Regulierung
Sachwert-Investment wird aufgewertet
Regulierung: Sachwert-Investment wird aufgewertet
Ab Sommer nächsten Jahres werden die Regulierungsvorschriften für Geschlossene Fonds noch weiter verschärft. Experten erachten die "gesetzlichen Leitplanken" als wichtig für den Markt. FOTO: istockphoto.com/Michiel de Boer
Geschlossene Fonds müssen künftig strengen Regulierungsvorschriften genügen, damit sie Privatanlegern angeboten werden dürfen. Bereits seit Juni gelten im Vertrieb höhere Anforderungen an Verkaufsunterlagen. Im Juli 2013 kommen weitere Vorschriften dazu. Zugelassen sind dann nur noch Fonds, die die Kriterien des noch zu beschließenden Kapitalanlagegesetzbuches erfüllen. Von Jürgen Grosche

Geschlossene Fonds profitieren davon, ist Eric Romba (VGF) überzeugt: "Die Regulierung verschafft ihnen sehr gute neue Chancen", betont der Hauptgeschäftsführer des Verbandes auf dem RP-Finanzforum. Der neue Geschlossene Fonds zeichne sich durch Sicherheitsnetze und den Schutz durch die Aufsicht aus. Aus dem Fonds-Initiator wird der "Asset-Manager mit Strukturierungskompetenz".

Künftig werde sich der Fokus wieder auf das Investment in Sachwerte konzentrieren. Auf die Branche kommen damit aber große Veränderungen zu: "Die alte GmbH & Co. KG wird es nicht mehr geben", erklärt Romba. Was heißt das für die Emissionshäuser und Banken? "Es wird künftig anspruchsvoller, die Produkte zu gestalten", sagt Alexander Betz (MPC), "der Standard wird damit steigen". Langfristig sei das eine positive Entwicklung.

Auf die Branche wird die neue Fonds-Welt starke Auswirkungen haben, vermutet Dr. Peter Lesniczak (Dr. Peters): "Die Anforderungen an die Häuser steigen." Der Kapitalbedarf werde zunehmen, die Häuser müssten mehr – auch personelle – Ressourcen vorhalten, um die Regulierungsvorschriften zu erfüllen. "Wir werden eine Konzentration am Markt sehen", prognostiziert Lesniczak. Die Überlebenden könnten davon profitieren: "Es wird weniger Marktteilnehmer geben, aber nicht unbedingt weniger Volumen." Eine solche Konzentration hätte Vorteile, betont Michael Kohl (Commerz Real): "Es ist wahrscheinlich, dass schwarze Schafe vom Markt verschwinden werden."

"Die Erwartung 'Alles wird besser' ist eine Illusion", warnt indes Christian G. Harreiner (DBM). Wer jetzt schon gute Produkte mache, tue dies auch künftig – und umgekehrt. Dass schlechte Angebote vom Markt verschwinden, hält Harreiner ebenfalls für eine Illusion. Auch Dr. Illya Steiner (Steiner) bleibt skeptisch. Er befürchtet, dass in Folge der neuen Rahmenbedingungen der Anlegerschutz ins Hintertreffen gerät: "Die Regulierung macht die Arbeit für alle teurer. Die Zeche zahlt dann der Anleger."

Dennoch bleibt Romba dabei, die Regulierung als Chance zu sehen – für alle Seiten. Anleger bekommen bessere Prospekte, und für den Markt seien die "gesetzlichen Leitplanken" wichtig. Romba hält auch ein Marktwachstum für durchaus möglich: "Geschlossene Fonds werden als Sachwert-Investment aufgewertet, und die Nachfrage nach Sachwerten steigt."

Quelle: RP
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