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Neu In Der Stadtbibliothek
Auf den Spuren einer magischen Welt

Dinslaken. Roland Schimmelpfennig ist der derzeit wohl bekannteste deutsche Dramatiker, dessen Theaterstücke auch auf den Bühnen des Auslands viel gespielt werden. Sein auf Anhieb erfolgreiches Romandebüt mit dem ungewöhnlichen Titel "An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts" wurde den RP-Lesern hier vor einem Jahr empfohlen. Sein zweiter Roman, "Die Sprache des Regens", spielt in einer grauen, heruntergekommenen Industriestadt am Meer, irgendwo am Rande der Welt und irgendwann in früheren Jahrzehnten.

Der Leser lernt nach und nach die Menschen dieser Stadt kennen, die in ärmlichen Verhältnissen leben und von einer unsichtbar bleibenden Obrigkeit beherrscht werden. Einige der Einwohner lernt man dann näher kennen, die fast alle miteinander verwandt, bekannt oder befreundet sind: die Lehrerin Maria, ihren Mann Toni und ihre Tochter Isabel, den Polizisten Ramiel und seinen Sohn Petja, der sich unglücklich verliebt und aus der Stadt verschwindet - um nur einige zu nennen.

Von Unglück und Leid sind die meisten der Figuren des Romans gezeichnet. Und doch leben sie fast alle noch in einer anderen, glücklicheren Welt: in der Welt der Fantasie, der Geschichten und des magischen Denkens. Als das einzige Kino der Stadt geschlossen werden soll, kämpfen fast alle Bewohner der Stadt geschlossen für dessen Erhalt - allerdings vergeblich.

Der Roman führt seine Leser aber auch unmittelbar in die Welt märchenhafter Geschichten und lebendiger Mythen, in dem er immer wieder die Sage von König Vadim von Reval und Riga einblendet, der aus Liebeskummer 90.000 Meilen um die Welt reist und dabei die Sprache der Dinge entdeckt: die Sprache des Eises, der Winde, der Steine und des Regens. Schimmelpfennig lässt die Lehrerin Maria diese mythische Geschichte von König Vadim erzählen und verknüpft so beide Erzählebenen seines Romans miteinander. Erst wenn man die Präsenz einer poetischen und magischen Welt hinter dem tristen Lebensalltag der Bewohner der grauen Stadt mit liest, erschließt sich die Botschaft dieses Romans.

Ein anrührender, poetischer Roman, der von Tristem und Schönem, von Trauer und Glück in einem kühlen, wie unbeteiligtem Chronikton erzählt, und der gerade dadurch seinen Leser von Anfang an gefangen nimmt.

RONALD SCHNEIDER

Schimmelpfennig, Roland: Die Sprache des Regens; S. Fischer Verlag 2017.

Quelle: RP
 
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