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Dinslaken
Alles aus Kohle im Museum auf Zeit

Dinslaken: Alles aus Kohle im Museum auf Zeit
Die erste Mitmachausstellung im DIZeum stieß auf große Resonanz. Nun denkt der Freundeskreis über eine Wiederholung nach. FOTO: Jochen EmdE
Dinslaken. Das DIZeum startete im Ledigenheim Lohberg mit einer gelungenen Mitmachausstellung in die Saison. Von On Sara Schurmann

Mit einem kräftigen "Glück auf" begrüßt Silvo Magerl vom Freundeskreis DIZeum jeden Besucher der Mitmach-Ausstellung "Alles aus Kohle" im Ledigenheim. "Es wird auch immer Glück auf bleiben, weil ich jeder Zeit stolz darauf war und bin, Bergmann zu sein", sagt er selbst. Da kann ihm Peter Griesbeck, der ebenfalls rund 40 Jahre im Bergwerk tätig war, nur zustimmen: "Das Schwarze unter den Fingernägeln bleibt für immer." Diesen Stolz und die Freude über ihre ehemalige Arbeit unter Tage will das DIZeum im Ledigenheim mit anderen Bergleuten teilen, aber auch der jüngeren Generation näher bringen - deshalb endete die Sommerpause des Museums mit einem Paukenschlag. Jeder, der eigene Sammelstücke zum Thema Kohle zu Hause hat, konnte diese zum DIZeum bringen, wo sie am Sonntag ausgestellt wurden.

Auf den langen Tischen in der ehemaligen Kantine des Ledigenheimes liegen zahlreiche Schätze: Porzellanteller mit Fördertürmen bemalt, ein Wettermessstellen-Schild, ein Gasspürgerät oder Figuren aus Kohle. Fragen beantworten die Fachleute spielend: Was es beispielsweise mit diesen seltsam anmutenden hängenden Figuren auf sich hat? Göpel heißt die Konstruktion aus Seilen und sollte die Arbeiter vor dem anstrengenden Abstieg auf Leitern bewahren. Sicher sieht eine solche Fahrt in die Tiefe nicht aus, gerade dann nicht, wenn Magerl von den Umständen berichtet: "Die Seile waren nur aus Hanf, aber dafür waren die Schächte nicht so tief wie heute - nur 50, 100 oder 300 Meter." Ein paar Tische weiter liegt ein aktuelleres Förderseil, das vertrauenswürdiger aussieht. Der ehemalige Bergmann Walter Kirch erklärt, dass das Seil mit 86 Millimetern Durchmesser erst bei 400 Tonnen Gewicht reißen würde. Angst habe er unter Tage nie gehabt. Falls doch mal ein tödliches Gas aufstieg, habe es CO-Filter gegeben - und dann hieß es: "Nichts wie raus aus dem Schacht!" Unverzichtbar waren auch die Grubenleuchten, von denen unzählige ausgestellt sind. "Heben Sie doch mal diese hier hoch", fordert Kirch mit einem Augenzwinkern auf: Allein die Lampe anzuheben, gleicht einem Kraftakt.

Etwas weniger anstrengend ist dagegen das Betrachten der Kunstwerke von Rainer Höpken und Peter Griesbeck. Griesbeck vollzog den Wandel vom Bergmann zum Künstler und stellt nun Werke aus, die beide Phasen seines Lebens umschließen. So sind auf einer pechschwarzen Leinwand die unterschiedlichsten Materialien zu sehen, die alle etwas mit der Arbeit unter Tage zu tun haben. Kohle aus Lohberg habe er verwendet - "Wenn schon, dann auch authentisch", sagt er selbst - Rost, Stahl, aber auch Kiesel und eine Bussardfeder. "Der Bergmann brauchte als Ausgleich für unter Tage die Weite des Rheins", erklärt Griesbeck. Aus Eisen, Kohle, Rost und Bongossiholz bestehen außerdem seine abstrakten Skulpturen. Und wer sich fragt, wieso ausgerechnet Bongossiholz - da springt Magerl direkt ein und berichtet, dass dieses widerstandsfähige Holz für die Bahnschwellen unter Tage genutzt wurde. Es gibt kaum eine Frage, die hier nicht beantwortet werden kann.

Janet Rauch vom Freundeskreis DIZeum ist begeistert vom Interesse der Besucher und hofft auf eine Wiederholung. Denn genug zu erzählen haben die Bergleute auf jeden Fall und Silvo Magerl betont auch die Bedeutsamkeit für die Region: "Was für Amerika die Cowboys, sind für das Ruhrgebiet die Bergmänner."

Quelle: RP
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