Zweitmarktbörse
Privatanleger kaufen Chancen von morgen
Zweitmarktbörse: Privatanleger kaufen Chancen von morgen
„Es gibt einige Anleger, die wollen einfach nur verkaufen – egal wie“ sagt Alex Gadeberg von der Fondbörse Deutschland FOTO: Alois Müller
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Während in der breiten Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, Geschlossene Fonds an sich seien Teufelszeug, nutzen vor allem private Anleger die Gelegenheit, um sich auf den Zweitmarktbörsen mit guten Investments einzudecken. So haben private Käufer bei der führenden Zweitmarktplattform, der Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG (Zweimarkt.de), seit diesem Jahr mit einem Anteil von rund 70 Prozent die professionellen Anleger erstmals überholt. Von José Macias

Allein im Oktober freute sich Vorstand Alex Gadeberg über 400 erfolgreiche Vermittlungen. Historisch betrachtet war das einer der höchsten Werte überhaupt. "Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung. Mit 3488 Anteilen nach den ersten zehn Monaten liegt die Anzahl der Vermittlungen rund zwölf Prozent höher als im Vorjahreszeitraum."

Im aktuell so schwierigen Schiffsmarkt verzeichnet die Fondsbörse nominal sogar nahezu die gleichen Umsätze wie im Vorjahr, aber die niedrigen Kurse führen dazu, dass sich hier der reale Umsatz fast halbiert hat. "Es gibt einige Anleger, die wollen einfach nur verkaufen – egal wie. Daher sehen wir in diesem Bereich teilweise drastisch reduzierte Kurse", konstatiert Alex Gadeberg.

Eine Situation, die insbesondere gut informierte Privatanleger offenbar nutzen, um Fondsanteile zu kaufen, bei denen Historie und Preis-Leistung stimmen. Gerade bei den Schiffen sieht der Fondsbörsen-Vorstand diese Strategie als geschickt an: "Ich bin davon überzeugt, dass einige dieser Anleger, die zu den jetzigen Kursen einsteigen, sich in wenigen Jahren schon fragen werden, warum sie nicht doppelt so viele Fondsanteile gekauft haben." Gadeberg verweist hier auf die historischen Erfahrungen mit dem stets zyklischen Schiffsmarkt und auf Marktprognosen, wonach etwa der weltweite Containermarkt im Schiffsbereich jährlich um drei bis vier Prozent steigen wird.

Starke Nachfrage verzeichnen auch Immobilien und andere Assetklassen auf der Zweitmarktbörse. "Gerade bei Immobilien sind derzeit eine Reihe von guten Produkten auf dem Markt, sehr zukunftsorientiert und mit einer großen Streuung. Auch hier gibt es für viele Anleger klare Einstiegschancen." Allerdings rät Gadeberg, bei allen Beteiligungen genau hinzuschauen: "Es reicht nicht zu prüfen, ob das Einkaufszentrum oder die Immobilien bislang gut performt haben: Wichtig ist, ob das Management erfahren ist."

Für das Jahr 2013 ist Alex Gadeberg daher ähnlich positiv wie in diesem Jahr gestimmt. Die Durchschnittskurse auf dem Zweitmarkt dürften im Jahresschnitt auf dem aktuellen Niveau bleiben ebenso die Jahresumsätze. Allerdings sind auch die Zweitmärkte von den Regulierungsplänen stark betroffen. Die Fondsbörse Deutschland, die von den Börsen Hamburg, Hannover und München betrieben wird, bereitet sich schon seit Monaten intensiv auf die damit verbundene neue Marktphase vor.

"Im Laufe des Jahres 2013 werden wir ein völlig neues Ablaufsystem einführen – alle Abläufe werden dann den neuen gesetzlichen Vorgaben entsprechen." Mehr noch: Die Hamburger investieren mit großem Aufwand, um ihre Marktführerschaft weiter ausbauen zu können. Geplant ist etwa, für jeden Käufer ein separates Treuhandkonto einzurichten und somit das gesamte Kaufverfahren noch transparenter zu gestalten.

Dadurch will die Fondsbörse nicht zuletzt die theoretische Gefahr einer Insolvenz ausschließen. "Es könnte zwar sein, dass nicht jeder Anleger das sofort als Verbesserung sehen wird", so Gadeberg, "denn die neuen Regulierungsregeln erfordern auch mehr Papieraufwand. Die dadurch gewonnene zusätzliche Sicherheit für die Anleger ist jedoch ein schlagendes Argument."

Quelle: RP
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