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Dinslaken
Andi Knappe lässt künstliche Galaxien leuchten

Dinslaken. Im Museum Voswinckelshof stellt der Dortmunder Künstler seine Arbeiten aus.

"Wann haben sie zum letzten Mal bewusst zum Sternenhimmel aufgeschaut?", fragt Andi Knappe. Die Unermesslichkeit des Universums, die Bedeutung des Lichts im Raum und auch die Ungewissheiten der Astrophysik mit ihren Theorien, die es immer wieder neu zu widerlegen gilt, um einer für den Menschen unfassbaren Wirklichkeit näher zu kommen, lassen den Dortmunder Künstler nicht mehr los. Seinen Stil immer wieder neu entwickelnd, schafft er ein eigenes Universum im begrenzten Ausstellungsraum. Mit unterschiedlichen Bilderwelten aus verschiedenen Zeiten, mit über die Wände expandierenden Motiven, mit schwingenden Linien und mit das Licht reflektierenden Leuchtfarben. Zu begehen sind diese künstlichen Galaxien seit gestern im Museum Voswinckelshof. Der Titel der Sonderausstellung im Foyer und im ersten Obergeschoss: "Transformationen - Sterne und Galaxien".

Andi Knappe arbeitet mit dem Raum, kreiert so im Zusammenspiel mit Wänden, Durchsichten, oben und unten begehbare Installationen, die eine schwebende, offene und vibrierende Atmosphäre schaffen. Die Sternenreise beginnt im Foyer. Der Urknall, wie sollte es anders sein. Er entstand 2007 aus Knappes Beschäftigung mit dem Dekonstruktivismus. Objekt:Bilder nennt er die Werke dieser Schaffensepoche: Ölfarbe und auseinanderstrebende Holzkeile auf über selbstgebaute, zackenförmige Keilrahmen gespannte Leinwand. Die Holzkeile streben auseinander, die Spannung entsteht durch die Balance der gegensätzlichen Bewegungsrichtungen. "Ich sitze nicht im Atelier und denke mir ein Bild aus", sagt Knappe, "jedes Werk beinhaltet einen neuen Aspekt, dessen weitere Ausarbeitung mich zum nächsten führt." 14 Tage Schreinerarbeiten, um auf individuell gearbeiteten Leinwänden zu malen, war ihm zuviel Handwerk und zu wenig Kunst. Der Ausweg: der Weg ins Innere, von der Explosion zur Implosion. Die Bilderreihe "Hubble - Vermächtnis" zeigt oszillierende Linien wie Umlaufbahnen von Planeten, die um sich selber kreisen. Sie scheinen sich zu bewegen, sind aber in ihr Inneres gerichtet - und finden so Platz auf konventionellen, rechteckigen Leinwänden. "Phantasie ist wichtiger als Wissen" sagte ausgerechnet Albert Einstein, Entwickler der Relativitätstheorie und Wissenschaftsgenie schlechthin. Denn es ist die Phantasie, die den Menschen zu neuen Erkenntnissen führt, ihn antreibt, Neues zu denken und zu wagen und sich nicht im Altbekannten zurückzulehnen. Wissen ist Kenntnis aus der Vergangenheit, Phantasie ist der Weg in zukünftige Erkenntnis.

Andi Knappe experimentierte mit Leuchtfarbe, um sich dann "Weissbildern" zuzuwenden, arbeitete wie Matisse mit Scherenschnitten, um aus Formen und Negativformen Verbindungen zwischen Bildern zu schaffen. Zu sehen sind letztere beide Werkgruppen in der so genannten "Schatzkammer" des Voswinckelhofs.

Ein Raum, der aufgrund seiner Wandfarbe und Lichtverhältnisse als schwierig gelte, ihm aber genau aus diesen Gründen sehr entgegen komme, meint Knappe.

(bes)
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