40 Jahre Kreis Heinsberg
"Nie für möglich gehalten"
40 Jahre Kreis Heinsberg: "Nie für möglich gehalten"
Jürgen Rosenthal war von der Gründung bis ins Jahr 2000 Geschäftsführer der Lebenshilfe Heinsberg. FOTO: Günter Passage
Wenn Jürgen Rosenthal an Willi Doppstadt denkt, bekommt er Gänsehaut. Der 57-Jährige aus Heinsberg-Kirchhoven ist in diesem Jahr offizieller Schützenkönig des Dorfes. Eine Premiere für einen Menschen mit Behinderung. "Wenn mir das jemand am Anfang unserer Bemühungen gesagt hätte, ich hätte das nie für möglich gehalten", sagt Jürgen Rosenthal.

Die dortige Wohngruppe sei zu einem ganz natürlichen Teil der Dorfgemeinschaft geworden. Er sei "baff", wenn er dort zu Besuch sei. Die Anfänge der Lebenshilfe im Kreis liegen in Wegberg-Wildenrath. Mitte der 60er Jahre war der Begriff "Barrierefreiheit" noch nicht erfunden und Förderhilfen für Menschen mit Behinderung nicht in Sicht. Hedwig Labonde und Trude Rosenthal trafen sich dort zufällig beim Spazierengehen und kamen über ihre Kinder mit Behinderung ins Gespräch – und über fehlende Hilfen. Daraus entstanden Treffen mit ihren Männern Jürgen und Karl. So begann die etappenreiche Geschichte der Lebenshilfe im Kreis Heinsberg.

Die Familien gründeten mit Gleichgesinnten eine Interessengemeinschaft im damaligen Kreis Erkelenz, die später mit einem Verein im damaligen Kreis Geilenkirchen-Heinsberg zur Lebenshilfe Heinsberg fusionierte. "Meine Motivation war und ist immer, das Beste für mein Kind zu erreichen. Das gilt für alle in der Lebenshilfe", sagt Jürgen Rosenthal, der von der Gründung bis ins Jahr 2000 Geschäftsführer der Interessengemeinschaft und später der Lebenshilfe war. Der Verein wuchs mit seinen Aufgaben.

Nach einem ersten ambulanten Physiotherapieangebot folgte ein "Sonderkindergarten" an der Hermann-Josef-Gormanns-Straße in Erkelenz. Dann eine Tagesbildungsstätte in der alten Volksschule Heinsberg-Oberbruch. Für die Älteren brauchte es Arbeit. "So kamen wir auf Werkstätten", erzählt Jürgen Rosenthal, "und schließlich auf Wohnstätten." Mit vielen bürokratischen Widerständen mussten die Vorstandsmitglieder umgehen. Der ehemalige Geschäftsführer ist stolz auf die Entwicklung.

Die derzeitige Inklusionsdebatte sieht er jedoch kritisch. "Menschen mit schweren Behinderungen werden immer geschützte Räume wie in der Lebenshilfe brauchen", betont er.

Quelle: RP
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