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Dinslaken
Als es in Wesel noch die Mods gab

Dinslaken: Als es in Wesel noch die Mods gab
Die Zeichnungen von Tobias Dahmen lassen die Jugendzeit ihres Autors in Wesel wieder lebendig werden. FOTO: Ekkehart Malz
Dinslaken. Musik, blitzende Roller und gut gekleidete Jugendliche - die aus Großbritannien stammende Subkultur der Mods gab es auch in Wesel. Mit seiner Kunst erinnert Tobias Dahmen daran. Von Sebastian Latzel

Wer so etwa zwischen 40 und 60 Jahre alt ist und irgendwie aus Wesel stammt, hat jetzt eine große Chance: Bis zum 21. August kann er noch einmal in die Zeit seiner Jugend zurückreisen. In die Zeit der 80er und 90er Jahre. In die Zeit, als die Post in Flüren noch kein Edelrestaurant, sondern die Kultdisco schlechthin war und das Baby Doll am Kornmarkt noch ganz trendy Underground hieß. Solche Orte, Partys und Personen aus Wesel lässt Tobias Dahmen in seinem Comic "Fahrradmod" lebendig werden. Und dass er damit offenbar den Nerv der Zeit trifft, zeigt die Tatsache, dass der Carlsen Verlag bereits die dritte Auflage des 400-Seiten-Werks in Auftrag gegeben hat und die Stühle im Centrum bei der Ausstellungseröffnung für die zahlreichen Besucher kaum ausreichten. Der ein oder andere nahm daraufhin ganz einfach auf dem Jugendbett von Tobi Dahmen Platz, das samt der Original-Einrichtung aus Jugendjahren jetzt seinen Platz im Centrum gefunden hat.

Die Ausstellung liefert einen unterhaltsamen Einblick in die Entstehung des Comics, der für Tobias Dahmen eine Herzensangelegenheit war. Immer mal wieder arbeitete er an dem Projekt, ganz intensiv dann acht Jahre, um die Zeit seiner Jugend in Wesel und vor allem die Bewegung der Mods in Szene zu setzen.

Der Künstler mit (erwachsen gewordenen) Vertretern der Mod-Szene: Christoph Küster, Tobias Dahmen, Markus Scholten und Bernd Reuther (v.l.) FOTO: Küster

Dahmen war selbst Teil dieser Szene, die auf chromblitzende Roller, Soul und maßgeschneiderte Anzüge setzt, obwohl er selbst nie einen Roller hatte. "Fahrradmod" ist daher auch der ironische Titel des mehrfach ausgezeichneten Comics. Christine Vogt, Direktorin der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen, verriet in ihrer Eröffnungsrede sogar, dass Tobias Dahmen bei der Verleihung des "Max und Moritz"-Comic-Preises von Laudatorin Hella von Sinnen auf die Bühne zitiert wurde. Hier musste Dahmen Tanzschritte zeigen, die er in seinem Comic dokumentiert hatte. Da zeigte sich: Dahmen kann nicht nur zeichnen, sondern auch tanzen. Gekommen waren viele, die früher selbst Teil der Szene waren, Protagonisten aus dem Buch kamen auch zu Wort. So berichtete Christoph Küster alias Kuschelmod Billy davon, dass man in der Provinz in Wesel eher ein Do-it-yourself-Mod war. Weil die entsprechenden Läden in Wesel einfach fehlten, musste man sich selbst helfen und den Vater bitten, dass der den Roller wieder in Gang bringt. Bernd Reuther, der Bodo aus dem Buch, zeigte auf, dass einiges im Comic doch dichterische Freiheit ist: "Ich habe nämlich keinen Zivildienst geleistet", stellte er klar.

Da zu der Szene vor allem die Musik gehört, sorgte ein dritter Protagonist aus dem Buch (Markus Scholten) für die passende Untermalung und Tobias Dahmen bekam dann zur Ausstellung dann doch noch einen echten Roller. Den hatte ein Bekannter gespendet. Allerdings nur als Leihgabe für die Ausstellung, die ein Tipp für alle ist, die mal wieder in Jugenderinnerungen schwelgen wollen. Mod muss man dafür nicht sein. Nur aus Wesel kommen.

Quelle: RP
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