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Dinslaken
Abdullah träumt davon, Gärtner zu werden

Dinslaken: Abdullah träumt davon, Gärtner zu werden
Abdullah Jarlloh (links) aus Sierra Leone mit Fliehburg-Freund Stanley Andrud. FOTO: big
Dinslaken. Seit elf Jahren lebt Abdullah Jarlloh schon in der Flüchtlingsunterkunft an der Fliehburg. Jetzt bekam er die Aufenthaltsgenehmigung. Von Birgit Gargitter

Eine schnellere Bearbeitung der Asylanträge versprechen dieser Tage die Politiker. Im Falle des aus Sierra Leone stammenden Abdullah Jarlloh hätte es vielleicht vieles bringen können, denn der Mann aus Afrika lebt inzwischen seit elf Jahren in der Fliehburg. Vor drei Monaten bekam er endlich die erhofften Papiere - die Aufenthaltsgenehmigung. 34 Jahre alt ist Abdullah Jarlloh heute, mit 24 kam er aus seiner Heimat in ein fremdes Land - zum Nichtstun verurteilt. Denn auch die Erleichterungen auf dem Arbeitsmarkt kommen für ihn elf Jahre zu spät. Dennoch ist Abdullah voller Hoffnungen.

Eine neue Bleibe sucht der Afrikaner nun als erstes, um Platz zu machen für die vielen Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen. Doch mit der Anerkennung als Flüchtling ist er nun auf sich allein gestellt, und das ist nicht ganz einfach. "Deshalb wäre es schön, wenn es mehr Paten gäbe, die sich um die Menschen, die zu uns geflohen sind, kümmern", sagt Lilo Wallerich vom Förderkreis Fliehburg.

"Wir suchen Menschen, die den Flüchtlingen zeigen, wie sie hier den typischen Lebensalltag gestalten können, sich hier einleben und integrieren können. Die sie vielleicht auch mal mitnehmen in ihren eigenen Verein." Es gibt zwar bereits Dinslakener, die sich der Flüchtlinge annehmen, aber es seien noch zu wenige, so Wallerich.

Abdullah Jarlloh stammt aus Sierra Leone, einem Land, in dem Not und Elend herrschen. Bis ins Jahr 2000 tobte dort noch ein blutiger Krieg. "Die Leute kämpften", sagt Abdullah. "Viele Menschen starben um mich herum." Seine Eltern sind längst gestorben, "sie waren schon alt", Geschwister habe er nicht, erzählt Abdullah. Allein auf sich gestellt habe er den Entschluss gefasst, nach Deutschland zu gehen. Über Schleuser, denen er seine Papiere und sein Geld aushändigte. Mit dem Flieger sei er ganz normal in Deutschland eingereist, berichtet der Afrikaner.

Oder fast normal. Kontrolliert worden sei er schon am Flughafen in Sierra Leone, doch "ich gab dem Sicherheitsbeamten in Sierra Leone Geld, und dann ging alles". Und schon ging es ab nach Spanien, Landung auf dem Flughafen Las Palmas auf Gran Canaria. Dort wurden die Flüchtlinge von den Schleusern abgesetzt, kontrolliert hat sie niemand. Mit der nächsten kleineren Maschine ging es direkt nach Hamburg, natürlich wieder durch die Schlepperorganisation.

In Hamburg angekommen, ging es für ihn zuerst zur Registrierung, dann ins Auffanglager. "Recht schnell bekam ich ein Ticket für Jena, doch alle in Hamburg sagten, ich solle bloß nicht dorthin mit meiner Hautfarbe. Dort machten sie Jagd auf Schwarze, es gebe dort viele Probleme. Da warf ich mein Ticket weg und haute ab nach Bremen", erzählt Abdullah die Geschichte seiner Reise, die ihn schließlich über Castrop-Rauxel nach Dinslaken in die Fliehburg führte. "Das war gut für mich, in Dinslaken habe ich noch nie Probleme wegen meiner Hautfarbe mit den Menschen hier gehabt."

Dafür gab es andere Probleme: Eine Schule habe er in Sierra Leone nie besucht, auch hier nicht, er hatte ja nur eine Duldung. Seit einem Jahr erst besucht er die VHS, absolviert einen Integrationskurs. Und erhielt nun endlich die ersehnte Aufenthaltsgenehmigung. Die Angst, abgeschoben zu werden, gehört damit für Abdullah Jarlloh endlich der Vergangenheit an.

Nun aber muss er sich alleine um sich und seine Zukunft kümmern. Wohnungen schaut er sich derzeit einige an, sobald die Schule beendet ist, will er sich um eine Ausbildungsstelle kümmern, am liebsten bei der Stadt Dinslaken - im Gartenbau. "Das wäre die schönste Ausbildungsstelle für mich", wagt Abdullah zu träumen.

Quelle: RP
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