| 10.23 Uhr

Dinslaken
Acht Hände an den Saiten

Dinslaken. Gleich vier Gitarristen gaben sich in der Reihe "DIN Guitar" im Bistro Mittelpunkt die Ehre – auch wenn eigentlich nur ein Trio eingeplant war. Ein musikalischer Genuss für alle Freunde des gepflegten Saitenklangs. Von Florian Langhoff

Als Gitarrist Peter Kroll-Ploeger die Bühne betrat, musste er die Zuschauer über einige Missgeschicke informieren. "Bob Bonastre hat sich auf dem Essener Hauptbahnhof verlaufen. Ich habe eine Stunde gebraucht, um ihn zu finden." Doch wo der Saitenhexer aus Paris zumindest pünktlich zur Show gekommen war, musste das Publikum auf den indischen Gitarristen Konarak Reddy noch bis nach der Pause warten. "Sein Flug gestern wurde gecancelt, und er war heute morgen noch in Dubai", erklärte Peter Kroll-Ploeger die Verspätung. Kein Problem. Denn Roland Sterges sprang erstmal für den Inder ein. So bekam das Publikum von Anfang an drei Gitarristen auf der Bühne zu sehen.

Dabei trumpfte vor allem der in Algerien geborene und in Paris lebende Bob Bonastre auf. "Als ich zum ersten mal ,Third Stone from the Sun' von Jimi Hendrix hörte, war das eine Offenbarung für mich", sagte er und legte dann selbst mit einem Gitarrenfeuerwerk los. Er stimmte eine seiner Saiten auf Bass-Niveau herunter, spielte dann Basslinie und Gitarrenmelodie zeitgleich, erzeugte dazu mit den Fingern einen Schlagrhythmus auf seinem Instrument und sang mit einer Stimme, die sich über drei Oktaven spannte. Bei diesem virtuosen musikalischen Multi-Tasking konnten die anderen Gitarristen nur noch staunend applaudieren.

Derweil boten Roland Sterges und Peter Kroll-Ploeger musikalische Ausflüge in die Folkszene an ("Corinna, Corinna" von Bob Dylan) oder wilderten musikalisch in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ("Brother can you spare a dime?"). Die "Great Depression" brach dabei allerdings nicht aus. Stattdessen gab es eher Anlass zur Freunde, als sich endlich auch Konarak Reddy auf die Bühne kam. Frisch vom Flughafen angekommen, ließ er sich nicht lang lumpen. Seine Finger flitzten in einer Mischung aus westlicher Musik mit indischen Einflüssen über das Griffbrett. "Jetzt fängt es gerade richtig Spaß an zu machen. Aber es ist schon so spät", sagte Peter Kroll-Ploeger und läutete damit bereits das Ende des Gitarrenabends ein.

Zugabe zum Mitraten

"Mit der folgenden Nummer könnten wir ein Quiz veranstalten", erklärte Kroll-Ploeger und begann zu spielen. Auch "Ersatzmann" Roland Sterges kehrte noch einmal auf die Bühne zurück. Und dann erklangen schließlich drei Gitarrensoli gleichzeitig, bevor Sterges begann, mit rauchiger Stimme die "Country roads" anzustimmen, während acht Hände über die Saiten wanderten. Das hätte so schnell wohl niemand erraten. Viel Applaus gab es vom Publikum für das Gitarren-Quartett.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Dinslaken: Acht Hände an den Saiten


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.