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Dinslaken
Anwohner reden über ihre Ängste

Dinslaken. Stadt informierte über Flüchtlingsunterkunft an der Katharinenstraße.

"Wir haben uns nicht gewünscht, dass in anderen Ländern Krieg ist, dass so viele Menschen vor Bomben, Granaten und Terror fliehen müssen" - mit diesen Worten versuchte Caritasdirektor Michael van Meerbeck die ein wenig aufgeheizte Stimmung im Saal des Alfred-Delp-Hauses zu dämpfen. Über 200 Anwohner sowie Menschen aus anderen Stadtteilen waren ins Altenpflegeheim der Caritas gekommen, um sich über die mögliche Belegung der ehemaligen Kita Katharinenstraße mit Flüchtlingen zu informieren. Ob nun wirklich die Kita mit 36 Flüchtlingen belegt werde, hinge von der Zahl der vom Land zugewiesenen Menschen ab und wann sie denn kämen.

Denn die Stadt baut derzeit zügig Unterkünfte an der Fliehburg und im Hardtfeld aus. Hier sollen bis Juni insgesamt 575 Wohnplätze entstehen. Doch laut Prognosen stellen sich die Dinslakener auf einen Zuzug von rund 800 bis 1000 Flüchtlingen ein, dieselbe Anzahl wie im Jahr 2015 also. "Wir versuchen, den Flüchtlingen eine menschenwürdige Unterkunft zu bieten, ohne dass dies zu einer Belastung der Bürger führt", so Bürgermeister Michael Heidinger. Niemand könne genau sagen, wie viele Menschen wann kommen, "wir haben keinen Einfluss darauf, sondern bekommen unsere Kontingente zugewiesen und müssen dementsprechend reagieren mit einer Vorlaufsphase von drei bis fünf Tagen". Im Moment habe Dinslaken sich ein wenig Luft verschaffen können, da der Protest vieler kleiner Städte erfolgreich verlaufen sei. Flüchtlinge würden zurzeit zuerst auf die größeren Städte verteilt, die ihr Kontingent noch nicht erfüllt hätten.

Bei der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde äußerten die Bürger ihre Bedenken, prangerten die "Verschleierungstaktik" der Verwaltung in puncto Flüchtlinge und Kriminalität an, fühlten sich teilweise benachteiligt, doch vor allem überwog bei den Frauen die Angst angesichts der Vorfälle in der Kölner Silvesternacht. "Wer zahlt uns einen Selbstverteidigungskurs? Wer garantiert für unsere Sicherheit?" Die Polizei habe doch selbst Angst vor Migranten, meinten so manche Anwesende. Dass bislang laut Statistiken der Polizei kein Anstieg der Kriminalität zu verzeichnen sei, wie Sozialdezernentin Christa Jahnke-Horstmann versicherte, wollten die Anwohner kaum glauben.

Sicherlich sei es in der Fliehburg zu Handgreiflichkeiten gekommen, doch bei einem Zusammenleben so vieler Menschen auf einem relativ engen Raum - Menschen, die dazu nicht arbeiten dürften, also nichts zu tun hätten - sei dies nur natürlich, so Heidinger. Dazu käme der Personalmangel. Daher sei geplant, die Anzahl der Betreuungskräfte zu erhöhen und Sicherheitspersonal einzustellen. "Wir machen den Ankommenden schnell deutlich, was geht und was nicht und stehen darüber hinaus in engem Kontakt mit der Polizei", erklärte van Meerbeck.

(big)
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