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Dinslaken
Alles aus Kohle im Museum für einen Tag

Dinslaken: Alles aus Kohle im Museum für einen Tag
Das DIZeum wird Mitmachmuseum für einen Tag - hier die Erinnerungsstücke des Freundeskreises. FOTO: Heiko Kempken
Dinslaken. Das DIZeum im Ledigenheim startet die Saison am Sonntag mit einer Mitmach-Ausstellung. Von Anja Hasenjürgen

Im Schaustollen des DIZeums sind mehrere hundert Jahre Bergbau-Vergangenheit versammelt: Der Freundeskreis bereitet die Ausstellung am Sonntag vor, die zugleich auch Saisoneröffnung des Museums im Ledigenheim ist. Alle Männer und Frauen des Freundeskreises haben auf dem Pütt gearbeitet, viele unter, manche über Tage, jeder 30, 40 Jahre, alle haben Erinnerungsstücke an diese Zeit. Und genau um solche Erinnerungsstücke geht es bei der Ausstellung am Sonntag, 16. August,: "Alles aus Kohle" heißt sie - und es ist eine Mitmach-Ausstellung: Jeder kann seine eigenen Erinnerungsstücke mitbringen und ausstellen.

Die Mitglieder des Freundeskreises haben schon vorgelegt. Ihre Erinnerungsstücke auf dem großen Holztisch erzählen Geschichte: von Dinslakens Vergangenheit als Bergbau-Standort, davon, wie die Menschen damals arbeiteten und lebten. Und sie erzählen Geschichtchen, Anekdoten, Legenden. Das Mutterklötzchen etwa, das die Bergleute gerne einsteckten, damit "Mutter" daheim den Ofen heizen kann. Wenn der Portier am Ausgang die Tasche kontrollierte und fragte, was das denn sei, "dann hat man gesagt, das sei Futter fürs Kaninchen. Und wenn es kein Holz frisst — na, dann werf ich es in den Ofen", erzählt Silvo Magerl. Ob das Klötzchen, wie in diesem Fall, gemeinhin schon geschnitten war, oder nicht - auch darüber können sich Besucher und Aussteller oder ausstellende Besucher am Sonntag austauschen.

Dr. Inge Litschke hat eine Vase, Schachtel und Untersetzer mitgebracht, alles tiefschwarz und aus Kännelkohle gefertigt. Sie war Sekretärin und rechte Hand des Lohberger Begwerkdirektors Hoffmann, der ihr 1956 zum Abschied die Teile schenkte. Die Untersetzer habe sie "ständig in Benutzung", sogar in der Spülmaschine waren sie schon. So robust diese Kännelkohle ist, so begehrt war sie früher. "Das ist Gold", sagt Hermann Dolar und streicht über ein unbearbeitetes Stück Kännelkohle, die, anders als normale Kohle, geschnitzt werden kann. Und die die Bergleute gerne unter Tage mopsten - aus einem illegalen Flöz nämlich, der deswegen lang und länger wurde, erzählen die Männer vom Freundeskreis und berichten auch von der Gefahr, die dieser illegale Abbau barg: Denn der Stollen war nicht belüftet.

Der Geist in der Schublade

Um die Gaskonzentration abschätzen zu können, gab es Wetterlampen - auch sie sind Sonntag zu sehen - oder, ganz früher, Kanarienvögel. Angeblich jedenfalls. Jawohl, sein Opa habe einen solchen Vogel gehabt, erzählt einer der Herren. Noch so eine Legende: Das Grubenpferd, das Schnupftabak nahm. "Das gab es überall", schmunzelt Dolar angesichts der Prisenpulle, die einst die Gewerkschaft verschenkt hat und die nun auf dem Holztisch liegt. Daneben: Lederhelm - und Grubenlampe: Sechs Kilo Vergangenheit, die Dolar dem Besucher verschmitzt in die Hand drückt: "Das ist schon die leichte."

Weil das Museum in den Ferien geschlossen war, ist die Ausstellung "Alles aus Kohle" zugleich auch die Eröffnung der neuen Saison, so dass die Besucher neben Stollen, Video und Fotos auch den nachgebauten Schlafraum des Ledigenheims besichtigen können. Einige Mitglieder des Freundeskreises wie Hermann Dolar haben hier einst geschlafen - "sehen Sie, mein Bett ist noch zerwühlt" - und können anschaulich vom Alltag der Junggesellen damals erzählen: Vom Karten- und Kumpelkloppen, von der Schokolade, die es für Minderjährige statt Alkohol gab und mit der man junge Mädchen ganz wunderbar bezirzen konnte, von Care-Paketen, die manche noch bekamen, und die so groß waren, dass man beim Gemüsehändler um die Ecke die Sackkarre leihen musste.

Wer sich anstrengt, kann noch heute den Geist der früheren Bewohner schnarchen hören. Denn der spukt angeblich im Ledigenheim umher - und residiert in einer Schublade.

Quelle: RP
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