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Dinslaken
Adventskalender im Kloster Kamp

Dinslaken: Adventskalender im Kloster Kamp
Der Wuppertaler Peter Nicolaus zeigt Schätze aus über einem Jahrhundert. Er besitzt geschätzt 3000 Adventskalenderexemplare. FOTO: Klaus Dieker
Dinslaken. Das Museum Kloster Kamp lädt zu einer Zeitreise mit dem Adventskalender ein. Von Sabine Hannemann

Einen besonderen Schatz an weihnachtlicher Vorfreude stellt jetzt das Museum Kloster Kamp aus. Am Samstag, 26. November, 15.30 Uhr, heißt es "Türchen auf...". Die Zeitreise mit dem Adventskalender kann beginnen. Dr. Peter Hahnen, Leiter Geistliches und Kulturelles Zentrum Kloster Kamp, ist es gelungen, den Wuppertaler Sammler Peter Nicolaus für eine Ausstellung zu gewinnen.

Alle Exponate im Museum drehen sich um Adventskalender, der Älteste stammt aus 1894 und ist handgemalt. Mit Hilfe der verschiedenen Kalender geht es durch die deutsche Geschichte und deutschen Regionen. Kalender von 1937 sind zu sehen, wie auch Exponate aus der ehemaligen DDR. Während der erste Kalender noch beschaulich in seiner Illustration und aus der sowjetischen Besatzungszeit stammt, dokumentiert der zweite Kalender Jahre später in seiner grafischen Gestaltung sozialistisches Leben in Plattenbauten.

Zu den Raritäten gehört unter anderem ein katechetischer Kalender. Wie sehr auch Verleger bei der Gestaltung mitredeten, zeigen zwei Exemplare von 1932. Die Künstlerin brachte den Entwurf eines Himmelsfensters zum Verlag, der jedoch ablehnte. Die Hausgrafikerin gestaltete ihn neu und ähnlich. "Hinter jedem Stück steckt eine Geschichte", sagt Sammler Peter Nicolaus, der zu Beginn der 1990er Jahre seine Sammelleidenschaft entdeckte. "Bei Ausstellungen sind die Besucher immer wieder erstaunt, welche Vielfalt und auch welche Formate ein Adventskalender annehmen kann", sagt der Wuppertaler. Mancher Kalender komplettiert sich durch Tagesblätter zum Abreißen. Eine weitere Variante sind Bastel-Kalender, bei denen Motive ausgeschnitten und aufgeklebt werden oder die kleine Krippenfiguren hinter den Türchen bieten. Zu den Kuriositäten zählt ein Kalender mit noch funktionierender Schallplatte. Auch die Motivwahl ist facettenreich, klassisch der Engel mit dem Weihnachtsmann oder ein Tannenbaum, an den jeden Tag eine neue Kerze angebracht wird.

Adventskalender waren wandlungsfähig in ihren Aussagen, waren sowohl spirituell, christlich als auch erziehend ausgelegt. Als Peter Nicolaus mit den ersten Kalendern, meist Restbestände aus Schubladen alter Buchhandlungen und Schreibwarengeschäfte, in Kontakt kam, ließen den gelernten Drucker diese Kalender nicht mehr los. Heute hat er geschätzt 3000 Exemplare. Er hat kuriose Geschichten erlebt, vor allem wenn er Annoncen schaltete unter dem Stichwort "Nicolaus sucht Adventskalender". Heute gelingt ihm die Suche per Internet.

Die ersten Adventskalender kreierte 1838 Hinrich Wichern vom Hamburger Rauen Haus. Er betreute vernachlässigte Kinder, und um die Zeit bis zum Fest zu verkürzen, schuf er den Adventskalender mit 24 Lichtern. Um 1900 kam der erste gedruckte Adventskalender in den Handel. Von Deutschland aus eroberte er die Welt. "Diese Kalender sind ein Stück Kultur- und Zeitgeschichte und bedienen unsere Nostalgie", sagt dazu Hahnen. "Ich wollte schon immer eine solche Ausstellung machen." Dass mancher Gast sich in seine Kindheit zurückversetzt fühlt, sei beabsichtigt. "Eine solche Ausstellung trainiert den Muskel der Sehnsucht."

Die Ausstellung ist bis zum 22. Januar täglich geöffnet, 14 bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 11 Uhr. Infos unter www.kloster-kamp.eu

Quelle: RP
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