermögensverwalter in ihrer Kundennähe sieht: "Wir unterhalten langjährige Verbindung; Kontinuität ist ein wichtiger Faktor."

"Die Langfristigkeit in der Kundenbeziehung ist ein wichtiges Asset", bestätigte Jens Ammon, Honoris Treuhand. Die mit den Kunden geführten Gespräche haben derzeit oft zum Thema, dass mit der Vermögensanlage ein Inflationsausgleich nach Kosten und Steuern erreicht werden soll. Dies zu erreichen, ist das Ziel vieler Kunden und oft aus Sicht des Gesamtvermögens auch sinnvoll. "Wir differenzieren uns durch unser Honorarmodell deutlich von den Vertriebsmodellen am Markt, allerdings müsse dies in der Außendarstellung der Branche noch deutlicher gemacht werden", betonte Ammon.

Das klare Geschäftsmodell mit Honorarbezahlung sei für viele Kunden ungewohnt; sie würden fragen, wieso sie für Leistungen bezahlen sollen, die sie bei Banken vermeintlich kostenlos bekämen. Das Modell sei in Deutschland einfach noch zu wenig bekannt, meinte Thomas Reinhold, Hauck & Aufhäuser. "Viele Kunden sehen nicht den Unterschied zwischen Vermögensverwalter, Vertriebler und Banker. Wir müssen das Thema noch mehr in die Breite tragen, damit die Unabhängige Vermögensverwaltung so akzeptiert wird wie in den USA oder der Schweiz."

Die Tansparenz sei ein "Pfund der Vermögensverwalter", meinte Björn Geidel, RBS. Wenn Kunden bei Banken diese Transparenz mehr einfordern würden, dann würden sie auch die Kosten deutlicher sehen. Noch ist es so, dass die Unabhängigen Vermögensverwalter ihre Neukunden meist durch Empfehlung bekommen, beobachtet Andreas Heinrich, Hansen & Heinrich. In Gesprächen mit ihnen erlebt der Anlageexperte oft, dass weiche Faktoren eine wichtige Rolle spielen: "Die eigene Immobilie ist für sie greifbar, stellt eine gefühlte Werterhaltung dar." Patentrezepte gebe es aber nicht, "man muss sich breit aufstellen."

Auf die Bedeutung der Marke verwies Walczak. "Banken haben eine hohe Bekanntheit, ihre Namen werden mit Qualität verbunden. Da die Kunden zudem extrem kostensensibel seien, würden Banken trotz vieler schlechter Produkte als gute Anbieter wahrgenommen. "Außerdem spielen Banken mit der Angst und der Gier, erzeugen Komplexität aus Marketing-Gründen", ergänzte Lange. "Hier müssen wir aufklären, denn ein aufgeklärter Kunde ist in Wahrheit ein guter Kunde."

JÜRGEN GROSCHE

Quelle: NGZ
 
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